Mit Behinderung zum Traumjob: Wie Sebastian die Pflege aufwertet
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Sebastian Horstmann hat eine Sehbehinderung und einen Hüftschaden. Doch davon lässt er sich nicht ausbremsen. Inzwischen arbeitet er nicht mehr in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, sondern in einem Pflegeheim in Minden. Er zeigt: Inklusion kann gelingen.
Von Simon Kaufmann
Sebastian Horstmann läuft mit einem Block Papier und einem Stift in der Hand über den Flur des Pflegeheims "Haus Morgenglanz" in Minden. Es ist 10 Uhr morgens, Sonnenlicht strahlt durch die Fenster. Gezielt steuert der 37-Jährige das Zimmer einer Bewohnerin an. Die beiden sind verabredet. Horstmann klopft an ihre Tür und wird mit einem warmen Lächeln begrüßt. Die beiden unterhalten sich über die Kindheit. Über das, was die ältere Frau in ihrer Jugend auf dem Bauernhof erlebt hat. Horstmann hört interessiert zu und stellt viele Fragen, gibt aber auch viel von sich selbst preis.
Minden: Inklusion auf dem Arbeitsmarkt
Ursprünglich hat Horstmann mal Bürokaufmann gelernt, in einer Berufsschule für Menschen mit Sehbehinderung. Heute arbeitet er als Betreuungsassistent im Altenheim der Diakonie Stiftung Salem in Minden. Tauschen würde der 37-Jährige auf keinen Fall. "Ich finde es einfach toll, dass man in den Tag startet und gar nicht so genau weiß, was einen diesmal erwartet", sagt Horstmann.
Was sind Sebastian Horstmanns Aufgaben?
00:11 Min.. Verfügbar bis 03.04.2027.
Für die Arbeit als Betreuungsassistent braucht man eine offizielle Weiterbildung. Horstmann hat sich nach einem Praktikum im Pflegeheim dafür entschieden. Aus der Werkstatt für Menschen mit Behinderung, in der er zwischenzeitig untergekommen war, ging es für ihn in die Weiterbildung und dann in den festen Job. "Ich wollte immer einen Job, den ich trotz meiner Behinderung habe, nicht wegen meiner Behinderung", sagt Horstmann und ergänzt: "Die Werkstatt war für mich nur eine Übergangslösung. Ich wollte immer auf den ersten Arbeitsmarkt."
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Dass er diesen Sprung geschafft hat, ist bisher eher die Ausnahme. Laut einer Studie im Auftrag der Bundesregierung waren es im Jahr 2020 weniger als ein Prozent der Werkstatt-Beschäftigten, die auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt wurden.
Zeit, die viele Mitarbeiter nicht haben
Es ist inzwischen Mittagszeit. Horstmann hilft gemeinsam mit einer Kollegin einer Bewohnerin in die Jacke. Bestimmte Aufgaben darf Horstmann nicht allein machen. Patienten anzuheben, wäre für ihn wegen seines Hüftschadens gesundheitlich ohnehin keine Option. Aber Horstmann hat vor allem eins: Zeit. Zusammen drehen sie eine Runde im Park. Die Bewohnerin sitzt im Rollstuhl und genießt die frische Luft und die Sonnenstrahlen im Gesicht. "Ich finde es einfach toll, dass man schon mit kleinen Sachen, wie einem Gespräch oder einem Spaziergang, den Menschen eine große Freude machen kann", sagt Horstmann und lächelt.
Seit 2024 gibt es ein neues Gesetz zur Förderung eines inklusiven Arbeitsmarktes. Das Gesetz sieht insbesondere vor, dass Firmen höhere Abgaben zahlen, wenn sie trotz Verpflichtung keine Menschen mit Behinderung beschäftigen. Für Arbeitgeber mit mindestens 60 Arbeitsplätzen gilt seitdem, dass sie pro nicht besetztem Pflichtarbeitsplatz 720 Euro monatlich zahlen müssen. Betriebe mit 40 bis 59 Beschäftigten müssen zwei Arbeitsplätze für behinderte Menschen vorsehen. Betriebe mit weniger als 40 Angestellten einen. Die Mittel aus der Ausgleichsabgabe sollen für die Förderung von Menschen mit Schwerbehinderungen auf dem Arbeitsmarkt eingesetzt werden.
Zurück im Pflegeheim in Minden. Horstmann sitzt mit mehreren Bewohnerinnen an einem Tisch und spielt "Mensch ärgere dich nicht". "Sie dürfen noch einmal würfeln", sagt Horstmann zu einer der Frauen. Er hat seinen Traumjob gefunden und hat noch einen Rat an alle Menschen mit einer Behinderung, die auch einen richtigen Job haben möchten: "Traut euch! Bei mir hat alles mit einem Praktikum angefangen, probiert es einfach mal aus."
Über dieses Thema haben wir auch am 13.03.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit OWL, 19.30 Uhr.