Rituelle Gewalt in der Kirche? Untersuchungsbericht veröffentlicht
02:39 Min.. Verfügbar bis 09.10.2027.
In dem Bericht der Kanzlei heißt es, es fehlten konkrete, objektive Beweise dafür. Für die Untersuchung hatte die Kanzlei nach eigenen Angaben mit sieben Menschen gesprochen, die von Erfahrungen mit Ritueller Gewalt berichtet hatten.
Rund ein Dutzend Menschen hatte sich bei den Bistümern mit derartigen Vorwürfen gemeldet. Auf Grundlage dieser Gespräche seien aussagepsychologische Gutachten angefertigt worden.
Beratungsstelle 2023 geschlossen
Das Bistum Münster hatte die Kanzlei mit der Untersuchung beauftragt, nachdem sie im März 2023 ohne Ankündigung die Beratungsstelle für Opfer besonders schwerer sexueller Ausbeutung geschlossen hatte.
Diese Beratungsstelle war bis zur Schließung Anlaufpunkt für zahlreiche Menschen, die von Erinnerungen an schlimmste Gewalttaten berichteten - etwa von Gruppenvergewaltigungen, psychischer Manipulation und Folter. Um diese Taten nachzuweisen, gab es laut Untersuchungsbericht keine belastbaren Beweise.
In der Therapie eingeredet?
Doch warum behaupten die Menschen, sie seien Opfer dieser Taten geworden? Die Kanzlei gibt den Menschen die Schuld dafür, bei denen die Betroffenen in Behandlung sind und waren, den Therapeutinnnen und Therapeuten. Sie sollen ihnen diese Scheinerinnerungen demnach eingeredet haben. Belege dafür gibt es nicht.
Therapeutinnen und Therapeuten, die der Theorie der Rituellen Gewalt anhängen sollen, hätten den Patientinnen und Patienten während der Sitzungen den Missbrauch eingeredet. Aus welchen Motiven Scheinerinnerungen geschaffen werden, darüber könne nur spekuliert werden, heißt es.
An den Schilderungen von sexuellem Missbrauch bestehe hingegen kein Zweifel. Die Bistümer hätten bei den Betroffenen den Antrag auf Anerkennung des Leids (AdL) bewilligt und die Trauma-Therapie gezahlt - laut Untersuchungsbericht mit dem Ergebnis, dass sich ihre Situation verschlimmert habe.
Missbrauchsstudie erwähnt Rituellen Missbrauch
Zuvor hatte das Bistum Münster Betroffenen, die angeben, diese Form der sexuellen Gewalt erlebt zu haben, offenbar geglaubt. In der 2022 veröffentlichten Missbrauchsstudie erwähnen die Historiker sechs Fälle.
Die meisten Betroffenen, die bei der Beratungsstelle des Bistums Hilfe erhielten, berichten allerdings auch gar nicht von Tätern innerhalb der Kirche. So zum Beispiel eine Betroffene. Sie sagte damals gegenüber dem WDR, ihr Körper sei "ein Wrack“, sie habe "kaum eine Möglichkeit, Beziehungen aufzubauen. Ich habe Angst vor Nähe.“
Bistum: Beratungsstelle zu spät geschlossen
Auch sie hatte sich mit ihrem Leid an die 2023 geschlossene Beratungsstelle gewendet. Dort habe man sie ernst genommen, ihr geglaubt, dass sie Gewalt erfahren habe - durch eine satanistische Gruppierung, der auch ihre Eltern angehört hätten.
Laut Untersuchungsbericht sei sie sogar viel zu spät geschlossen worden. Denn eine solche Anlaufstelle würde die Lage der Betroffenen von induzierten Scheinerinnerungen nur verschlechtern.
Quellen:
- Untersuchungsbericht der Kanzlei Feigen Graf
- Gespräch mit mutmaßlich Betroffener
- Gespräch mit Vertretern des Bistums Münster