18, männlich, Musterung: Koalition einig beim Wehrdienst | Aktuelle Stunde
03:03 Min.. Verfügbar bis 13.11.2027.
Pflicht, Angst, Frust: Was junge Menschen über den neuen Wehrdienst denken
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Die Politik hat einen neuen Wehrdienst auf den Weg gebracht – und löst unter jungen Menschen hitzige Diskussionen aus. Zwischen Angst, Unverständnis und Pflichtbewusstsein. Warum viele sich überfordert fühlen – und was der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz dazu sagt.
"Ich hab da schon ein bisschen Angst", sagt Luis, 17, aus Neuss. "Gerade mit den Konflikten in der Ukraine – das kommt immer näher." Der neue Wehrdienst sorgt unter Jugendlichen für Gesprächsstoff. Viele fragen sich: Wird man wirklich eingezogen? Was bedeutet das für mein Leben?
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Zwischen Angst und Pflichtgefühl
Niclas möchte in die Unternehmensberatung, nicht zum Bund
Auch Luis' Mitschüler Niclas, 18, steht dem Wehrdienst skeptisch gegenüber. "Ich will direkt nach der Schule studieren gehen - das Jahr, das mir dann fehlt, ist auf lange Sicht sehr ärgerlich." Er will in die Unternehmensberatung. "Ich bin nicht bereit, in den Kampf zu ziehen", sagt er.
Zwischen Sorge und Verständnis gibt es auch Zustimmung. Ansgar, ebenfalls 17, meint: "Ich finde, die Wehrpflicht bedeutet nichts Schlechtes. Es passiert so viel Doofes in der Welt - da sehe ich das nicht als großes Problem." Für ihn ist es selbstverständlich, sein Land zu verteidigen.
Manche wollen lieber Zivildienst leisten
Christopher überlegt, zur Bundeswehr zu gehen
Christopher Friedrich aus Neubeckum findet den Wehrdienst wichtig - auch als Abschreckung. "Ich sehe den Wehrdienst als einzige Möglichkeit, um abschreckend gegenüber dem Aggressor Putin zu wirken." Der 17-Jährige engagiert sich in der Jungen Union und spielt mit dem Gedanken, zur Bundeswehr zu gehen.
Doch die Mehrheit der Befragten lehnt Zwang ab. "Ich fände es besser, wenn man die Option hat: Militär, soziales Jahr oder gar nichts", sagt Emil. "Ich würde lieber im Pflegeheim helfen als an der Waffe."
Losverfahren wird als ungerecht empfunden
Einen differenzierten Blick bringt Quentin Gärtner ein. Der 18-jährige Grünen-Politiker ist Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz. "Bei mir muss man gar nicht so viel Überzeugungsarbeit leisten", sagt er. "Ich halte es prinzipiell für richtig, dass man als Demokrat bereit ist, die Demokratie zu verteidigen."
Trotzdem kritisiert er das neue Gesetz im Gespräch mit WDR2 scharf: "Viele junge Menschen fragen sich, warum sie etwas leisten sollen, wenn der Staat an anderer Stelle nicht für sie funktioniert. Die Schulen sind marode, die mentale Gesundheit junger Menschen wird immer schlechter - da fehlt eine echte Offensive für Jugendliche."
Gärtner warnt vor Frust in seiner Generation: "Wenn einer ausgelost wird und vier andere in den Urlaub fahren, dann schafft das keine Gerechtigkeit, sondern neue Ungleichheit."
"Viele junge Menschen fragen sich, warum sie etwas leisten sollen, wenn der Staat an anderer Stelle nicht für sie funktioniert. " Quentin Gärtner, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz
Verpflichtendes Gesellschaftsjahr statt Wehrdienst?
Als Alternative schlägt er ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr vor. "Junge Menschen könnten bis 26 entscheiden, ob sie zum Bund gehen oder einen sozialen Dienst leisten. Das wäre sinnvoller, wenn man wirklich auf Verantwortung setzen will.“
Michael aus Ahlen: Wehrdienst ist ok, aber Zwang falsch
Michael, 17 Jahre alt, aus Ahlen findet den Wehrdienst eigentlich ganz gut. Aber er sagt: "Viele von uns wollen in Krisenzeiten nicht in den Krieg. Und deswegen finde ich das falsch, Leuten das mäßig aufzuzwingen." Er selbst wird wohl nicht gemustert, da er bei der Freiwilligen Feuerwehr ist. Er macht sich für Alternativen stark. "Sozialdienst wäre eine gute Idee. Vor allem, weil viele Krankenhäuser unterbesetzt sind. Wehrdienst ist halt nochmal spezieller, es ist halt Dienst an der Waffe. Und viele möchten das auch aus religiösen Gründen nicht."
Am Ende bleibt der Eindruck: Die neue Wehrpflicht wird zum Test – nicht nur für die Verteidigungsfähigkeit des Landes, sondern auch für das Vertrauen junger Menschen in den Staat.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- WDR-Interview mit Quentin Gärtner, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz
Über dieses Thema hat der WDR auch im Hörfunk berichtet: Am 13.11.2025 in der Sendung "Tag um 6" auf WDR5.