Bei großer Hitze ist es im Hamburger Tunnel unerträglich: Es stinkt bestialisch nach Urin und Kot. Trotzdem sind hier täglich viele Fußgänger und Radfahrer unterwegs. Für sie ist der Tunnel die kürzeste Verbindung zwischen dem dicht besiedelten Hansaviertel hinter dem Bahnhof und der Innenstadt.
"Nicht sehr angenehm, da durch zu laufen." Passant
Täglich kommt die Kehrmaschine
Das Problem existiert seit vielen Jahren. Zuständig ist die Stadt Münster. Die hatte vor Jahren Fahrradständer im Tunnel aufgebaut, um der Flut an Rädern im Bahnhofsbereich Herr zu werden. 2022 wurden all diese Abstellanlagen wieder abgebaut, weil dazwischen so viel Müll und Fäkalien lagen, dass die Straßenreiniger überfordert waren.
Und auch jetzt kommt täglich die Kehrmaschine und reinigt die Fahrbahn. Die Kothaufen in den Ecken lassen die Mitarbeiter der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM), die die Straßenreinigung machen, allerdings liegen.
Chemikalien gegen Kot und Urin
Dafür rückt eine Spezialfirma an. "Die Abfallwirtschaftsbetriebe haben nicht das technische Equipment", erklärt AWM-Sprecherin Manuela Feldkamp-Bode. "Und sie sind auch nicht im Umgang mit den Chemikalien geschult, die dort eingesetzt werden." Die Spezialfirma reinigt nach Angaben der Stadtverwaltung je nach Bedarf, regulär alle zwei Wochen.
Bei der Beseitigung von Urin und Fäkalien kommen Wasser und Desinfektionsmittel zum Einsatz. Das Gesundheitsamt der Stadt rät dazu. Denn der Kontakt mit menschlichen Fäkalien birgt ein hygienisches Risiko. "Besonders gefährdet sind Personen mit eingeschränkter Immunabwehr sowie Kinder," so das Gesundheitsamt.
Tunnel soll modernisiert werden
Mittelfristig will die Stadt den Tunnel umgestalten: neue Böden und Wände, mehr Licht und insgesamt eine freundlichere Atmosphäre mit Vogelgezwitscher aus Lautsprechern. Die Pläne liegen in der Schublade, sollen jetzt aber noch einmal überarbeitet werden. Mit veranschlagten drei Millionen Euro sind sie vielen Kommunalpolitikern zu teuer.
Neue öffentliche Toiletten geplant
Die Stadt hofft, dass die Neugestaltung Wirkung zeigt und die Leute nicht mehr ungeniert die Wände und Ecken als Toilette missbrauchen. Doch wohin mit der Notdurft? Im Bahnhofsviertel und auch in der Altstadt von Münster gab es einst öffentliche Toiletten.
Doch die Stadt Münster hat fast alle abbauen lassen, unter anderem weil die Drogenszene die Räume für sich einnahm. Laut Stadtverwaltung soll es nun aber wieder neue öffentliche Toilettenanlagen geben. "Fünf Standorte sind geplant, einer davon am Hauptbahnhof", sagt Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer (SPD). "Nächstes Jahr im Frühling."
Unsere Quellen:
- Stadt Münster
- Abfallwirtschaftsbetriebe Münster
- Reporterin im Gespräch mit Passanten
Sendung: WDR.de, Wildpinkler im Bahnhofsviertel Münster, 24.06.2026, 05.02 Uhr