Stadtgespräch in Münster

"Wir Tierheime sind keine Bittsteller"

Stand:

Viele Tierheime sind randvoll und die Kosten steigen: Für Futter, Personal und Untersuchungen. Wer kann den Tierheimen helfen?

Von Marie Roters

WDR 5 hat Tierschützer, Politiker und Ehrenamtliche zum Stadtgespräch bei den Tierfreunden Münster geladen. Es braucht mehr für den Tierschutz – da sind sich heute alle sehr schnell einig.

Tierheime kosten viel Geld

Das große Problem: Die Kosten steigen. Denn Personal, Futter und Tierärzte kosten viel Geld. Das spürt auch der Leiter der Tierfreunde Münster, Ingmar Karrie, zu Beginn des Stadtgesprächs. "Wenn gesundheitliche Probleme vorliegen, wie unserem Kaninchen Charlotte, dann können sich die Kosten schnell auf 300 bis 400 Euro belaufen."

Dass der Betrieb des Tierheims teuer ist, weiß auch Gerd Kortschlag. Er ist der Vorsitzende des Tierschutzverbandes NRW und Vorsitzender des Tierheims Leverkusen. Sie erhalten zwar Zuschüsse der Stadt – ohne Spenden würde sie aber mit dem Rücken an der Wand stehen. Denn viele Tierheime kriegen zwar Geld für sichergestellte Tiere und Fundtiere. Für abgegebene Tiere sind sie allerdings auf Spenden und Mitgliedsbeiträge angewiesen. Auf der anderen Seite fehlt auch vielen Kommunen Geld – eine Erhöhung der Zuschüsse ist für sie schwierig.

Pauschaler Betrag als Lösung?

Schnell wird klar: Tierheime sind dringend notwendig - aus dem Publikum meldet sich Sandra Kassenböhmer vom Tierheim Coesfeld und bestätigt:

"Wir sind voll mit Tieren." Sandra Kassenböhmer, Tierheim Coesfeld

Sie zeigt sich enttäuscht von der Politik. Häufig kämen gerade zur Wahl viele Politiker für einen Besuch vorbei – von den vielen Versprechen würde sich hinterher wenig zeigen. Gerd Kortschlag hat für sein Tierheim eine Pauschale mit der Kommune ausgehandelt – das schlägt er auch den anderen Tierheimen vor. Diese solle dann für sichergestellte Tiere, Fundtiere und Abgabetiere gelten.

Tierheim-Hündin Hummel beim Stadtgespräch | Bildquelle: WDR / Marie Roters

Norwich Rüße, Sprecher für Tierschutz im Landtag NRW und Mitglied der Partei B90/Die Grünen betont, man habe sich im Landtag schon für Richtsätze eingesetzt, die eine Grundlage für die Verhandlungen bilden – beim Publikum wird das mit Applaus und Zustimmung belohnt. Gerlinde von Dehn, Tierärztin und Tierschutzbeauftragte Nordrhein-Westfalens erzählt, dass das bereits ein Thema an einem runden Tisch gewesen sei. Denn dann haben alle Ehrenamtlichen die gleiche Verhandlungsgrundlage.

Weg mit der Hundesteuer für Tierheim-Hunde?

Aus dem Publikum kommt ein weiterer Vorschlag, um die Tierheime zu entlasten – So wird eine Befreiung von der Hundesteuer vorgeschlagen. Bei dem Leiter des Ordnungsamtes Münster, Norbert Vechtel, kommt das gut an. Sie sind unter anderem für Fundtiere verantwortlich. Die Entscheidung über die Hundesteuer würde am Ende aber nicht er, sondern die Politik treffen. Im Laufe des Gespräch wird Norwich Rüße nochmal ganz deutlich:

"Wir beuten das Ehrenamt aus." Norwich Rüße, Landtagsabgeordneter von der Partei Bündnis 90/Die Grünen

Denn bei der freiwilligen Feuerwehr würden die Kommunen viel dafür tun, damit die Ehrenamtlichen gut versorgt werden. "Sonst müssten sie das Geld in hauptberufliche Feuerwehren stecken." Dass das bei den Tierheimen ähnlich sei, würden viele nicht sehen.

Das Publikum hat sich rege an der Podiumsdiskussion beteiligt. | Bildquelle: WDR / Marie Roters

Gerd Kortschlag betont dabei nochmal:

"Wir Tierheime sind keine Bittsteller, wir verkaufen unsere Dienste." Gerd Kortschlag, Tierschutzverband NRW

Gegen Ende des Stadtgesprächs geht es auch nochmal um die Wildtierhilfe - Thomas Voß von der Aktiven Wildtierhilfe Münster fordert mehr Unterstützung durch die Kommunen. Inzwischen würden sie ein wenig Geld von der Stadt bekommen. Sie sind aber nach wie vor zu einem großen Teil auf Spenden und Mitgliedsbeiträge angewiesen. Norwich Rüße kennt das Problem. Sein Wunsch: In jedem Regierungsbezirk eine hauptverantwortliche Wildtierhilfestation ernennen, andere arbeiten zu. Im Kreis Düren im Rheinland würde man gerade versuchen genau das einzurichten.

Eines wird bei diesem Stadtgespräch ganz deutlich: Es müssen Lösungen her – denn Tiere sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft.

Stadtgespräch in Münster: Überfüllte Tierheime

WDR 5 Westblick - aktuell 18.06.2026 04:10 Min. Verfügbar bis 18.06.2027 WDR 5

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Unsere Quellen:

  • Gespräche vor Ort
  • WDR-Reporterin vor Ort
  • Stadt Münster

Sendung: WDR 5, Stadtgespräch: Tierheime in Not – Kein Platz mehr für Bello und Co.? 20.06.2026, 13.03 Uhr.