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Infektiologe zu Ebola "Risiko für eine Pandemie hier ist sehr gering"

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Der Düsseldorfer Infektiologe Torsten Feldt ist Experte für hochansteckende Viren. Wie schätzt er den Ebola-Ausbruch ein?

Torsten Feldt arbeitet als Oberarzt auf der Infektionsstation der Uniklinik, unter anderem mit dem Schwerpunkt Tropenmedizin. Seit 2014 betreibt die Klinik eine spezialisierte Sonderisolierstation, eine von nur sieben dieser Art in Deutschland. Erst vor einigen Tagen hat Feldt dort eine Frau behandelt, die womöglich mit dem sogenannten Hantavirus in Kontakt gekommen ist.

In der Demokratischen Republik Kongo und Uganda werden inzwischen mehr als 500 Verdachts- und weit über 100 mutmaßliche Todesfälle durch das Ebola-Virus gezählt. Die Afrikanische Union hat den Notstand für den gesamten Kontinent ausgerufen. Was ist bisher über den aktuellen Ebola-Ausbruch und den Erreger bekannt?

Torsten Feldt: Die Informationslage ist noch sehr lückenhaft, die Fallzahlen werden praktisch täglich nach oben korrigiert. Es ist zu befürchten, dass wir noch nicht das volle Ausmaß kennen. Man muss davon ausgehen, dass das Virus weiter verbreitet ist, als es die derzeitigen Angaben hergeben.

Was ist an dem aktuellen Virus-Typ anders als bei bisherigen Ebola-Ausbrüchen?

Feldt: Das Bundibugyo-Virus ist noch relativ neu. Wir kennen es seit 2007, es sind erst knapp 200 Fälle beschrieben, das heißt, wir haben noch nicht viele Erfahrungen. Aber es scheint den bekannten Ebola-Viren sehr zu ähneln. Details und Unterschiede vor allem im klinischen Verlauf sind aber noch nicht bekannt. Besorgniserregend ist, dass es dafür noch keine zugelassene Therapie und keine Impfung gibt. Das ist der entscheidende Unterschied.

Besorgniserregend ist, dass es dafür noch keine zugelassene Therapie und keine Impfung gibt. Torsten Feldt, Infektiologe aus Düsseldorf

Die Herausforderung ist hier, dass die Sterblichkeit zwar niedriger ist als beim bekannten Zaire-Ebola-Virus, an dem bis zu 90 Prozent der Infizierten sterben. Bei dem aktuellen Virus scheint die Sterblichkeit etwa bei einem Drittel zu liegen. Das ist aber immer noch erheblich und damit eine hochgefährliche Erkrankung.

Müssen sich die Menschen Sorgen machen, dass sich der Ausbruch in Zentralafrika zu einer Pandemie ausdehnt und auf Europa und andere Kontinente übergreift?

Feldt: Nein, das Risiko, dass sich das Virus hier in relevantem Maß ausdehnt, ist sehr gering. Dafür sind wir auch sehr gut vorbereitet, das öffentliche Gesundheitssystem ist sehr leistungsfähig. Und zusammen mit den Eigenschaften des Virus, vor allem der schlechten Übertragbarkeit im Vergleich zu anderen Infektionen, ist das Risiko hier wirklich sehr gering.

Infektiologe Feldt zu Ebola-Ausbruch

WDR 20.05.2026 00:53 Min. Verfügbar bis 19.05.2028 WDR Online

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Ein US-Bürger, der sich im Kongo angesteckt hat, soll jetzt in die Berliner Charité behandelt werden. Warum bringt man ihn hier nach Deutschland?

Feldt: Weil der Transport ein Risiko ist, der muss unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und Schutzmaßnahmen stattfinden. Man muss jederzeit mit einer Verschlechterung beim Patienten rechnen, das heißt, der Transport muss so kurz wie möglich sein. Da sind wir in Deutschland näher als die USA. Und dazu haben wir in Deutschland ein sehr gut aufgestelltes Netzwerk von Sonderisolierstationen und haben schon Erfahrungen in der Therapie von Ebola-Patienten.

Wie läuft eine solche Therapie ab?

Feldt: Wichtig ist erstmal der Schutz des Personals und dann natürlich die unterstützende Therapie. Wir haben keine spezifische antivirale Therapie im Moment. Das heißt: Entscheidend ist, dass dann Elektrolyteausgleich, Flüssigkeitsausgleich vorgenommen wird. Sauerstoffgabe, Beatmung bei Lungenversagen, andere Organersatzverfahren. Und dann eben eine intensivmedizinische Therapie, von Schock, Multiorganversagen und von schweren Blutungen, die auftreten können.

Das Ebola-Virus ist bisher dafür bekannt, dass es immer wieder kommt und geht. Wird der aktuelle Erreger nach ihrer Einschätzung dann auch wieder abflachen und verschwinden in den afrikanischen Ländern und irgendwann wie in Wellen wiederkommen?

Feldt: Das Reservoir in den Ausbruchsgebieten in Afrika sind ja Tiere, Flughunde, fledermausähnliche Tiere, die in der Regel die Infektion an Wildtiere weitergeben. Und dann kommt es zur Übertragung auf den Menschen und dann erst zu Ausbrüchen durch die Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Die Ausbrüche werden wir immer wieder sehen, in immer kürzeren Abständen, auch weil wir mehr Kontakt zu diesen Wildtieren haben.

Für den aktuellen Ausbruch ist eine Prognose noch schwierig. Aber im Moment sieht es nicht so aus, dass er jetzt schnell eingedämmt wird, auch weil es zum Beispiel schon Infizierte in Nachbarländern gibt. Und es gibt Infizierte und Infektionsketten, von denen wir bisher nicht wissen, woher sie kommen. Das sind alles Zeichen, dass wir noch nicht das volle Bild haben.

Das Interview wurde geführt von WDR-Reporter Peter Hild.

Sendung: WDR.de, Infektiologe zum Ebola-Virus, 20.05.2026, 5 Uhr

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