Pferde-Tierheime im Rheinland am Limit

02:40 Min. Verfügbar bis 19.03.2028

50 Anfragen am Tag: Pferde-Tierheime im Rheinland am Limit

Stand:

Immer mehr Pferdebesitzer geraten an ihre Grenzen und wollen ihre Pferde an Gnadenhöfe abgeben.

Von Anne Burghard

Die Tierheime sind überall am Limit. Zu viele Hunde, Katzen, Kleintiere - aber jetzt auch: Pferde. Ponys, Kleinpferde, Isländer, Haflinger - aber auch große Turnierpferde aus dem Reitsport sind dabei. Die Anfragen bei Gnadenhöfen im Rheinland sind stark gestiegen, doch die Plätze sind begrenzt.

Bis zu 50 Anfragen am Tag

Nina Aschoff leitet einen Pferdeschutzhof | Bildquelle: WDR

Im Klepperstall Zülpich leben derzeit 30 Pferde. Sie alle haben berührende Geschichten mit ihren Besitzern: Trennung, Verzweiflung, Geldmangel und Krankheit. Die Zahl der Anfragen der Besitzer, die ihre Pferde abgeben wollen, hat drastisch zugenommen, sagt die Leiterin des Klepperstalls, Nina Aschoff:

Wir hatten früher in der Woche 50 Anfragen, ob wir Pferde aufnehmen können. Mittlerweile sind wir bei 30 bis 50 am Tag. Nina Aschoff, Leiterin Klepperstall

Schwierige Suche nach neuen Pferde-Besitzern

Claudia Prinz stößt oft an ihre Grenzen | Bildquelle: WDR

Der Klepperstall in Zülpich ist kein Einzelfall. Viele Gnadenhöfe und Tierschutzvereine stehen vor demselben Problem. Wie zum Beispiel auch der Tierschutzverein Siebengebirge in Bad Honnef. Er arbeitet mit Pflegestellen, doch die sind schwer zu finden. Und: Die Suche nach neuen Besitzern für die Pferde ist viel Arbeit. Als Pferde-Expertin des Vereins gerät Claudia Prinz oft an ihre Grenzen. "Es ist sehr zeitintensiv. Wir machen Vorkontrollen. Wir versuchen natürlich, passende neue Halter zu finden, bessere Haltungsbedingungen. Die sind ja auch nicht überall gleich gut."

Hohe Kosten: Anfragen für Einschläferung steigen

Oft müssen die Tierschützer den Tierarzt rufen. Im Klepperstall musste der Stute Bonnie vor einer Woche ein Auge entfernt werden. Die frühere Besitzerin konnte die gestiegenen Tierarztkosten nicht mehr bezahlen und gab das Pferd ab. Tierarzt Holger Wurthmann untersucht die Stute und berichtet von einer erschreckenden Entwicklung: "Die Anzahl der Anfragen für eine Euthanasie, also Einschläferung des Pferdes, hat sich in den letzten drei bis vier Jahren fast verdoppelt." Und zwar seit die Gebühren der Tierärzte um rund 30 Prozent erhöht wurden. Einschläfern aus rein finanziellen Gründen darf der Tierarzt aber kein Pferd. Das ist verboten.

Forderung nach niedrigeren Tierarzt-Gebühren

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) fordert die Tierärzte auf, ihre Gebührenordnung erneut zu überdenken. FN-Präsident Martin Richenhagen regte an, zu prüfen, ob die Gebührenordnung der Tierärzte flexibler gestaltet werden kann - allerdings bisher ohne Erfolg.

Wie viel kostet ein Pferd im Monat?

Pferde-Expertin Claudia Prinz erklärt, dass die Pferde im Schnitt älter werden -und dadurch teurer. Sie schätzt, in Bad Honnef und Umgebung müssten Halter mit 400 Euro pro Monat rechnen - ohne Tierarztkosten. "Das leppert sich schnell", sagt Prinz.

Der Klepperstall versucht unterdessen, möglichst vielen Pferden zu helfen. Allerdings sind die Spenden gesunken. Die Tierschützer suchen dringend neue Sponsoren - und ein gutes Zuhause für die Pferde.

Unsere Quellen:

  • Klepperstall e.V. Zülpich
  • Tierschutz Siebengebirge e.V.
  • Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN)
  • Tierarzt Holger Wurthmann
  • Reporterin vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Aachen, 19.03.2026, 19.30 Uhr