Zwei Fälle sexualisierter Gewalt in Düsseldorfer Kirchengemeinde
00:47 Min.. Verfügbar bis 20.05.2027.
Die Vorfälle beziehen sich auf den Zeitraum der 1970er bis 1990er-Jahre. In dieser Zeit war Pfarrer W. in der Markusgemeinde im Düsseldorfer Stadtteil Vennhausen seelsorgerisch tätig. Zwei Männer beschuldigen den Geistlichen, sexuelle Gewalt gegen sie ausgeübt zu haben. Neben diesen beiden Taten werden weitere Betroffene vermutet.
Welche strukturellen Bedingungen haben sexualisierte Gewalt ermöglicht?
Superintendent Heinrich Fucks war anzumerken, wie sehr ihm die Fälle unter die Haut gehen: „Wir nehmen die Schilderungen der Betroffenen sehr ernst und glauben ihnen vollkommen“, so Fuchs, „wir müssen nun die strukturellen Bedingungen aufdecken, die sexualisierte Gewalt ermöglicht und begünstigt haben.“
Pfarrerin Heike Schneidereit-Mauth ist im Evangelischen Kirchenkreis Düsseldorf für das Themenfeld sexualisierte Gewalt zuständig. Sie schätzt es als besonders fatal ein, dass der Beschuldigte durch sein Engagement für die Rechte Homosexueller überregional bekannt war. Unter anderem engagierte er sich in der Arbeitsgemeinschaft „Homosexualität und Kirche“.
Beschuldigter Pfarrer setzte sich für die Rechte von Homosexuellen ein
Schneidereith-Mauth sagte dem WDR: „Das macht die Sache sehr schlimm, weil dieser Pfarrer sich einerseits sehr für die Gleichberechtigung von homosexuell lebenden Menschen eingesetzt hat und andererseits da eine sehr dunkle Seite offenbart hat, die uns sehr bedrückt.“
Evangelischer Kirchkreis macht Fälle sexualisierter Gewalt publik
Weil die Evangelische Kirche weitere Opfer befürchtet, bittet sie mögliche weitere Betroffenen, sich zu melden. Eine unabhängige Studie soll die Vorfälle dann aufarbeiten. Damit hat die Evangelische Landeskirche im Rheinland die Sozialwissenschaftlerin Prof. Johanna Sigl von der Hochschule RheinMain beauftragt.
Unabhängige Studie soll Geschehnisse aufarbeiten
Eine solche Aufarbeitung des Geschehenen sei ohne die Schilderungen der Betroffenen nicht möglich, sagt sie. Nur deren Mut sei zu verdanken, dass sich die Kirche heute damit auseinandersetze. Die Studie will den Perspektiven der Betroffenen Raum geben.
„Dass sich die Kirche als Institution heute mit den Ereignissen auseinandersetzt, ist dem Mut der betroffenen Menschen zu verdanken.“ Johanna Sigl
Professorin, Hochschule RheinMain
Weitere Betroffene können sich melden
Personen, die sexualisierte Gewalt im kirchlichen Umfeld erfahren haben, können sich vertraulich an die Ansprechstelle der Rheinischen Kirche wenden. Sie bietet Betroffenen und deren Angehörigen Beratung und Hilfe an – nach Wunsch auch anonym.
Unsere Quellen:
- Pressekonferenz der Evangelischen Kirche in Düsseldorf
- Pfarrer Heinrich Fucks, Superintendent des Evangelischen Kirche Düsseldorf
- Pfarrerin Heike Schneidereit-Mauth, Evangelischer Kirchenkreis Düsseldorf