Unfallrisiko E-Scooter
Aktuelle Stunde . 10.10.2025. 22:46 Min.. Verfügbar bis 10.10.2027. WDR. Von Dorothea Schluttig.
Seit Jahren steigt die Zahl der verunglückten E-Scooter-Fahrer und ihrer illegal Mitfahrenden kontinuierlich an - auch in NRW. Die meisten kommen mit leichten Verletzungen davon, zeigt eine am Freitag veröffentlichte Studie der Björn-Steiger-Stiftung. Was bei den Unfällen mit Getöteten und Schwerverletzten auffällt: 45,3 Prozent waren Alleinunfälle, also ohne weitere Beteiligte.
Ursache oft Alkohol und Hindernisse wie Bordsteinkanten
Eine Ursache ist demnach das Fahren unter Alkoholeinfluss. Das gilt für 43 Prozent der Alleinunfälle.
Den Autoren der Studie fällt aber auch etwas anderes ins Auge: In 32 Prozent der Alleinunfälle ist die offizielle Ursache ein "Zusammenstoß mit Einbauten im Straßenraum", wie ihre Auswertung polizeilicher Daten der zurückliegenden vier Jahre zeigt. Hindernisse im Straßenraum, beispielsweise Bordsteine, seien sowohl mit als auch ohne Alkoholeinfluss ein wesentlicher Unfallauslöser, so die Forscher.
Kopfverletzungen und gebrochene Schultern
Dietmar Pennig, Generalsekretär Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie
Schwere Verletzungen durch E-Scooter-Unfälle, die im Krankenhaus behandelt werden, seien vor allem Kopfverletzungen und Verletzungen der oberen Gliedmaßen wie ausgekugelte Ellenbogen und gebrochene Schultern, sagt Unfallchirurg Dietmar Pennig dem WDR. Er ist Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie und arbeitete bis zu seiner Pensionierung am St.-Vinzenz-Hospital in Köln.
"Gerade am Wochenende, auch gerade wenn der FC spielt oder die Haie, dann kommen solche Verletzungen auf dem Hin-, aber noch mehr auf dem Rückweg häufiger vor", berichtet Pennig.
Die Grafik zeigt, dass die Zahl der verunglückten E-Scooter-Fahrer und ihrer illegal Mitfahrenden kontinuierlich ansteigt. Laut der Studie gibt es für das Jahr 2024 jedoch keine direkten Bezugsgrößen wie beispielsweise Bestand oder Fahrleistung. Insgesamt ging die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden in NRW 2024 jedoch leicht zurück.
Unfallforscher fordert mehr Polizeikontrollen und größere Reifen
Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Björn-Steiger-Stiftung
Um Alkoholisierte davon abzuhalten, mit einem E-Scooter zu fahren, brauche es vor allem "verstärkte Polizeikontrollen an den einschlägigen Orten", sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Björn-Steiger-Stiftung. Besonders wichtig sei aber auch, dass Neufahrzeuge größere Reifen bekommen, sagt er. Denn:
"Bei den üblichen Acht-Zoll-Rädern bringen selbst kleine Hindernisse so große Probleme, dass kleinste Unaufmerksamkeiten zu schweren Stürzen führen." Siegfried Brockmann, Unfallforscher
Größere Raddurchmesser brächten schon ohne Hindernisse eine bessere Stabilität, könnten aber auch Hindernisse besser überwinden, so Brockmann. Für Neufahrzeuge sollte dies so schnell wie möglich auf mindestens zehn Zoll heraufgesetzt werden. Verleiher fordert er auf, das bei Ersatzbeschaffung sofort umzusetzen.
Unfallforscher: Sinnvoll wäre ein Mopedführerschein
Außerdem fordert Brockmann für E-Scooter-Fahrer eine Führerscheinpflicht. Mindestens sei eine Mofa-Prüfbescheinigung nötig. Da diese im Ausland nicht existiert, wäre ein Mopedführerschein (Führerschein AM) sinnvoll. Damit einher ginge automatisch eine Anhebung der Altersbegrenzung auf 15 Jahre.
Erst am Mittwoch hat das Bundeskabinett verschärfte Regeln für E-Scooter beschlossen. So sollen E-Scooter künftig beispielsweise verpflichtend mit Blinkern ausgerüstet werden. Regelungen zur Radgröße oder eine Führerscheinpflicht sind bislang nicht vorgesehen.
Unsere Quellen:
- Mitteilungen und Studie der Björn-Steiger-Stiftung
- WDR-Interview mit Dietmar Pennig, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie
- Landesbetrieb IT.NRW