Für Micha und sein Team der Kölner Abfallwirtschaftsbetrieben stehen heute mehrere Einsätze an Altkleidercontainern im Stadtteil Neubrück an. Auf dem Weg zum ersten Container finden die Männer auf dem Bürgersteig eine zerlegte Schrankwand, zwei Sessel, einen Küchenstuhl, Hausmüll, Pappkartons - und darunter Katzenstreu mit Katzenkot.
"Das ist hier illegal abgestellt", sagt Micha. "Solche Stellen finden wir immer häufiger in der Stadt." Das AWB-Team ist mit einem großen Müllfahrzeug unterwegs. Micha ist der Fahrer. Sperrmüll und Hausmüll landen im Wagen und werden gepresst. Gleich ein paar Meter weiter, beim Altkleidercontainer, stehen noch mehr zerlegte Schränke.
"Hier können wir montags, mittwochs, freitags herkommen - es sieht immer so aus", berichtet Micha. "Ich verstehe nicht, dass die Leute sich nicht die Mühe machen, den Sperrmüll zu bestellen. Das kostet in Köln nichts und ist total einfach. Man kann den Sperrmüll online oder per Telefon bestellen.“ Stattdessen stellen offenbar immer mehr Menschen in Köln ihren Müll einfach an den Straßenrand oder entsorgen ihn irgendwo an einsamen Wegen.
Kosten für Entsorgung steigen: Kölner müssen 15 Millionen Euro zahlen
In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der gemeldeten illegalen Müllablagerungen in Köln von 24.000 auf 30.600 angestiegen - ein Plus von mehr als 25 Prozent. Etwa 3.000 Tonnen illegal entsorgten Müll haben die Kölner Abfallwirtschaftsbetriebe allein im vergangenen Jahr weggeschafft. Die jährlichen Kosten für die Entsorgung sind innerhalb von fünf Jahren von circa zehn Millionen Euro auf mehr als 15 Millionen Euro gestiegen. Diese Kosten müssen Bürger und Unternehmen mit ihren Müllgebühren zahlen.
Auch andere Städte in NRW stellen fest, dass illegal entsorgter Müll zunimmt. In Bielefeld ist die Menge in den vergangenen zehn Jahren von 200 Tonnen auf etwa 1.000 Tonnen gestiegen. Selbst in Naturschutzgebieten wurden illegale Müllberge entdeckt. Der Bielefelder Stadtrat hat deshalb im Mai beschlossen, probeweise Mülldetektive zu engagieren. Sie sollen die Verursacher aufspüren. Zudem hat der Rat die Bußgelder für illegale Müllentsorgung angehoben.
Münster plant Task-Force gegen illegalen Müll
Auch in Münster nimmt der wilde Müll zu. 2024 haben die Kosten für die Entsorgung dort die Grenze von einer Million Euro überschritten. Die Stadt Münster will mit einer neu gegründeten "Task-Force Müll" gezielt gegen wilde Ablagerungen vorgehen. Mitarbeiter der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster und des Ordnungsamtes der Stadt sollen sich um besonders betroffene Bereiche im Stadtgebiet kümmern.
Mülldetektive erwischen fast 600 Tatverdächtige
In Dortmund ist seit 2020 ein Ermittlungsdienst Abfall (EDA) im Einsatz. Die inzwischen 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben allein im vergangenen Jahr bei rund 6.100 Einsätzen fast 600 Bußgeldverfahren eingeleitet. Insgesamt fordert die Stadt von den im vergangenen Jahr erwischten Müllsündern 130.000 Euro.
Ein wichtiger Teil der Arbeit des EDA sind aber auch Beratungsgespräche mit Bürgern. Die hat der Ermittlungsdienst in fast 2.500 Fällen geführt. Die Dortmunder Müllermittler beobachten Hotspots im Stadtgebiet - zum Teil auch verdeckt. Sie sind bis in die Nacht im Einsatz. Im kommenden Jahr sollen zwei weitere Stellen hinzukommen. Nach Angaben der Stadt Dortmund ist der Ermittlungsdienst Abfall ein Erfolgsmodell. Das Müllaufkommen in Dortmund ist in den vergangenen Jahren - anders als im Landestrend - nicht gestiegen.
Warten auf Mülldetektive in Köln
In Köln sollten laut dem "Masterplan Sauberkeit" der Stadt eigentlich schon seit Anfang 2025 Mülldetektive im Einsatz sein. Doch die Arbeiten an dem Konzept dauern an. Micha von den Kölner AWB steht mit seinem Team inzwischen am Ende eines einsamen Feldwegs. Hier liegen haufenweise Kunststoffhüllen von Elektrokabeln, daneben Bauschutt, Hausmüll, ein verbogenes Metalltor und ein ausgeweideter E-Scooter.
Offenbar sind das die Überreste von Kabeldiebstählen bei der Deutschen Bahn. "Das ist leider Alltag bei uns - traurig", sagt Micha. "Jeder will in einem sauberen Zuhause leben und genauso will auch jeder in einer sauberen Stadt leben. Dafür braucht es aber die Hilfe der Bürger."
Drastischer Anstieg von illegalem Müll in NRW
WDR. 23.06.2026. 01:07 Min.. Verfügbar bis 24.06.2028. WDR Online.
Unsere Quellen:
- Abfallwirtschaftsbetriebe Köln
- Stadt Köln
- Stadt Münster
- Stadt Bielefeld
- Stadt Dortmund
Sendung: WDR.de, Drastischer Anstieg von illegalem Müll in NRW, 23.06.2026, 5.05 Uhr