"Demokratie bewahren": Aachener Omas rappen gegen den Rechtsruck
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Seit knapp acht Jahren gibt es in Deutschland die "Omas gegen Rechts". Eine Initiative von älteren Frauen, die sich Sorgen um die Demokratie machen. In Aachen machen die Mitglieder jetzt mit einer besonderen Aktion auf sich aufmerksam.
Von Heiko Jaeckel
Auf einem stillgelegten Bahnhofsgelände im ostbelgischen Raeren, nicht weit von Aachen, stehen etwa 60 Menschen zusammen und tanzen im Takt zur Musik. Ein paar von ihnen schwenken große Fahnen und tragen Westen. In großen Buchstaben steht "Omas gegen Rechts" darauf. Anders als der Name vermuten lässt, sind auch ein paar Männer gekommen. "Wir nehmen auch Opas bei uns auf und ältere Frauen, die keine Enkel oder Kinder haben", erklärt Verena Keppels. Die 66-Jährige ist eine der Gründerinnen der Aachener Ortsgruppe "Omas gegen Rechts".
Omas gegen Rechts: Mit Musik eine Botschaft verbreiten
Die Gruppe hat einen Protestsong aufgenommen und sich dafür Unterstützung vom Rapper Nic Knatterton und seinem Sohn Kira geholt. Das Ziel: "Wir wollen damit die Menschen erreichen, die unsicher sind und hoffen, sie von unserer Botschaft zu überzeugen", sagt Keppels. Der Song ist bereits im Kasten, heute steht noch Dreh für das Musikvideo an. Das 140 Jahre alte, verlassene Bahnhofsgebäude und die ausrangierten Waggons ist für die Gruppe die ideale Kulisse.
So klingt der Protestsong der Aachener "Omas gegen Rechts"
00:34 Min.. Verfügbar bis 16.05.2027.
Seit etwa drei Jahren gibt es in Aachen die Omas gegen Rechts. "Damals gab es die Demos gegen die Corona-Maßnahmen und ich habe festgestellt, dass sich da auch Nazis darunter mischten", erzählt Keppels. Als sie von den "Omas gegen Rechts" in der benachbarten Eifelregion hörte, fand sie schnell Gleichgesinnte, die auch in Aachen eine Gruppe aufbauen wollten. Inzwischen haben sie mehr als 100 aktive Mitglieder.
- Auch in Oberhausen sind die Omas gegen Rechts aktiv: Hier haben wir sie bei einem Treffen begleitet.
Die Aachener Omas gegen Rechts sind dabei streng genommen eine ausländische Zweigstelle. Denn die Initiative gründete sich 2017 in Österreich, als Reaktion auf die Koalition der konservativen ÖVP mit der in Teilen rechtsextremen FPÖ in der österreichischen Regierung. Daraus entstanden zahlreiche regionale Gruppen. Inzwischen engagieren sich nach eigenen Angaben insgesamt mehr als 30.000 Mitglieder bei den Omas gegen Rechts.
Wenn sich Rapper und Senioren zusammentun
Aus einer mobilen Lautsprecherbox dröhnen die harten Technobeats des Protestsongs. Geschrieben wurde der von Nic Knatterton und seinem 18-jährigen Sohn Kira. Die beiden Aachener Rapper lernten die Omas gegen Rechts bei einer Demonstration kennen und beschlossen, gemeinsam einen Song aufzunehmen.
Rapper Nic Knatterton erklärt, wie die Idee für das Musikvideo entstanden ist
00:36 Min.. Verfügbar bis 15.05.2027.
Nic heißt eigentlich Dominik Walter. Der 45-Jährige ist Sozialpädagoge, aber seit Jahrzehnten in der Rapszene bekannt. Einer, der sich politisch schon immer deutlich gegen rechts positioniert hat. Diesmal allerdings hatten die "Omas" das letzte Wort. "Sie wollten, dass wir mehr für die Demokratie eintreten in dem Song und weniger gegen Rechts texten oder gegen die AfD." Denn den Senioren geht es um die Sache. "Wir sind parteiunabhängig", stellt Keppels klar. "Von konservativ bis links ist bei uns alles dabei. Uns vereint, dass wir die Demokratie bewahren wollen."
Brücken bauen gegen den Rechtsruck
"Niemals verzeih'n, niemals vergessen, diesen Krieg und die Zeit des Dritten Reichs. Nein, es darf nie mehr so sein", heißt es im Refrain. Der wurde von zwei "Omas gegen Rechts" im Studio mit eingesungen, Carina Grabowski und Melani Becker. "Ich habe mir früher schon als Sängerin einer Tanzband mein Studium finanziert", erzählt die 64-jährige Grabowski. Die vier Jahre ältere Becker arbeitet noch immer als Musiklehrerin.
Dieser schnelle, harte Technobeat - in Fachkreisen Gabber genannt - ist nicht unbedingt das, was den Musikgeschmack der "Omas" widerspiegelt. "Aber der Zweck heiligt die Mittel", sagt Becker. Sie hoffen, auch durch den Musikstil Brücken bauen zu können. Das fertige Musikvideo gibt es hier auf YouTube zu sehen.
Warum Melani Becker das Lied gerne einsingen wollte
00:34 Min.. Verfügbar bis 15.05.2027.
Inzwischen sind die Aachener "Omas gegen Rechts" längst nicht mehr nur auf Demos zu treffen. "Wir fahren gemeinsam zu Mahnwachen, haben einen eigenen Chor gegründet und wollen demnächst Vorträge an Schulen halten", erzählt Gründerin Verena Keppels, die sich ihr Rentnerdasein eigentlich anders vorgestellt hatte: "Aber ich finde es wichtig, dass man einen geraden Rücken hat und etwas gegen den Rechtsruck tut."
Über dieses Thema haben wir auch am 16.04.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit Aachen, 19.30 Uhr.