Eine Frau in rotem Blazer mit Blumenstrauß vor Luftballons mit der Zahl 70

70 Jahre im Job: Hermine Freitag aus Grefrath denkt nicht ans Aufhören

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Hermine Freitag feiert ein ganz besonderes Jubiläum: Sie arbeitet seit genau 70 Jahren. Wieso die 84-Jährige nicht in Rente will.

Ein paar letzte Handgriffe sind noch zu erledigen: Die Platten mit Streuselkuchen und Schnittchen werden angerichtet, eine Flasche Sekt wird geöffnet. Alle blicken gespannt zur Tür. Und dann kommt sie endlich.

Hermine Freitag blickt erstaunt in die Runde. "Was ist denn hier los?", fragt die 84-Jährige. Vor ihr stehen in einem Halbkreis etwa 20 Menschen - alles Kollegen, Freunde und langjährige Wegbegleiter. Sie klatschen und gratulieren Freitag. Denn sie feiert ein ganz besonderes Jubiläum: Seit 70 Jahren arbeitet sie jetzt schon, davon bereits mehrere Jahrzehnte in einem Babyfachmarkt in Grefrath.

Mehrere Generationen Kunden - sie erinnert sich an alle

Eine Verkäuferin steht zwischen Baby-Wiegen, das Foto ist schwarz-weiß

Hermine Freitag Mitte der Achtziger bei der Arbeit

Ihre Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau hat Freitag im April 1956 angefangen. Seitdem ist sie ihrem Beruf treu geblieben. Sie arbeitet seit Mitte der Achtziger, schon Generationen von Kunden hat sie begleitet - und an die meisten kann sie sich noch ganz genau erinnern.

"Es kommt schon die dritte, vierte Generation. Manche kommen als Großeltern wieder.“ Hermine Freitag

Auch Lea Kriscio, die von der IHK hier ist, um eine Urkunde für das Jubiläum zu überreichen, hat schon von Freitag gehört. "Eine Freundin von mir ist schwanger und war mit ihrer Mutter hier einkaufen. Frau Freitag hat gearbeitet und konnte sich noch genau daran erinnern, was sie der Mutter vor fast 30 Jahren verkauft hat" - "ein Kinderzimmer in Eiche", ergänzt Hermine Freitag und lacht.

Sieben Jahrzehnte und viele Geschichten

Ellen Hegger ist Geschäftsführerin im Babyfachmarkt in Grefrath - und auch Freitags Nichte. Sie arbeiten seit Jahrzehnten zusammen und Hegger kann sich an einige Geschichten mit Hermine Freitag erinnern. "Auf einer Messe haben wir eine Abendveranstaltung gehabt, und da hat sie dann ihre neuen Pumps hergegeben und dann haben alle Vertreter daraus Sekt getrunken."

Anita Crax hat Freitag in ihrer Ausbildungszeit kennengelernt. "Damals waren Miniröcke in Mode", erinnert sie sich. Aber Freitag hat das Tragen von kurzen Röcken nicht erlaubt - also wurde Crax erfinderisch: "War Frau Freitag im Geschäft, wurde der Rock runtergelassen, war sie weg, wurde er wieder hochgekrempelt", erzählt sie und schmunzelt. "Ist aber nie aufgefallen."

Der Job "ist ihr Baby" und ihre Familie

Eine Frau in einem roten Blazer bekommt einen Blumenstrauß überreicht

Zum Jubiläum gibt es jede Menge Blumen

Ellen Wehnen kennt Hermine Freitag seit fast 30 Jahren. "Also, vom Typ her ist sie sehr energiegeladen und eigentlich war die Planung, dass sie sich zurückzieht." Aber Freitag hat vor rund 20 Jahren, als ihr Rentenalter erreicht war, einfach weitergemacht. Wehnen weiß, wie viel ihr die Arbeit bedeutet: "Die Firma ist ihr Baby und das hat sie großgezogen. Und ein Baby lässt man nicht alleine liegen."

Auch Freitag selbst betont, wie wichtig ihr die Arbeit ist: "Ich habe den Kunden gegenüber ein persönliches Verhältnis, das hat mich auch immer erfüllt. Ich hab selbst keine Kinder, aber gerade die Kleinen, die lächeln einen an und ich finde das toll."

Ans Aufhören denkt Hermine Freitag nicht

Mittlerweile arbeitet Freitag nur noch drei Tage die Woche. Wie lange sie noch arbeiten will, weiß sie nicht: "Ich habe keinen Plan. Ich mache erstmal weiter wie bisher."

70 Jahre im Job: Hermine Freitag aus Grefrath denkt nicht ans Aufhören

WDR Studios NRW 03.04.2026 00:35 Min. Verfügbar bis 05.04.2028 WDR Online

Aber bei einer Sache ist sie sich sicher: Das nächste runde Berufsjubiläum will sie aber nicht mehr machen: "Nee, die 80 Jahre nicht mehr!

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
  • Gespräch mit Hermine Freitag
  • Gespräch mit Ellen Wehnen

Sendung: WDR.de, 70 Jahre im Job: Hermine Freitag aus Grefrath denkt nicht ans Aufhören, 05.04.2026, 06.05 Uhr

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