Frauen nehmen die meisten Kinderkrankentage
Aktuelle Stunde . 01.06.2026. 26:48 Min.. Verfügbar bis 01.06.2028. WDR. Von Claudia Weber.
Alle Eltern kennen diese Situation: Das Kind ist krank, und zwar so, dass es nicht in die Kita kann und zuhause betreut werden muss. Also muss sich ein Elternteil von der Arbeit abmelden. In Deutschland machen das immer noch kaum Väter, sondern vor allem Mütter.
Laut einer Auswertung der AOK wurde der überwiegende Großteil der Kinderkrankentage von Frauen beantragt, 73 Prozent. Väter haben dagegen im gleichen Zeitraum lediglich gut ein Viertel der Krankentage in Deutschland beantragt.
In NRW sieht die Lage ähnlich aus: Hier wurden im Jahr 2025 fast drei Viertel aller Kinderkrankentage von Frauen beantragt, und 26 Prozent von Vätern. Schlusslicht im deutschlandweiten Vergleich ist Bayern mit lediglich 23 Prozent Beteiligung von Vätern.
In Sachsen war die Aufteilung am ausgewogensten - aber selbst hier waren es nur 31 Prozent der Kinderkrankentage, die von Männern in Anspruch genommen wurden. Die Zahlen beziehen sich auf Versicherte bei der AOK.
Insgesamt weniger Kinderkrankentage genommen
Die Zahl der Eltern, die überhaupt Kinderkrankentage in Anspruch nehmen, ist zuletzt gesunken: 4,6 Prozent aller Frauen und Männer, die bei der AOK versichert sind, hatten 2025 mindestens einmal Kinderkrankengeld in Anspruch genommen, in NRW waren es nur 3 Prozent.
Der Höchststand bei den Kinderkrankentagen in den vergangenen zehn Jahren lag mitten in der Corona-Pandemie: Im Jahr 2022 reichten 5,1 Prozent der AOK-Mitglieder mindestens einen Kinderkrankentag ein, in NRW 3,2 Prozent.
Kinderkrankengeld - wie funktioniert das?
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben im Jahr Anspruch auf 15 Kinderkrankentage pro Kind und Elternteil. Alleinerziehende mit einem Kind haben entsprechend Anspruch auf 30 Tage. Bei mehreren Kindern können Eltern maximal 70 Tage im Jahr beanspruchen.
Wer Kinderkrankentage beantragt, kann für den Zeitraum bis zu 90 Prozent des Nettolohns ausgezahlt bekommen. Der Antrag muss bei der Krankenkasse gestellt werden. Damit das Geld fließt, müssen allerdings einige Voraussetzungen erfüllt sein:
- Es muss ein ärztliches Attest vorliegen.
- Das Kind darf nicht älter als elf Jahre sein.
- Im Haushalt darf keine andere Person leben, die das Kind betreuen könnte.
Anteil der Männer an Kinderkrankentagen steigt langsam
Vergleicht man die aktuellen Zahlen mit Auswertungen aus früheren Jahren, zeigt sich: Der Anteil der Väter, die Kinderkrankentage beantragen, steigt - wenn auch sehr langsam. So lag der Anteil von Männern beispielsweise im Rheinland vor zehn Jahren mit knapp 18 Prozent noch deutlich niedriger.
Warum immer noch vor allem Frauen zuhause bleiben, wenn die Kinder krank sind? Das liegt vermutlich vor allem daran, dass Frauen im Schnitt immer noch weniger verdienen als Männer.
Denn das Kinderkrankengeld ist gedeckelt. Des maximale Brutto-Kinderkrankengeld liegt pro Tag bei 135,53 Euro. Wer normalerweise mehr verdient, muss also stärkere Einbußen hinnehmen. Mit anderen Worten: Kinderkrankengeld lohnt sich umso weniger, je höher das eigene Gehalt ist.
Unsere Quellen:
- AOK Bundesverband
- AOK Rheinland/Hamburg
Sendung: WDR 5, Tag um 12, 01.06.2026, 12:03 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 01.06.2026, 18.45 Uhr