Altersdepression: Wie wichtig es ist, sich gebraucht zu fühlen

Aktuelle Stunde 18.07.2025 26:58 Min. Verfügbar bis 18.07.2027 WDR Von Per Quast

Altersdepression: Die stille Gefahr kann tödlich enden

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Altersdepression ist ein Thema, das häufig übersehen wird. Sie kann jedoch lebensbedrohlich sein. Fragen und Antworten.

Wolfgang Grupp, der Ex-Trigema-Chef, hat einen Suizid-Versuch jetzt öffentlich gemacht. Der 83-jährige Geschäftsmann erklärte in einem Brief, dass er sich das Leben nehmen wollte, weil er an einer Altersdepression leidet. Die Erkrankung kann lebensbedrohlich sein. Doch was genau ist eine Altersdepression, wie macht sie sich bemerkbar und was kann man dagegen unternehmen? Fragen und Antworten in der Übersicht.

Was ist eine Altersdepression?

Neben den klassischen Symptomen einer Depression (Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Verlust von Interesse an Freunden und Hobbys) treten bei der Altersdepression alterstypische Besonderheiten auf. Während bei Jüngeren zum Beispiel Probleme im Beruf eine Rolle spielen, sind es bei älteren Menschen häufig Gesundheitsfragen. Menschen, die an Altersdepression leiden, richten ihre Sorgen oft auf ihre körperlichen Beschwerden und konzentrieren sich auf diese.

Die meisten Älteren, die an einer Depression erkranken, hatten schon in jüngeren Jahren depressive Phasen. Zudem können sich bestimmte Ereignisse negativ auswirken und zu einer Depression führen. Dazu zählen etwa das Ausscheiden aus dem Berufsleben, weniger finanzielle Mittel bei Renteneintritt, Verlusterfahrungen wie der Tod eines nahestehenden Menschen, die räumliche Trennung von Kindern und Enkelkindern oder der Umzug in ein Heim.

Wie viele Menschen sind von Altersdepression betroffen?

Senior mit Depressionen

Ältere Männer haben ein erhöhtes Suizidrisiko

Depression gehört neben Demenz zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im höheren Älter. Besonders bei Männern steigt das Suizidrisiko, je älter sie werden. Laut der "Deutschen Depressionshilfe" werden 35 Prozent der Suizide von Menschen über 65 Jahren verübt, ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt aber nur 22 Prozent.

Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts erkranken in Deutschland 8,1  Prozent aller Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren im Laufe eines Jahres an einer Depression. Betrachtet man nur die 70- bis 79-Jährigen, sind es 6,1  Prozent. Allerdings sind leichtere Depressionen zwei bis drei Mal so häufig bei älteren Menschen zu finden.

Wie wird Altersdepression behandelt?

Es gibt inzwischen viele Antidepressiva, die gut wirken. Allerdings muss man gerade bei älteren Menschen, die oft schon andere Medikamente einnehmen, darauf achten, dass es nicht zu Wechselwirkungen kommt. Depression im Alter ist lebensbedrohlich, und das mehr noch als bei Jüngeren. Ein erhöhtes Suizidrisiko, Bettlägerigkeit und verminderte Flüssigkeitszufuhr sind Faktoren einer Depression, die konsequent behandelt werden müssen.

Auch Psychotherapie ist ein bewährtes Mittel bei Depressionen. Allerdings wird diese nur sehr selten von älteren Menschen in Anspruch genommen. Laut "Deutscher Depressionshilfe" liegt der Anteil der Über-Sechzigjährigen, die zur Psychotherapie gehen, nur bei 6 Prozent.

Was können Angehörige unternehmen?

Angehörige und Freunde sollten vor allem aufmerksam zuhören. Sätze wie "Ich kann nicht mehr" oder "Ich will nicht mehr" sollte man immer ernst nehmen. Sprechen Sie Personen direkt darauf an, die sich so äußern. Informieren Sie die Hausarztpraxis oder holen Sie andere professionelle Hilfe, wenn jemand über Suizid spricht oder sich verhält, als würde er einen Plan in dieser Richtung haben.

Manche Krankenhäuser bieten auch spezielle Abteilungen an. So gibt es an der Uniklinik Köln eine Spezialambulanz für Altersdepression. Zudem bietet das Info-Telefon Depression Hilfe für Betroffene und Angehörige. Unter 0800 / 3344533 erhält man den Weg zu Anlaufstellen.

