Drei Gemeinden aus Spanien, Polen, Eritrea sowie die Tamilische Gemeinde nutzen die Kirche seit gut 18 Jahren.
Verkauf von Kirche in Münster : Hitzige Diskussion mit Gemeinden
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Das Bistum Münster will sich mal wieder von einer Kirche trennen, aus Kostengründen. Drei Gemeinden aus Spanien, Polen, Eritrea sowie die Tamilische Gemeinde nutzen die Kirche seit gut 18 Jahren. Die Betroffenen laufen Sturm. Am Mittwochabend hatte das Bistum zu einem Austausch eingeladen.
Kurz vor Veranstaltungsbeginn kommt Hektik auf. Es fehlen Stühle, mit diesem Andrang hatte das Bistum Münster wohl nicht gerechnet. Trotzdem müssen einige der rund 100 Menschen, die gekommen sind, stehen. Sie harren bis zum Ende der Diskussion um ihre St.-Antonius-Kirche aus.
Das denkmalgeschützte Gebäude in Münster-Süd soll an die Koptische Gemeinde verkauft werden - für den symbolischen Preis von einem Euro. Bei den Mitgliedern der muttersprachlichen Gemeinden, die dort Gottesdienste feiern, sorgt das für Ärger. Auch und vor allem, weil sie sich übergangen fühlen.
Bistum führt Kostengründe an
Der Versammlungsraum an der Kirche war voll.
Das Bistum muss sich nach eigener Aussage aus Kostengründen von Kirchen trennen. "Sie müssen auch verstehen, dass der Kirchenvorstand an einer Stelle einen Anfang machen muss", sagt Hans-Bernd Köppen, Dompropst im Paulus-Dom und Pfarrei-Priester der Gemeinde St. Joseph Münster-Süd.
Am 1. Oktober soll die Kirche samt Grundstück übergeben werden. Wo die Gläubigen aus Polen, Spanien, Eritrea und der tamilische Gemeinde dann ihre Messen feiern sollen, steht noch nicht fest. In der Gemeinde St. Joseph Münster-Süd sorgt das für Ärger und Verzweiflung.
Gemeinde kritisiert mangelnde Kommunikation
Sie sorgt sich um die Heimat ihrer polnischen Gemeinde: Hedwig Walczak (l.).
Auf der Veranstaltung am Mittwochabend will das Bistum Fragen der Gemeinde-Mitglieder beantworten. Eine Frau will wissen, ob die Kirche mit den Mitgliedern über den geplanten Kirchenverkauf gesprochen habe. Sie selbst habe erst aus der Presse davon erfahren. "Man muss klar sagen: Nein. Es hat keine Diskussion gegeben", entgegnet Köppen.
Der Kirchenmann fügt entschuldigend hinzu, es gebe auch noch keinen Kaufvertrag, nur einen Beschluss über die Verhandlung eines Verkaufs der Kirche. Dafür gibt es vereinzelt hönischen Applaus. Viele Fragen drehen sich um fehlende Kommunkation und Zukunftsaussichten. Dazu gibt es eine Idee:
"Wir kaufen die Kirche für einen Euro. Wir würden alles tun." Hedwig Walczak, Gemeinde-Mitglied
Die Illusion hat Pfarrer Köppen aber schon zu einem früheren Zeitpunkt genommen. Wer die Kirche kauft, müsse sie weiterbetreiben und das sei teuer. Warum ausgerechnet diese Kirche verkauft werden soll, ließ Köppen unbeantwortet: Lebendige Kirchengemeinden mit Daseinsberechtigung gebe es überall in Münster.
Kaufvertrag ohne Bischof nicht möglich
Besonders emotional wird es, als eine Teilnehmerin der Diskussion von Rassismus spricht. Schließlich geht es um migrantische Gemeinden. Da springt der Pfarrer auf: "Wenn Sie mir Rassismus vorwerfen, dann gehe ich jetzt." Die Lage beruhigt sich schnell, die Stimmung bleibt dennoch angespannt.
Ob sie sich in den kommenden Wochen beruhigen wird, wird sich zeigen. Der mögliche Verkauf der Kirche wird weiter für Diskussionen sorgen. Ein Kaufvertrag kann erst abgeschlossen werden, wenn der neue Bischof da ist. Heiner Wilmer übernimmt am 21. Juni offiziell das Amt in Münster.
Unsere Quellen:
- Eindrücke des WDR-Reporters bei der Veranstaltung
- Gespräch mit Betroffenen
Sendung: WDR2 Lokalzeit Münsterland, 21.05.2026, 7.31 Uhr
