Köln baut 752 neue Wohnungen - kaum bezahlbar?
WDR. 03:18 Min.. Verfügbar bis 16.06.2028.
Auf dem ehemaligen Gelände der Deutschen Welle am Raderberggürtel entsteht aktuell ein neues Wohnquartier: "Die Welle Köln" heißt das Bauprojekt in Erinnerung an das ehemalige Funkhaus. Weit über 1.000 Menschen sollen hier Platz finden.
Bis Ende 2027 sollen mehr als 750 Wohnungen fertiggstellt sein.
Weil es sich dabei um eines der größten Wohnbauprojekte in Köln handelt, wollen wir uns das Projekt genauer anschauen. Doch der Schweizer Investor, die Empira Group, lehnt ein Interview ab, antwortet nur schriftlich auf unsere Fragen.
Empira [hat sich] bewusst für langfristigen Mietwohnungsbau entschieden – als Beitrag zur Entlastung eines der angespanntesten Wohnungsmärkte Deutschlands. Empira Group
Mieterverein Köln kritisiert wenige Sozialwohnungen
Hans Jörg Depel vom Mieterverein Köln ist zwar froh, dass im großen Umfang neue Wohnungen gebaut werden, kritisiert aber, dass nur jede zehnte Wohnung eine Sozialwohnung ist. Aktuell gebe es in Köln nur 6,2 Prozent geförderten Wohnraum, obwohl über 40 Prozent der Bevölkerung darauf Anspruch hätten.
Das Verhältnis hinkt total. Hans Jörg Depel, Mieterverein Köln
Hans Jörg Depel kritisiert, dass nur jede zehnte Wohnung in Köln eine Sozialwohnung ist.
Eigentlich wären nach dem kooperativen Baumodell der Stadt zum Zeitpunkt der Planung doppelt so viele Sozialwohnungen verpflichtend gewesen - heute sogar dreimal so viele. Vor allem wegen der teuren Asbestbeseitigung auf dem Gelände wurde die Empira Group aber von dieser Auflage befreit.
Die entstehenden Sozialwohnungen seien eine "freiwillige Zusage", schreibt Empira.
"Normale Familien können sich das nicht leisten"
Seit März sind die ersten 250 Wohnungen der Welle bezugsfertig. Und werden für Kaltmieten zwischen 18 und 29 Euro pro Quadratmeter angeboten. Sozial geförderte Wohnungen sind davon ausgenommen. Eine Wohnung von knapp 120 Quadratmetern mit 5 Zimmern kostet monatlich warm rund 3.000 Euro Miete, eine Einzimmerwohnung mit 33 Quadratmetern knapp 1.100 Euro.
"Das ist nicht der Preis, den sich ganz normale Familien leisten können", sagt Depel. Eigentlich müsse es aber das Ziel sein, die breite Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen, sagt er. Gleichzeitig seien die aufgerufenen Mietpreise für Neubau in Köln keine Ausnahme mehr.
"Die Welle" wirbt mit modernen Mietwohnungen.
Laut Empira sind die Wohnungen aufgrund der Lage, Bau- und Ausstattungsqualität im gehobenen Marktsegment. Auch die hohen energetischen Standarts würden die Mietpreise rechtfertigen. Zudem würden sich darin die deutlich gestiegenen Baukosten widerspiegeln.
Plant die Stadt an den Bedürfnissen der Kölner vorbei?
Helfen Bauprojekte wie "Die Welle" dem Kölner Mietmarkt überhaupt weiter? Auf Nachfrage schreibt uns die Stadt Köln, das Projekt sei ein "veraltetes Vorhaben, da die Maßstäbe des Kooperativen Bauplanmodells nicht gegriffen haben".
Darüber hinaus überprüfe die Stadt "konsequent alle Prozesse und Rahmenbedingungen", um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Es gebe aber nur marginale Einflussmöglichkeiten auf dem "aktuell generell sehr schwierigen Marktumfeld für die Bauwirtschaft".
Initiative "Köln baut bezahlbar"
Damit neuer Wohnraum tatsächlich bezahlbar wird, arbeitet die Stadt Köln aktuell an einer Initiative, die Baukosten erheblich reduzieren soll. 22 konkrete Maßnahmen werden geprüft.
Auf einen positiven Effekt dadurch hofft auch Hans Jörg Depel. Gleichzeitig wären Investoren wie die Empira aber nicht verpflichtet, sinkende Baukosten an ihre Mieter weiterzugeben.
Solange der Run auf diese Stadt so anhält, bedeutet das auch Angebot und Nachfrage - leider. Hans Jörg Depel, Mieterverein Köln
Unsere Quellen:
- Empira Group
- Mieterverein Köln
- Stadt Köln
Sendung: WDR.de, Köln baut 752 neue Wohnungen - kaum bezahlbar?, 16.06.2026, 12.23 Uhr
