Gericht entscheidet über Kiesabbau am Niederrhein

WDR 03:11 Min. Verfügbar bis 08.06.2028

Kiesstreit am Niederrhein Eine Region in Gefahr?

Stand:

Kiesabbau am Niederrhein: Jetzt könnte ein Gericht den jahrelangen Streit neu entscheiden. Was das für die Region bedeutet.

900 zusätzliche Hektar Auskiesungsfläche am Niederrhein - das sind fast 1.300 Fußballfelder. Davon 125 Hektar in Kamp-Lintfort. Bürgermeister Christoph Landscheidt (SPD) ist vom Regionalplan Ruhr entsetzt. Durch mehr Kiesabbau würde "eine ganze Region zu einer Seefläche gemacht", fürchtet er.

Christoph Landscheidt, SPD, Bürgermeister von Kamp-Lintfort

Christoph Landscheidt (SPD), Bürgermeister von Kamp-Lintfort

Der Regionalplan Ruhr legt unter anderem fest, wo künftig Rohstoffe wie Kies abgebaut werden dürfen. Zusammen mit dem Kreis Wesel, den Städten Hamminkeln, Neukirchen-Vluyn und Rheinberg sowie den Gemeinden Alpen und Hünxe hat Landscheidt deshalb schon 2024 gegen den Plan geklagt.

Oberverwaltungsgericht soll Klarheit bringen

Der Vorwurf der Kommunen: Die Landesregierung mit ihrem Landesentwicklungsplan und der Regionalverband Ruhr (RVR) mit seinem darauf aufbauenden Regionalplan würden den Kiesbedarf zu hoch ansetzen. Deshalb würden zu viele neue Abbauflächen genehmigt.

Kieswerk mit Bagger und Förderturm

Anders sieht es ein Kiesunternehmen. Es fordert noch weitere Flächen und klagt ebenfalls beim Oberverwaltungsgericht Münster. Am 12. Juni steht nun die öffentliche Verhandlung mit anschließendem Urteil an.

RVR habe Interessen abgewogen

Der RVR betont auf unsere Anfrage, er müsse für einen Ausgleich widerstreitender Interessen sorgen. Und:

"Die im Regionalplan festgelegte Flächenkulisse für Abgrabungsbereiche ist Ergebnis dieser Abwägung und trägt nach Auffassung des Regionalverbands Ruhr diesen Anforderungen Rechnung."

Regionalverband Ruhr

Die Kreisverwaltung Wesel findet hingegen Umwelt- und Landschaftsschutz nicht genügend berücksichtigt.

Kritik: Regionaler Abbau, aber internationaler Export

Das NRW-Wirtschaftsministerium hält regionalen Kiesabbau für die Baubranche für notwendig, da weite Transporte teuer und nicht nachhaltig seien. Gleichzeitig kritisiert Landscheidt, dass der dort abgebaute Rohstoff auch international exportiert wird.

"Wir sind hier nicht die Kiesgrube Europas, aus der unbegrenzt in die Benelux-Länder exportiert werden darf!" Christoph Landscheidt (SPD), Bürgermeister Kamp-Lintfort

Kommunen hoffen auf Urteil

Landscheidt und die anderen Bürgermeister fordern kein völliges Aus für die Industrie. Wenn sie vor Gericht Recht bekommen, hoffen sie auf einen vorläufigen Stopp für neue Flächen - und dann einen neuen Regionalplan mit weniger zusätzlichen Kiesgruben.

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Christoph Landscheidt, Bürgermeister Stadt Kamp-Lintfort
  • Regionalverband Ruhr
  • Kreisverwaltung Wesel
  • NRW-Wirtschaftsministerium

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf 09.06.2026, 19:30 Uhr

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