Alter Mann mit runter Brille, weißem Haar und Bart, mit rotem Hemd und beige-weißer Weste hält eine Geige und lacht.

Klaus der Geiger ist Kölns bekanntester Straßenmusiker

Klaus der Geiger: Kölns bekanntester Straßenmusiker wird 85

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In den 70er-Jahren wurde Klaus der Geiger in den Einkaufsstraßen Kölns bekannt - mit Straßenmusik gegen Konsum, Macht und Geldgier. Jetzt ist er 85 Jahre alt geworden, aber noch kein bisschen leiser.

Von Christina Wilkes

Die Geige hört man schon im Treppenhaus. Sauber und gleichmäßig spielt Klaus von Wrochem, besser bekannt als Klaus der Geiger. Dann setzt der Chor ein, 16 Kinderstimmen singen - ein bisschen schief, aber mit vollem Einsatz: "Leben ist schön. Habe nie was Schöneres gesehen. Tauch ich hinein, weiß ich, Leben ist nicht Haben, sondern Sein."

Klaus der Geiger ist in seinem Element. Der Straßenmusiker singt auch, wiegt seinen Körper im Takt, hebt bei besonders emotionalen Stellen die Stimme und animiert die Kinder, ebenfalls lauter mitzusingen.

Mann mit weißem Bart und Brille auf der Stirn spielt Geige, um ihn herum sitzen Kinder und singen

Klaus der Geiger ist regelmäßig in Kölner Grundschulen zu Besuch

Seit 15 Jahren ist Klaus der Geiger Musikpate an der Grundschule Zwirnerstraße in Köln und kommt regelmäßig zum gemeinsamen Musizieren. Für ihn ist das eine Herzensangelegenheit, auch mit 85 Jahren: "Mit den Kindern, da sieht mein Leben ganz anders aus. Sinnvoller." Die Kinder lieben es, mit ihm zu arbeiten: Singen für den Frieden und die Gleichheit und gegen Konsum und Habgier. "Das Lied geht über Leben. Dass das Leben auch schön sein kann, wenn man nicht alles hat", erklärt Schülerin Orla. Und Nils ergänzt: "Leben ist im Herzen wichtig und nicht außen."

Klaus der Geiger: Musizieren für Frieden und Gleichheit

Klaus der Geiger hat in der Klasse offensichtlich Eindruck hinterlassen. Für Botschaften wie diese kennen ihn die Kölnerinnen und Kölner seit fünf Jahrzehnten, denn Klaus der Geiger ist der bekannteste Straßenmusiker der Stadt.

Klaus der Geiger spielt in der Schildergasse in Köln

00:26 Min. Verfügbar bis 20.07.2027

Es gab ein Leben vor der Straßenmusik. Mit Anfang 20, noch unter seinem bürgerlichen Namen Klaus von Wrochem, träumte er von der großen klassischen Musikkarriere im Orchester, Solist wollte er am liebsten werden. Aber als er für ein paar Jahre in die USA ging, veränderte sich sein Blick aufs Leben und aus Klaus von Wrochem wurde Klaus der Geiger.

Die goldene Zeit der Straßenmusik

Von Wrochem kam zurück nach Köln, lebte in einer Kommune. "Es war eine ganz tolle Zeit, die 70er-Jahre", erinnert er sich. "Da war in dieser Wohnung eine Kommune, in der haben zwölf Leute gewohnt. Und die Hälfte davon hat mit mir zusammen Straßenmusik gemacht."

Klaus der Geiger 1985 in schwarz-weiß

Klaus der Geiger 1985

Oft war er in der Schildergasse in der Kölner Innenstadt unterwegs. Alle sollten zuhören können, nicht nur diejenigen, die sich Konzertkarten leisten konnten. Von Wrochem machte sich einen Namen als politischer Straßenmusiker.

Klaus der Geiger über seine Lieder und die Straßenmusik

00:35 Min. Verfügbar bis 20.07.2027

Etwas Schule, mehr Bühne, weniger Straße

Straßenmusik macht Klaus der Geiger mittlerweile nur noch selten, weil ihn die Auflagen der Stadt stören: "Diese Regeln habe ich einfach nicht akzeptiert. Das ist meine Freiheit der Kunst." Auch würden sich die Menschen kaum noch Zeit für seine Texte nehmen, klagt er.

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Auch mit 85 Jahren ist Klaus der Geiger kein bisschen leiser geworden. Heute ist er auf Friedens- und Klimademos zu finden oder tritt zusammen mit einem Gitarristen auf. Die Füße hochzulegen und die Rente zu genießen, ist für ihn keine Option: "Da sterbe ich vermutlich bald", prophezeit er. "Mal abgesehen davon, dass ich sehr wenig Rente habe. 140 Euro, das klappt nicht." Und die Schule besucht Klaus der Geiger natürlich auch weiter. Denn als Musikpate etwas weitergeben zu können, das ist ihm wichtig. "Ich hoffe, dass ich das noch ein paar Jährchen machen kann."

Über dieses Thema haben wir auch am 10.06.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Köln, 19.30 Uhr.

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