Sicherheitskräfte kontrollieren bei der Gamescom 2025.

Illegale Sicherheitskräfte im Einsatz auf der Gamescom?

Stand:

Die Gewerkschaft Verdi wirft der Kölnmesse vor, das Sicherheitspersonal für die Computerspielemesse Gamescom im Vorfeld nicht ausreichend überprüft zu haben.

Von Oliver Köhler

Der Zoll hat bei einer groß angelegten Kontrollaktion am Mittwoch festgestellt, dass es bei jeder dritten Sicherheitskraft Hinweise auf Schwarzarbeit oder Sozialhilfebetrug gibt. Außerdem konnten viele der Männer und Frauen, die als Sicherheitskräfte auf der Gamescom eingesetzt waren, keine Dienstausweise und keine Bewacher-Identifikationsnummer vorweisen.

Einsatz ohne vorgeschriebene Dokumente

"Ohne Dienstausweis und ohne Bewacher-ID dürfen Sicherheitskräfte nicht eingesetzt werden", sagt Özay Tarim, der Sicherheitsexperte der Gewerkschaft Verdi, dem WDR.

"Diese Dokumente stellen sicher, dass die Personen, die als Security eingesetzt werden, zuvor überprüft wurden und dafür geeignet sind, bei Veranstaltungen für Sicherheit zu sorgen. Özay Tarim, Verdi-Sicherheitsexperte

Die Kölnmesse sei dafür verantwortlich, dass bei der Gamescom nur registrierte Sicherheitsleute mit korrekten Arbeitsverträgen eingesetzt werden. "Wenn nicht einmal bekannt ist, wer da als Security bei der Gamescom beschäftigt ist, wenn die Personen zuvor nicht überprüft wurden und über keinerlei Qualifikation verfügen, wie soll dann für die Sicherheit der Besucher gesorgt werden?", fragt Sicherheitsexperte Tarim.

Verdi-Kontrollen: Illegale Sicherheitskräfte auf der Gamescom?

WDR Studios NRW 02.08.2025 00:48 Min. Verfügbar bis 23.08.2027 WDR Online

Messe prüft Sicherheitsleute nur stichprobenartig

Die Kölnmesse erklärt auf Anfrage des WDR: "Wir prüfen (…) stichprobenweise bei allen Messen die gesetzlichen Voraussetzungen anhand der Dienstausweise des eingesetzten Personals."

Und weiter: "Unsere Kontrollverfahren sind mit dem Ordnungsamt abgestimmt und wir kommen im Rahmen unserer Berechtigungen unseren Pflichten vollumfänglich nach. Zur Prüfung von Führungszeugnissen sind wir nicht befugt."

Dennoch hat der Zoll bei der Kontrolle von 150 Sicherheitsleuten während der Gamescom in jedem dritten Fall Hinweise auf massive Verstöße gegen Gesetze festgestellt.

Mögliche Gefahren durch illegale Sicherheitskräfte

"Die Zahlen zeigen ja deutlich, dass die Kontrollen der Messe nicht ausreichen", sagt Verdi-Sicherheitsexperte Tarim.

Die Messe war gewarnt. Denn der Zoll hatte nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren wiederholt bei der Gamescom Fälle von Schwarzarbeit und Sozialhilfetrug unter den Sicherheitsleuten aufgedeckt. Schon bei der vergangenen Messe war ein Minderjähriger unter den Sicherheitskräften.

Die Messe hat deshalb nach eigenen Angaben ihre Kontrollmöglichkeiten bei den eingesetzten Sicherheitsfirmen verschärft.

Sicherheitskräfte weiter im Einsatz

Die Messe hat dem WDR auf Nachfrage mitgeteilt, dass außer einem Mitarbeiter alle vom Zoll kontrollierten Sicherheitskräfte weiterhin bei dem Gamescom im Einsatz sind.

Wenn die Erkenntnisse des Zolls zutreffen, dass viele der kontrollierten Mitarbeiter keinen Dienstausweis und auch keine Bewacher-Identifikationsnummer haben, dann dürfen sie laut der bundesweit geltenden Verordnung über das Bewachungsgewerbe nicht als Sicherheitskräfte eingesetzt werden. Das würde bedeuten: Bei der Gamescom werden illegale Sicherheitskräfte beschäftigt.

Die Kölnmesse hat jetzt angekündigt, sie werde "die Zollergebnisse genau prüfen, sobald sie uns vorliegen - und bei etwaigen Pflichtverstößen unserer Dienstleister zügig reagieren."

Unsere Quellen:

  • Kölnmesse
  • Gespräch mit Verdi-Sicherheitsexperte Özay Tarim
  • Hauptzollamt Köln

Hinweis der Redaktion vom 23. August 2025, 19.54 Uhr:
In einer früheren Version hatten wir berichtet, dass ein 17-Jähriger als Sicherheitskraft eingesetzt wurde. Die Kölnmesse teilte nun mit, der 17-Jährige sei lediglich als Ordner ohne Sicherheitsaufgaben beschäftigt worden.

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