AOK: Nur jedes zweite Kind im Ruhrgebiet regelmäßig beim Zahnarzt

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Am Tag der Zahngesundheit warnt die AOK, dass Kinder zu selten zur Vorsorgeuntersuchung gehen - besonders wenige im Ruhrgebiet.

Von Lars Faulenbach

Regelmäßige Zahnpflege und Zahnarztbesuche entscheidend

Zum Tag der Zahngesundheit hat die AOK Nordwest Zahlen zu Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern zwischen sechs und 17 Jahren herausgegeben. Demnach haben im Jahr 2024 in Westfalen 57 Prozent von ihnen die Individualprophylaxe beim Zahnarzt wahrgenommen. Dass sei viel zu wenig beklagt Jörg Kock von der AOK Nordwest:

"Bei der Zahnvorsorge ist noch viel Luft nach oben. Kontinuierliche Zahnarztbesuche sind entscheidend für die lebenslange Erhaltung der Mundgesundheit. Je früher dabei mit der gezielten Zahnpflege begonnen wird, desto besser." Jörg Kock
Service-Reionsleiter AOK Nordwest

Gesunde Milchzähne helfen gegen schlechte bleibende Zähne und Fehlstellungen

Denn schon Milchzähne sind anfällig für Karies und Mundfäule. Außerdem helfen gesunde Milchzähne Zahn- und Kieferfehlstellungen zu vermeiden. Deswegen seien die von den Krankenkassen bezahlten zahnmedizinische Frühuntersuchungen ab dem ersten Milchzahn wichtig. Ab sechs Jahren zahlen die Kassen sogar zwei Vorsorgeuntersuchungen pro Jahr. Auch die Versiegelung der Zähne wird dann übernommen.

Regional gibt es deutliche Unterschiede. Während im Kreis Padeborn im vergangenen Jahr fast 70 Prozent und in den Kreisen Gütersloh und Borken jeweils run 66 Prozent der Kinder mindestens ein Mal beim Zahnarzt waren, sind es im Ruhrgebiet nur etwa die Hälfte.

Besonders viele Vorsorgemuffel im Ruhrgebiet

Besonders schlecht sind die Zahlen trotz leichter Zuwächse in Gelsenkirchen (42,7) und Hagen (43,2), auch Duisburg, Mülheim an der Ruhr, Essen und der Ennepe-Ruhr-Kreis liegen unter 50 Prozent. In Bochum, Bottrop, Dortmund, Hamm, Herne, Oberhausen sowie den Kreisen Recklinghausen, Unna und Wesel war 2024 zwar mehr als die Hälfte der Kinder beim Zahnarzt, aber die Zahlen liegen sämtlich unter dem Durchschnitt für Westfalen.

Michael Wessels vor dem Gebäude der Hochschule Bochum

Prof. Michael Wessels analysiert die Gründe für mangelnde Zahnhygiene

Michael Wessels ist Professor für Gesundheitsökonomie und - politik an der Hochschule Bochum. Er wundert sich nicht über die Zahlen: "Das kennen wir auch aus anderen Bereichen des Gesundheitswesens, das vor allem sozioökonomische Faktoren darüber entschieden, wer welche Leistungen in Anspruch nimmt."

Viele wissen nicht, welche Leistungen ihnen zustehen

Theoretisch seien ja alle Menschen in Deutschland krankenversichert und könnten damit alle die gleichen Leistungen in Anspruch nehmen. Praktisch zeige sich aber, dass vor allem viele Menschen, etwa mit einem niedrigen Bildungsabschluss und dem Bezug von Bürgergeld, nicht wüssten, welche Leistungen ihnen zustehen. Bei Migranten käme noch eine Sprachbarriere dazu, so Wessels.

Das zeige sich auch in den Ergebnissen der aktuellen sechsten Deutschen Mundgesunheitsstudie so Wessels: "Es gibt ein Indiz dafür dass Menschen, die einen Migrationshintergrund haben, Leistungen seltener in Anspruch nehmen und deshalb auch eine schlechtere Zahngesundheit haben." Das gelte aber auch für Menschen in einer ähnlichen sozialen Lage ohne Migrationshintergrund.

Gruppenprophylaxe-Angebote könnten helfen

Um sie alle zu erreichen und ihre Zahngesundheit zu verbessern, setzt Wessels auf gruppenprophylaktische Angebote, also "dass Zahnärzte in Schulen und in Kitas gehen und dort die Kinder untersuchen und wenn dann etwas auffällt, die Eltern darauf hinweisen und bitten, dass man das versorgen lässt."

Solche Programme gibt es schon in vielen Städten und Kreisen in NRW. Im Ennepe-Ruhr-Kreis ist zum Beispiel das Zahnmobil unterwegs. Die mobile Zahnarztpraxis fährt zu Grundschulen im Kreis. Zahnärzte untersuchen die Kinder klassenweise und Fluoridieren die Zähne, wenn die Eltern zugestimmt haben. Wessels wünscht sich, dass solche Angebote ausgebaut werden.

AOK: Nur jedes zweite Kind im Ruhrgebiet regelmäßig beim Zahnarzt

WDR Studios NRW 25.09.2025 00:44 Min. Verfügbar bis 25.09.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • AOK Nordwest
  • AOK Rheinland/Hamburg
  • Interview Michael Wessels, Professor für Gesundheitsökonomie und -Politik Hochschule Bochum

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