Millionen Menschen kämpfen in Deutschland mit Alkoholsucht. Zwar ging der Alkoholkonsum in Deutschland in den vergangenen Jahren leicht zurück. Doch immerhin 7,9 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren konsumieren Alkohol "in einer gesundheitlich riskanten Form" - so das vor wenigen Wochen veröffentlichte "Suchtbuch" der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Bei neun Millionen Personen sei ein "problematischer" Konsum zu beobachten.
Abhängig - nicht nur von Alkohol
Auch zur Nikotinabhängigkeit hat das "Suchtbuch" Zahlen: Knapp ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland raucht regelmäßig Tabak. Cannabis konsumieren 1,3 Prozent der Jugendlichen und 8 Prozent der jungen Erwachsenen regelmäßig. 0,6 Prozent der Cannabis-Konsumenten zwischen 18 und 64 Jahren gelten als abhängig.
3,6 Prozent der 18- bis 64-Jährigen konsumieren regelmäßig weitere Drogen wie Kokain, Crack, Amphetamine oder Ecstasy. 2.227 Menschen starben im Jahr 2023 durch den Konsum von solchen weiteren Drogenarten - der bisherige Höchststand.
Große Belastung für Betroffene und Angehörige
Für Betroffene, aber auch für ihre Angehörigen und Freunde, ist eine Drogenabhängigkeit in der Regel eine große Belastung. Den Süchtigen droht der gesundheitliche, finanzielle und soziale Verfall. Freunde und Familie sind oft konfrontiert mit immer schwieriger werdenden Verhaltensweisen. Familien zerfallen oder geraten in finanzielle Notsituationen.
Kinder von Drogenabhängigen sind häufig schwer belastet und übernehmen große Verantwortung, um das Alltagsleben der Familie halbwegs am Laufen zu halten.
Betroffene ansprechen
Grundsätzlich gilt: Wer beobachtet, dass ein nahestehender Mensch oder Kollege offensichtlich Probleme mit Alkohol oder anderen Drogen hat, sollte diese Person darauf ansprechen. Nicht vorwurfsvoll oder verurteilend, sondern mit sogenannten Ich-Botschaften, rät das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit: "Ich habe den Eindruck, dass…" oder "Ich beobachte, dass…" - anstelle von "Du trinkst zu viel". Einfach zum Ausdruck bringen, dass man sich Sorgen macht.
Daneben gibt es die Möglichkeit, selbst bei einer Beratungsstellen anzurufen oder den Kontakt an den Betroffenen weiterzuleiten. Allein in NRW gibt es zahlreiche Stellen und Organisationen, die Betroffenen Hilfe anbieten oder vermitteln können.
Hier findet man Rat und Hilfe
- Eine Nummer, die immer geht, ist die Hotline der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): 01806 313031 (kostenpflichtig).
- Auch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) in Köln bietet eine Hotline, die lokale Hilfs- und Beratungsangebote vermittelt: 0221 892031. Das BIÖG kann man auch online anschreiben, ein Psychologen-Team antworte innerhalb von etwa zwei Arbeitstagen mit einer "fachlich fundierten Antwort", heißt es auf der Homepage.
- Auch die Hausärztin oder der Hausarzt kann eine geeignete Adresse sein. Wer sich Sorgen macht, solle "das Thema Alkohol offen zur Sprache bringen", rät das BIÖG. Das Gespräch könne man beispielsweise so beginnen: "Ich mache mir seit einiger Zeit Gedanken über meinen Alkoholkonsum." Oder: "Meine Frau / mein Mann wirft mir vor, ich würde zu viel trinken. Können Sie mir sagen, was zu viel ist?" Eine körperliche Untersuchung könne dann klären, ob der Alkohol bereits zu organischen Schäden geführt hat. Dazu gehört ein Blick auf das Herz-Kreislauf-System, eine neurologische Untersuchung sowie das Abtasten der Leber. Auch das Blutbild zeigt, ob es Veränderungen im Stoffwechsel gibt durch ständig überhöhte Alkoholzufuhr.
- Man kann sich auch direkt an eine Suchtberatungsstelle wenden. Im Suchthilfeverzeichnis der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) lässt sich Hilfe und Beratung in Wohnortnähe sehr differenziert suchen: Man gibt eine Postleitzahl ein, ein Bundesland, das persönliche Thema und auch eine Sprache, in der man Hilfe sucht.
- Auch für Kinder von suchtkranken oder psychisch kranken Eltern, die sich oft ganz allein und verunsichert fühlen, gibt es verschiedene Hilfsangebote. Die Plattform "Hilfe im Netz" bietet viele Informationen und Beratung - per Chat, online oder per Telefon. Über eine Suchmaske kann man auch Adressen von persönlichen Beratungsstellen vor Ort finden.
- Kinder und Jugendliche, die sich Sorgen machen oder Hilfe brauchen, können außerdem die "Nummer gegen Kummer" wählen: 116 111. Hier weiß man auch Rat beim Thema Drogensucht.
Verwendete Quellen:
- Suchtbuch 2025 der DHS
- Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (BIÖG)
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)