Konzernumbau hinterlässt Spuren - Proteste bei Thyssenkrupp

Lokalzeit Ruhr 09.12.2025 03:16 Min. Verfügbar bis 09.12.2027 WDR Von Kai-Hendrik Haß

Konzernumbau hinterlässt Spuren - Proteste bei Thyssenkrupp

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Der Essener Industriekonzern Thyssenkrupp will seine Dienstleistungssparte zusammenstreichen. Betriebsräte befürchten den Verlust von bis zu 1.500 Stellen. Dagegen formiert sich Widerstand. Am Montag protestieren Beschäftigte vor der Zentrale.

Von Kai-Hendrik Haß & Maren Bednarczyk

Öffentlich wird Thyssenkrupp oft als "Stahlriese" und Industriekonzern mit vielen Arbeitern und Ingenieuren wahrgenommen. Das ist richtig und falsch zugleich. Denn neben Sparten wie Stahl, Automobilzulieferung oder Werkstoffe gibt es intern auch den Bereich Dienstleistungen.

Gesellschaften wie "tk Services" oder "tk Delicate" kümmern sich um Personal- und Rechnungswesen, Patente oder die Kantine. Diese Bereiche will der Konzern jetzt offenbar massiv beschneiden. Der Betriebsrat befürchtet, dass in den nächsten drei bis fünf Jahren bis zu 1.500 Mitarbeitende ihren Job verlieren könnten.

Konzernumbau zur reinen Holding

Hintergrund des teilweise schon laufenden Stellenabbaus ist der von Konzernschef Miguel Lópéz angestrebte Umbau des Industrieriesen zu einer reinen Holding bis 2030. Die Essener Zentrale soll dann nur noch als eine Art Dachmarke fungieren.

Ein Stahl-Mitarbeiter ist zu sehen, wie er in Schutzkleidung an einem Hochofen arbeitet.

Thyssenkrupp baut seinen Betrieb extrem um

Heutige Sparten wie Automobilzulieferung oder Werkstoffe sollen dann eigenständig agieren. Der Stahl ist bis dahin möglicherweise verkauft. Der Marineschiffbau ging gerade unter dem neuen Namen "tkms" an die Börse.

Folgen für die Dientsleistungssparte

Für den Bereich "tk Services" keine gute Entwicklung. Denn hier sind konzernweite Dienstleistungen wie Buchhaltung oder Finanzierung gebündelt. In Zukunft sollen die selbständigen Unternehmen, die unter dem Dach von Thyssenkrupp sind, das wieder selbst übernehmen.

Der Betriebsrat fürchtet nun, dass altgediente Mitarbeitende gegen "junge neue Kräfte, die direkt von der Uni kommen" ersetzt werden könnten, sagt Kerstin Gießler, Betriebsrätin im Bereich tk Services. Sie fordert den Vorstand auf, die Belegschaft endlich transparent darüber zu informieren, welche Einschnitte bevorstünden.

1500 Jobs könnten auf dem Spiel stehen

Thyssenkrupp spricht von einem Prozess, in den auch die Arbeitnehmervertretungen eingebunden seien: "Personalzahlen können wir zu diesem Zeitpunkt weder bestätigen noch nennen, da der Prozess bisher nicht abgeschlossen ist und diesbezüglich auch keinerlei Entscheidung des Vorstands vorliegt."

Laut Betriebsrat hat das Unternehmen Ende September bereits die IT-Einheit "tk Information Management" aufgelöst und auch die Mitarbeiter des Kantinendienstleisters schon jetzt zu Ende September 2026 gekündigt.

Protestaktion: Deutlich weniger Teilnehmer als erwartet

Am Montag wollten einige Beschäftigte ihren Frust über die Pläne der Geschäftsleitung rauslassen. Für 11.00 Uhr hatte der Betriebsrat deswegen eine "Sprechstunde" vor der Konzernzentrale in Essen organisiert. Dazu kamen zunächst allerdings nur wenige dutzend Mitarbeitende. Ursprünglich waren die Organisatoren von mehreren hundert Teilnehmern ausgegangen.

Konzernumbau hinterlässt Spuren – Proteste bei Thyssenkrupp

WDR Studios NRW 08.12.2025 00:26 Min. Verfügbar bis 07.12.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Betriebsrat tk Services
  • Pressestelle Thyssenkrupp
  • WDR Reporterin vor Ort

Sendung: WDR.de, Konzernumbau hinterlässt Spuren – Proteste bei Thyssenkrupp, 08.12.2025, 6.00 Uhr

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