Obdachlose und Bettler kehren aus Protest die Düsseldorfer Königsallee

01:31 Min. Verfügbar bis 21.08.2027

Aus Protest: Obdachlose und Bettler kehren die Düsseldorfer Kö

Stand:

Ladenbesitzer wollen auf der Kö einen Sicherheitsdienst - dagegen wehren sich die Obdachlosen mit einer ironischen Protestaktion.

Von Joscha Weidenfeld

Die Cafés an der Prachtmeile sind an diesem Mittag gut gefüllt. Viele machen eine kurze Shopping-Pause und genehmigen sich ein Glas Wein. Andere bleiben mit Einkaufstaschen der großen Luxusmarken an Schaufenstern stehen. Alles soweit ganz normal an der Düsseldorfer Königsallee.

Außer einer Sache: Eine Gruppe von Bettlern und Obdachlosen kehrt die Straße. Laut der Obdachlosen-Initiative fiftyfifty, um die Kö von Bettlern zu befreien und sauber zu halten. Eine ironische Anspielung auf das, was hier geplant ist.

Vorurteile und Anfeindungen

auf dem Bild sieht man die 24-jährige Alina, die einen Besen in der Hand hält

Alina bettelt sonst auf der Kö.

Die 24-jährige Alina aus Rumänien verkauft hier normalerweise Obdachlosen-Zeitschriften und bettelt um Geld. Vor acht Jahren sei sie nach Deutschland gekommen, weil es in ihrer Heimat keine Arbeit für sie gebe. Oft sei sie mit Vorurteilen konfrontiert.

Es gebe Beleidigungen und Anfeindungen, dass sie und ihre Verwandten der sogenannten Bettel-Mafia angehörten. Das sei aber ausdrücklich nicht so, sagt sie im Gespräch, das von einer Dolmetscherin begleitet wird.

Ich habe drei Kinder. Fast jeder Euro, den ich durch die Zeitungen und das Betteln verdiene, geht direkt nach Rumänien zu meiner Familie. Dort lebt mein Mann mit unseren drei Kindern. Alina, 24 Jahre, aus Rumänien

Privater Sicherheitsdienst soll Bettler vertreiben

Hintergrund des Protestes ist, dass bald ein privater Sicherheitsdienst dafür sorgen soll, dass die Bettler aus dem schicken Straßenbild verschwinden. Der Anblick schade dem Geschäft und wirke sich auf das Sicherheitsgefühl aus, sagen Betreiber von Geschäften auf der Königsallee, die sich zusamengeschlossen haben und einen Sicherheitsdienst beauftragen wollen.

Alina und ihre Familie finden das eine unmenschliche Praxis. "Wenn wir weggeschickt werden, fühlen wir uns wie Hunde. Aber: Wir kommen dem nach. Wir wollen ja keinen Stress haben. Dann suchen wir uns halt einen anderen Platz."

Auf dem Bild sieht man den ehemaligen Obdachlosen Sven, der einen Besen in der Hand hält

Sven hat mittlerweile eine Wohnung.

Der 46-jährige Sven hat auf der Straße gelebt und jahrelang gebettelt, um über die Runden zu kommen. Jetzt hat er durch das Programm "Housing-First" eine kleine Wohnung. Trotzdem beteiligt er sich an dem Protest.


Das ist schon eine große Überwindung, sich überhaupt auf die Straße zu setzen und Menschen nach Geld zu fragen. Gerade hier, wo so viel Geld verdient wird, sollte doch auch ein bisschen für die Ärmsten unserer Gesellschaft abfallen. Das was hier passiert, macht mich wirklich stinksauer!
Sven, 46 Jahre

Die Stadt Düsseldorf stellt klar, dass ein privater Sicherheitsdienst im öffentlichen Straßenraum keine anderen Rechte habe als jede Bürgerin und jeder Bürger. Platzverweise dürften also gar nicht ausgesprochen werden. Das dürfe nur der Kommunale Ordnungsdienst. Normales Betteln ist in Düsseldorf erlaubt.

Betteln ist nicht verboten

Auf WDR-Anfrage sagt die Stadt, dass lediglich das sogenannte aggressive Betteln untersagt sei. Hierunter fällt etwa das gezielte In-den-Weg-Stellen oder das Verfolgen von Passanten. Stilles Betteln oder die einfache Ansprache von Passanten sei auch auf der Königsallee rechtlich zulässig.

Die Fronten scheinen in dem Konflikt verhärtet. Bald wolle man gemeinsam nach einer Lösung suchen, die für alle Beteiligten annehmbar ist.

Unsere Quellen:

  • Reporter vor Ort
  • Initiative "fiftyfifty"
  • Stadt Düsseldorf
  • Interessensgemeinschaft IG Kö

Obdachlose und Bettler kehren aus Protest die Düsseldorfer Königsallee

WDR Studios NRW 21.08.2025 00:39 Min. Verfügbar bis 21.08.2027 WDR Online

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