Suche nach neuen Verhütungsmitteln: Kommt bald die Pille für den Mann?
03:16 Min.. Verfügbar bis 19.03.2028.
Zwischen Kühlschränken, Absaugehauben und Laborpipetten nehmen Professor Timo Strünker und sein Team das Spermium genau unter die Lupe. Dank fleißiger Samenspender kann der Molekularbiologe die winzigen Spermien auf Größe, Form und Funktion genaustens untersuchen.
Spermien im Fokus
Die Forschenden nehmen für allem Spermien genau unter die Lupe.
Seit über 15 Jahren fokussiert er sich auf die männliche Keimzelle, vergleicht Sperma von unfruchtbaren und fruchtbaren Männern und entdeckt einen entscheidenen Unterschied: Am Schwanz des Spermiums befinden sich kleine Ionenkanäle, die die Botenstoffe der Eizelle ins Innere des Spermiums fließen lassen. Damit bekommt es kurz vor seinem Ziel noch einen extra Turbo. Nur so kann das Spermium die Eizellenschale durchbohren und diese befruchten.
Bei unfruchtbaren Männern, die noch Sperma produzieren, sind diese Kanäle verstopft. Doch wie bekommt man diesen Zustand kurzfristig und temporär auch bei allen anderen Männern hin? Dieser Frage will der Forschungsverbund rund um Professor Timo Strünker nachgehen. Mit dem Ziel: Eine Pille zu entwickeln, die der Mann, die Frau oder beide gleichzeitig einnehmen können.
Einzigartige Technik mitten in Münster
Die Forschung rund um Professor Strünker wird vom Bundesforschungsministerium unterstützt.
Auf der Suche nach dem passenden Wirkstoff, der die Kanäle verstopft, betrachtet das Team alle Seiten des Spermiums im Detail. Zum Beispiel im benachbarten Center für Nanoforschung. Dort wird das noch lebendige Spermium erst einmal schockgefrostet und in dünnste Scheiben geschnitten. Modernste Mikroskop-Technik ermöglicht den Forschenden dann ganz neue Einblicke. Einzigartig in Deutschland.
Drei Jahre - drei Millionen Euro Fördergelder
Insgesamt zwölf Millionen Euro hat das Bundesforschungsministerium für die Entwicklung neuer Verhütungsmittel bereitgestellt. Vier Ansätze sollen damit für weitere drei Jahre gefördert werden, so auch die Arbeiten von Professor Strünker und seinem Forschungsverbund.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
- Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
- Universitätsklinikum Münster
- Center for Soft Nanoscience (SoN)
Sendung: WDR Lokalzeit Münsterland, 18.03.2026, 19.30 Uhr