Auch auf dem Schützenfest Erle wird über umstrittene Partyhits diskutiert
"Layla" auf dem Schützenfest : So diskutiert Erle umstrittene Partylieder
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Erlangen will umstrittene Partyhits wie "Layla" und "Baby Bell" von Volksfesten verbannen. Doch auf dem Schützenfest in Erle läuft die Musik weiter. Zwischen klarer Ablehnung von Verboten und wachsender Sensibilität für strittige Texte zeigt sich: Die Debatte ist auch auf dem Land in NRW angekommen.
"Layla," "Deine Freundin", "Nein heißt ja". Die Stadt Erlangen bittet, auf ihren Volksfesten unter anderem diese drei Lieder nicht zu spielen. Der Grund: Sie seien sexistisch und frauenfeindlich. Ist das nun Bevormundung oder ein richtiger Schritt? Wir haben nachgefragt auf dem Schützenfest in Erle.
Erle ist ein vergleichbares kleines Dorf im Kreis Borken mit nicht ganz 3.700 Einwohnern. Umso beeindruckender ist es, wenn man das Schützenfest am Straßenrand sieht.
Auf einem Feld reckt sich ein großes Festzelt der untergehenden Sonne entgegen. Umrahmt von Autoscooter, Karussell und anderen Jahrmarktständen. Die bunten Lichter erhellen die aufkommende Dämmerung.
Schützenfest Erle nicht nur vom Namen her ein Volksfest
Und zwischen den Ständen tummeln sich bereits zig Menschen vor dem Festzelt. Obwohl die Party noch nicht angefangen hat. Überraschend ist das nicht: 1.100 Mitglieder hat der Schützenverein. Fast jeder Dritte Erler ist Mitglied.
Andreas Pass: Für ihn kommt es auf den Zusammenhalt an, nicht auf die Musik.
Ein echtes Volksfest eben. Und das merkt man: Der Altersdurchschnitt ist kaum zu bestimmen. Alt und Jung feiert hier zusammen. "Es wird zusammen gefeiert und das ist das Wichtigste!" Der Vorsitzende des Schützenvereins Erle ist sichtbar stolz auf die Feier seines Vereins.
Aber bei einer solchen Gemeinschaftsfeier mit Alt und Jung sind doch manche Lieder unangebracht, oder? "Nein!" sagt Andreas Pass deutlich. Vielleicht werden manche Lieder erst nach Mitternacht gespielt. Aber eine Liste wie in Erlangen? Das bräuchte man hier nicht.
"Ich finde es wichtig, dass wir keine Musik ausschließen, dass wir alles mitmachen!" Andreas Pass, Vorsitzender des Schützenvereins Erle
Zwischen Verständnis und Ablehnung: "Layla" okay, Nazi-Lieder ein No-Go
Die Schützenfestgäste sind sich dagegen nicht ganz einig. Die noch amtierende Schützenkönigin Elke Mohr springt ihrem Vorsitzenden zur Seite. Sie sagt zum Verbot: "Meiner Meinung nach braucht es das nicht. Zum Schützenfest kommen alle aus dem Dorf - und daher soll da auch alles an Musik kommen."
Auch ihr amtierender König Andreas Witte hält nichts von Verboten. "Wir lassen alles an Musik laufen." Zumindest was Lieder wie "Layla" betrifft. Der Noch-König zieht eine andere Grenze.
Das Königspaar hält nichts von Lieder-Listen
"Solange hier keine Nazilieder gegrölt werden, ist alles erlaubt." Andreas Witte, amtierender Schützenkönig in Erle
Alle Songs auf Schützenfest erlaubt? Jüngere Generation sieht es etwas anders
Sobald man aber die jüngeren Gäste fragt, wird es etwas differenzierter. Persönlich halten sie solche Listen zwar auch nicht für notwendig, sie können die Diskussion aber verstehen. "Es gibt schon Lieder, die man eher woanders spielen sollte", sagt zum Beispiel Tim Baumeister.
Tim Baumeister sieht zum Beispiel das Donau-Lied kritisch
"Das sind halt Partylieder, die die Stimmung hochhalten. Aber manche Textzeilen sind schon nicht angebracht", beurteilt Sina Hülsdünka manche Lieder auf dem Schützenfest. Eine Erlanger Liste sieht sie trotzdem mit gemischten Gefühlen.
Sina Hülsdünka hat Probleme mit manchen Texten, auf eine Liste würde Sie diese trotzdem nicht unbedingt setzen.
Verbot-Liste wie in Erlangen? Diskussion auch unter Musikern
Für Sängerin Melanie Engels ist die Debatte nicht neu. Sie tritt regelmäßig auf Volksfesten auf. Eine Liste wie in Erlangen hat sie selbst noch nicht erlebt. "Nur ein einziges Lied wurde uns vor zwei Jahren mal untersagt. Das war, als "L'amour toujours" wegen des Vorfalls auf Sylt in Verruf geraten ist."
Melanie Engels wurde bisher keine Liste nach Erlanger Art vorgesetzt.
Sie hält eine solche Liste aber auch nicht für nötig. Klar könnten manche Lieder unschöne Situationen im Publikum hervorrufen, darauf könnte aber jede Band reagieren und sollte dies auch tun.
Dazu gäbe es verschiedene Möglichkeiten. Man könnte zum Beispiel die Playlist anpassen oder den Ordnern helfen. "Von der Bühne habe ich das Publikum oft besser im Blick als die Ordner", sagt Engels. Am Ende ist sie sich mit Andreas Pass einig: Ein Volksfest für alle, dafür brauchen wir keine Erlanger-Liste.
Unsere Quellen:
- Schützenverein Erle
- Gespräch mit Sängerin Melanie Engels
- WDR-Reporter vor Ort
Sendung: WDR 5, Morgenecho, 01.06.2026, 6:30 Uhr
