Justin ist Lagerist bei einem Dienstleistungs-Unternehmen in Münster. Er hat also eine geregelte Arbeit, findet aber partout keine Wohnung. Weshalb der 26-Jährige jetzt schließlich hier gelandet ist: in der kommunalen Erstaufnahme-Einrichtung für Geflüchtete, auf dem Gelände der ehemaligen Oxford-Kaserne.
Hier hat die Stadt übergangsweise 18 Männer untergebracht, die zwar einen Job, aber kein Dach über dem Kopf haben. Die Bewohner klagen aber über schlimme Wohnverhältnisse.
Menschenunwürdige Zustände
"Ich hatte Käfer im Bett, Schimmel im Badezimmer, Dreck in der Küche und das Wasser aus den alten Leitungen kannst du auch nicht trinken", fasst Justin die Wohnsituation zusammen. Außerdem kritisiert er die Unterbringung in einem 3-Bett-Zimmer gemeinsam mit anderen Bewohnern.
"Die erste Nacht haben viele auf dem Flur geschlafen, weil es so dreckig war in den Zimmern. Die Standards sind miserabel", pflichtet ihm Janek Ewers bei. Er ist Sozialarbeiter und betreut die Bewohner. "Einen Protestbrief haben die Betroffenen auch geschrieben. Seitdem schauen Mitarbeiter des Sozialamtes zwei Mal die Woche vorbei."
Fotos zeigen können wir leider nicht, die Stadt hat der Presse den Zutritt untersagt. Auch Bewohner haben sich nicht getraut, Fotos zur Verfügung zu stellen.
Stadt weiß nicht wohin mit den Menschen
Geändert hat sich allerdings wenig, die Stadt räumt Schwierigkeiten ein. Dabei steht sie vor dem Dilemma, die Menschen unterbringen zu müssen. Dazu ist die Kommune gesetzlich verpflichtet. Nur wohin, wenn kaum Wohnraum da ist und den Menschen niemand eine Chance geben will?
Wohnraum gab es zwar, in Form des "Arbeiterwohnhauses", betrieben von der Bischof-Hermann-Stiftung in Münster. Dort waren wohnungslose Männer, die einen Job haben - meist im Niedriglohnsektor - untergebracht. So wie Justin.
Das Gebäude wird aber gerade von der Stadt aufwendig erweitert und saniert. Deshalb mussten die Bewohner raus. Zuerst ging es in ein Gebäude in der Nähe der jetzigen Unterkunft, dann für ein paar Tage ins Hotel.
Bewohner fühlen sich hin und hergeschubst
Und jetzt steht schon wieder ein Umzug an. Anfang Juli sollen die Bewohner wieder in Hotels einquartiert werden. Denn die Sanierung des "Arbeiterwohnhauses" kommt nicht richtig voran - es ist wohl erst Ende August wieder bezugsfertig.
"Keiner hat'n Plan! Das mit der Sanierung war allen bei der Stadt längst bekannt. Wir werden herumgereicht wie heiße Kartoffeln, die keiner haben will", regt sich Justin auf.
"Es fehlt die Unterstützung von der Stadt, aber auch von der Politik. Es wird einfach nicht richtig reagiert" Janek Ewers, Sozialarbeiter Bischof-Hermann-Stiftung
Das Problem wird aber auch nicht kleiner: waren vor zwei Jahren noch rund 2100 Menschen in Münster wohnungslos, sind es derzeit mehr als 2300. Tendenz steigend.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Bewohnern der Unterkunft
- Reaktionen der Stadt Münster
- Informationen der Bischof-Hermann-Stiftung
- Stadt Münster
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 22.06.2026, 19.30 Uhr.