Bestattungen werden individueller
Aktuelle Stunde . 04.06.2026. 19:19 Min.. UT. Verfügbar bis 04.06.2028. WDR. Von Dorothea Schluttig.
Lockere Gespräche, gut gelaunte Fachbesucher, Häppchen. Für Außenstehende mag die geschäftige Stimmung auf der Düsseldorfer Bestattermesse irritierend wirken. Andersrum: Der Branchentreff zwischen polierten Bestattungswagen und rückenschonenden Systemen für Sargträger zeigt auch, wie normal der Tod nun einmal ist.
In NRW dürfen Urnen nicht mit nach Hause
Ein aktueller Trend ist in den zwei Messehallen klar sichtbar: Es werden hier zwar auch viele Sargmodelle ausgestellt, aber vor allem regaleweise Urnen. Manche schlicht in Holzoptik, viele aber auch bunt und mit verschiedenen Designs wie zum Beispiel "Sand und Meer".
Simon Walter, Bundesverband Deutscher Bestatter
"Etwas mehr als 80 Prozent der Verstorbenen bundesweit werden mittlerweile eingeäschert", erklärt Simon Walter vom Bundesverband Deutscher Bestatter auf der Messe. Das ist günstiger als die klassische Beerdigung.
Särge auf der Bestattermesse
Und oft auch individueller. Viele wollen, dass ihre Urne in Friedwäldern beerdigt wird, aber auch die Seebestattung ist im Kommen. In Rheinland-Pfalz ist es laut dem Branchenvertreter mittlerweile unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, die Urne des verstorbenen Menschen mit nach Hause zu nehmen. In NRW darf man das bisher nicht.
Der verstorbene Liebste als Baum
Der Wunsch, seine Liebsten auch nach dem Tod in der Nähe zu haben, ist auch Kern einer Geschäftsidee aus Düsseldorf. Das Unternehmen zeigt auf der Messe Urnen, aus denen Bäume wachsen, die man sich in den Garten pflanzen kann. Wer keinen Garten hat, kann auch einen Friedhof im Kreis Heinsberg nutzen.
Edwin Otten mit Urnen, aus denen Bäume wachsen
Rechtlich sei das kein Problem, meint Geschäftsführer Edwin Otten. Die Asche geht nämlich erst nach Holland, wo sie mit der Erde des angeplanzten Baumes vermischt wird. Der Vorgang wird sogar für die Hinterbliebenen per Video festgehalten. "Nach Abstimmung mit der Familie kommt der Baum dann nach fünf oder sechs Monaten nach Hause", sagt Otten. Da kann er dann im Rahmen einer Trauerfeier eingepflanzt werden.
Was passiert mit Facebook und Instagram nach dem Tod?
Ein weiteres Schwerpunktthema der Messe sind neue Softwares für Bestatterinnen und Bestatter. Teilweise mit Hilfe von KI sollen die Anwendungen ihnen die Arbeit leichter machen, zum Beispiel beim Kontakt mit Behörden.
Die gewonnene Zeit könnten die Bestatter in die Gespräche mit Hinterbliebenen investieren. Denn der Beratungsbedarf sei erheblich gestiegen, sagt der Verband. Großes Thema sei die Frage, was eigentlich mit den Social Media-Accounts von Verstorbenen passiert.
Urnen auch mal farbenfroh
Ein Bestatter gab auf der Düsseldorfer Messe einen einfachen Rat: Einfach einen Passwortmanager benutzen und das zentrale Passwort einer vertrauensvollen angehörigen Person geben. Nach dem Tod könne diese Person sich um Pflege oder Löschung der Accounts kümmern.
Unsere Quellen:
- Eindrücke von WDR-Reporter auf der Messe
- Verband Deutscher Bestatter
Sendung: WDR 2, WDR Aktuell, 04.06.2026, 13:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 04.06.2026, 18:45 Uhr
