Brust-Mammographie: Nutzen und Vorsorge

Aktuelle Stunde 09.07.2025 26:57 Min. Verfügbar bis 09.07.2027 WDR Von Meike Hendriksen

Brustkrebs-Studie: Mammografie rettet tausenden Frauen das Leben

Stand:

Mehr als 18.000 Frauen sterben in Deutschland jährlich an Brustkrebs. Fachleute sagen, dass die Mammografie tausende Todesfälle verhindert. Es ginge aber noch mehr.

Schon seit 20 Jahren können sich Frauen regelmäßig auf Brustkrebs durchchecken lassen. Seitdem gibt es die Mammografie, also eine Röntgenuntersuchung der Brust. Das Screening wird von allen Krankenkassen angeboten.

Eine Studie zeigt jetzt, dass diese Voruntersuchungen wohl mehr bringen als bisher gedacht - wenn man sie regelmäßig macht. Unter den Teilnehmerinnen war die Brustkrebs-Sterblichkeit demnach über eine Nachbeobachtungszeit von bis zu zehn Jahren um 20 bis 30 Prozent geringer als bei Frauen, die nicht hingegangen sind.

Diese Zahlen kommen vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Es betont, dass es sich um eine konservative Schätzung handelt. Das Nutzen des Screenings werde eher noch unterschätzt.

Röntgen-Untersuchung alle zwei Jahre

Im Zuge des Programms können Frauen im Alter von 50 bis 75 Jahren alle zwei Jahre eine Röntgen-Untersuchung der Brust zur Früherkennung in Anspruch nehmen. Bundesweit gibt es laut BfS 95 zertifizierte Screening-Zentren. Frauen mit Symptomen oder einem Verdacht auf Brustkrebs können außerdem im Rahmen der allgemeinen Versorgung zur Mammografie.

Aktuell ist im Gespräch, das Mammografie-Screening künftig auch für 45- bis 49-Jährige anzubieten. Laut BfS könnte die Untersuchung die Brustkrebs-Sterblichkeit in dieser Altersgruppe um rund 20 Prozent senken. Das Bundesamt empfiehlt deshalb, die untere Altersgrenze herabzusetzen. Denn zwischen 45 und 50 Jahren erkranken in Deutschland den Angaben zufolge jedes Jahr etwa 5.000 Frauen an Brustkrebs.

Brustkrebs häufigste Krebserkrankung bei Frauen

Nina Warken am Telefon bei einer CDU Konferenz in Berlin

Gesundheitsministerin Warken

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken äußert sich positiv zu den Studienergebnissen. Mit einer Mammografie ließen sich Tumore oft finden, bevor man sie ertasten könne, betont die CDU-Politikerin. Und je früher ein Karzinom erkannt werde, desto besser seien die Heilungschancen.

"Das ist eine sehr gute Nachricht für alle Frauen." Nina Warken (CDU), Bundesgesundheitsministerin

Anders sieht das allerdings bei Brustkrebs aus, der bereits weiter fortgeschritten ist. Wenn es Metastasen gibt, also der ursprüngliche Tumor schon andere Geschwülste im Körper gebildet hat, sei das in der Regel nicht heilbar, erklärt Klaus Kraywinkel, der Leiter des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut (RKI).

Brustkrebs ist laut RKI mit etwa 75.000 Neuerkrankungen jährlich die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Etwa eine von acht Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens, circa 18.500 Frauen jährlich sterben daran - ohne das Programm wären es Schätzungen zufolge mehrere Tausend mehr.

Fachleute: Röntgenstrahlung birgt nur geringes Risiko

Immer wieder machen sich Patientinnen Sorgen um die Röntgenstrahlung bei der Mammografie. Laut der Untersuchung des BfS ist der Nutzen des Screenings allerdings weitaus größer als das sehr geringe zusätzliche Krebsrisiko durch die Strahlung.

Geschätzt etwa sieben von 100.000 Frauen, die regelmäßig am Screening teilnehmen, entwickelten einen bösartigen Tumor, der auf die Strahlenbelastung zurückzuführen sei, sagt Hans-Christian Kolberg, Chefarzt der Frauenklinik am Marienhospital Bottrop. Das sei eine verschwindend geringe Wahrscheinlichkeit.

Ein Risikofaktor beim Screening ist Fachleuten zufolge aber, dass sich teilnehmende Frauen vermeintlich sicher fühlten und seltener ihre Brust abtasteten. Dazu kommen sogenannte Übertherapien - also die Behandlung von Tumoren, von denen keine Gefahr ausgeht.

Wann die Mammografie an ihre Grenzen kommt

Frau bei der Mammografie

Die Mammografie hat auch ihre Grenzen

Bei sehr dichtem Brustgewebe komme die Mammografie allerdings an ihre Grenzen, sagt Christiane Kuhl. Sie ist die Direktorin der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der RWTH Aachen. Aktuell würden 20 bis 30 von 100 Frauen mit Brustkrebs nach dem Screening als gesund nach Hause geschickt.

Der Tumor falle dann oft erst bei einer Tastuntersuchung als sogenanntes Intervallkarzinom auf - oder erst bei späteren Mammografien. Rund 16 Prozent der beim Screening gefundenen Karzinome hätten bereits Metastasen gebildet, seien also zu spät gefunden worden. Ausgerechnet bei den biologisch aggressiven Karzinomen versage die Mammografie zu oft. Doch Kuhl ist überzeugt:

"Mit den vorhandenen diagnostischen Möglichkeiten könnte man die Zahl der an Brustkrebs sterbenden Frauen noch mal stark senken." Christiane Kuhl, Direktorin im Bereich Radiologie an der RWTH Aachen

Dazu müsse die Früherkennung besser individuell angepasst werden. So sollten etwa Frauen mit sehr dichtem Brustgewebe alternative Früherkennungsverfahren angeboten werden - insbesondere die Magnetresonanztomographie (MRT). Dieses Verfahren liefere umso bessere Nachweise, je aggressiver ein Karzinom sei, betont Kuhl.

Frauen sollten sich über Brustdichte informieren

Etwa zehn Prozent der Frauen haben ein extrem dichtes Brustgewebe. Sie würden durch das derzeitige Mammografie-Screening unterversorgt, heißt es auch von der Europäischen Gesellschaft für Brustbildgebung (EUSOBI). Es gebe Nachweise, dass MRT-Untersuchungen die Brustkrebs-Sterblichkeit bei ihnen erheblich senken könne. Frauen sollten von ihren Ärzten generell über ihre Brustdichte informiert werden.

Die Fachgesellschaft empfiehlt, Frauen im Alter von 50 bis 70 Jahren mit extrem dichter Brust alle zwei bis vier Jahre ein MRT-Screening anzubieten. In Deutschland müssen Betroffene in diesen Fällen MRT-Untersuchungen selbst zahlen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die etwa 350 Euro für eine Früherkennungs-MRT nur bei einem nachweislich deutlich erhöhten Risiko für Brustkrebs - etwa bei einer BRCA1- oder BRCA2-Genmutation oder familiärer Belastung.

Unsere Quellen:

• Nachrichtenagentur dpa
• Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)
• Bundesgesundheitsministerium
• Robert Koch-Institut (RKI)
• Frauenklinik am Marienhospital Bottrop
• RWTH Aachen
• Europäische Gesellschaft für Brustbildgebung (EUSOBI)

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