Streit um Stadionausbau: Essener Bündnis aus CDU und Grüne zerbricht
Lokalzeit Ruhr. 01.07.2025. 02:34 Min.. Verfügbar bis 01.07.2027. WDR. Von Cedrik Pelka.
Die Ecken des Stadions an der Hafenstraße werden ausgebaut. Nach monatelanger Diskussion herrscht darüber nun Klarheit. Am Mittwochnachmittag hat eine Mehrheit im Essener Stadtrat für das 30 Millionen Euro teure Projekt gestimmt. Spätestens im Sommer 2026 soll der Bau starten. Dann werden fast 27.000 Menschen an der Hafenstraße einen Platz finden.
Vorausgegangen war eine hitzige Debatte darüber, in der die Grünen der SPD und der CDU heftige Vorwürfe machten. Hauptstreitpunkt waren die Kosten. Die Grünen finden einen Ausbau angesichts der schwierigen Haushaltslage in Essen zu teuer und überhastet.
Essener Stadrat stimmt am Mittwoch für den Stadionausbau
Sie wollten die Abstimmung darüber verschieben, bis die Haushaltslage klarer ist. Die CDU hingegen sagte, dass die Entscheidung den laufenden Haushalt nicht betreffe. Die Entscheidung ist gleichzeitig auch der Schlusspunkt der Koopertaion von Grüne und CDU in Essen.
"Keine weitere Grundlage für Zusammenarbeit"
Auch wenn es noch versöhnliche Dankesworte beider Parteien gab, wurde schon gestern deutlich, wie zerstritten beide ehemaligen Partner nun sind. Der Essener Fraktionsvorsitzende der CDU, Fabian Schrumpf sagte dem WDR: "Es ist so, dass wir über Monate hinweg gemeinsam gerungen haben, um eine Lösung zu finden und dass sich jetzt, wo aus unserer Sicht alle Hürden aus dem Weg geräumt sind, die Grünen dennoch ausschließlich für eine Vertagung aussprechen, hat dann eben auch dazu geführt, dass es hier leider keine weitere Grundlage für eine Zusammenarbeit in dem Punkt gegeben hat."
Die Grünen würden die Kooperationspartnerschaft gerne bis zur Kommunalwahl Mitte September weiterführen. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Sandra Schumacher, warf der CDU jetzt Erpressung vor: "Wenn sich zwei Partnerinnen nicht einigen können, dann ist es normal, dass man das Thema schiebt."
Bereits im März stand das Thema Stadionausbau auf der Tagesordnung. Auf Drängen der Grünen wurde der Punkt aber mehrfach verschoben. Auch bei der Sitzung im Mai wurde nicht abgestimmt, da es noch Streitigkeiten mit dem Fußballverein RWE über die Höhe der Pacht gab.
SPD im Vorfeld auch für Stadionausbau
Der 3.-Ligist ist Hauptnutzer des Stadions, das von der städtischen Grundstücksverwaltung GVE betrieben wird. Beide Parteien konnten sich vergangene Woche auf einen neuen Vertrag einigen.
Neben der CDU hatte auch die SPD im Vorfeld deutlich gemacht, dass sie dafür stimmen werde. Der Streit der Kooperationspartner kurz vor der Sommerpause ist in den Augen der Partei ein Fehler, sagte Oberbürgermeister-Kandidatin Julia Klewin (SPD): "Es ist sehr bedauerlich, dass wir jetzt über den Streit sprechen und nicht mehr über die wichtigen Entscheidungen, die wir noch treffen müssen."
Unsere Quellen:
- Interview Fabian Schrumpf (CDU-Fraktionsvorsitzender)
- Interview Sandra Schumacher (Fraktionsvorsitzende der Grünen)
- Interview Julia Klewin (SPD)
- Pressemitteilung der Stadt Essen
- Pressemitteilung RWE
- Reoporter vor Ort