Unsere Quellen:

Über dieses Thema berichten wir auch am Samstag, 19.07.2025, ab 07.00 Uhr im WDR 5-"Morgenecho"

Warum wir über diesen Suizidversuch berichten

Im Normalfall berichten wir nicht über Suizide oder Suizidversuche, da dadurch die Nachahmungsgefahr steigt. In diesem Fall machen wir eine Ausnahme, da der Fall von Trigema-Chef Wolfgang Grupp und sein Umgang mit der Erkrankung besondere Auswirkungen auf die Öffentlichkeit hat.

Wenn Ihre Gedanken darum kreisen, sich das Leben zu nehmen, bieten verschiedene Organisationen Hilfe und Auswege an:
Wer Hilfe braucht und die Telefonseelsorge anrufen will, der kann das unter: 0800 / 111 0 111 , 0800 / 111 0 222 oder 116 123 oder per Mail und Chat unter online.telefonseelsorge.de

Eine Übersicht weiterer Angebote hat die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention unter suizidprophylaxe.de aufgelistet.

Kommentare zum Thema

7 Kommentare

  • 7 Britta 20.07.2025, 13:22 Uhr

    Oft werden ältere Menschen nicht mehr wahr genommen. Das liegt auch daran, das ihnen das Geld fehlt um Dinge zu unternehmen. Sie kommen dadurch nicht mehr in die Kommunikation mit anderen Menschen.Das besonders Frauen davon betroffen sind, ist ja hinreichend bekannt! Geändert hat sich bisher nichts, die Rente reicht für Nix! Ich weiß wovon ich spreche……. 45Jahre war ich Sozialarbeiterin und habe meinen Beruf geliebt weil ich vielen Menschen in Not helfen konnte Aufgrund der eigenen Erziehung unserer Kinder habe ich für die Rente Fehlzeiten . Nu bekomme ich 678€ Rente. Unsere Kinder sind wohl geraten und haben dem Staat bisher keinen Cent gekostet. Dafür bekomme ich heute einen Hunger Betrag. Depression hat viele Ursachen! Schade, das in der Gesellschaft immer nur darüber geredet wird……

  • 6 Heidemarie Benz 20.07.2025, 02:18 Uhr

    Herr Grupp wird noch sehr gebraucht. Als Vorbild und Hoffnung für die Menschen. Seine Worte und Ansichten und Werte werden heute sehr dringend gebraucht.

  • 5 Anonym 19.07.2025, 00:16 Uhr

    Herrn Grupp wünsche ich gute Besserung. Als "Selbstzahler" wird er sicherlich sofort umfassende Hilfe bekommen. Dieses Glück besteht bei Kassenpatienten nicht. Sie müssen auf Therapieplätze lange warten. Daher werden viele auch gar nicht eine Therapie versuchen. Man muss erstmal die Ausdauer aufbringen bei der Suche nach eine Therapieplatz. Mit dem Altern der Baybyboomer-Generation wird sich das Thema Altersdepressionen verschärfen. Aber schon jetzt fehlen Therapeuten. Und was machen die politischen Entscheider und: Wieder nichts und nur abwarten. Das Problem löst sich ja von alleine...

  • 4 Axel 18.07.2025, 20:28 Uhr

    Ich rechne es W. Grupp hoch an, dass er an die Öffentlichkeit gegangen ist. Das zeugt von Charakter. Ich wünsche ihm von Herzen eine gute Genesung!

  • 3 Hugo aus R. 18.07.2025, 19:36 Uhr

    Ein wirklich wichtiger und gehaltvoller Beitrag. Respekt vor Herrn Grupp, wie er mit seiner Erkrankung umgeht und gute Besserung für ihn.

  • 2 Karl Morgenstern 18.07.2025, 18:16 Uhr

    Das ist hier mal ein Beitrag mit Substanz. Danke.

  • 1 Bewundernswert + Taff 18.07.2025, 16:59 Uhr

    Herr Grupp, sen. hat es wohl nicht verkraftet die Führung seiner Firma an seine Kinder zu übergeben. Obwohl ich mir sicher bin, das er immer noch zu allen wichtigen Entscheidungen um Rat gefragt wird, hätte ich es nie für möglich gehalten, das er an Alters-Depressionen leidet. Er wirkte immer absolut taff. So kann man sich täuschen. Aber das er das öffentlich zugibt, ist schon sehr bemerkenswert. Ich wünsche ihm alles Gute und schnelle Genesung. PS. Ich bin kein Mitarbeiter von trigema

    Antworten (1)
    • otto 19.07.2025, 11:27 Uhr

      Normalerweise ist der Weg jetzt in die Psychiatrie...und das ist dort nicht so spaßig.

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