"Wir bleiben dabei, wenn es schwer auszuhalten ist"
00:41 Min.. Verfügbar bis 28.04.2028.
Sie lächelt oft, auch wenn sie Menschen bei den kleinen und großen Dramen beisteht, die im hektischen Flughafenalltag passieren können. Ute Clevers ist Diplom-Sozialpädagogin und hauptamtliche evangelische Seelsorgerin am Flughafen Düsseldorf.
In diesen Wochen feiert die Seelsorge ihr 25-jähriges Bestehen. Ute Clevers, ihr katholischer Kollege Johannes Westerdick und 45 Ehrenamtler sind jeden Tag im Jahr im Abflugterminal ansprechbar. Gerade sei die Stimmung dort besonders fröhlich, weil viele Holländer in den Urlaub starteten, zwischen Koningsdag und langem Mai-Wochenende.
Seelsorgerin: "Wir sind für das Schlimme und Fröhliche da"
Der Schalter der Seelsorge ist jeden Tag im Jahr besetzt
80 Prozent der rund 30.000 Kontakte pro Jahr drehen sich um die kleinen Fragen des Flughafenalltags: Wo ist das Klo, wie finde ich mein Gate, erzählt Clevers. Fast 2.000 Menschen hat die Seelsorge im Vorjahr aber teils über mehrere Tage betreut, beruhigt, unterstützt. Ein Fall berührt die Seelsorgerin auch nach Jahren noch:
"Eine Frau kam völlig aufgeregt zu uns, weil sie nicht nach Spanien kam. Ihr Mann und ihr Sohn waren dort mit dem Motorrad verunglückt, es war Heiligabend. Und es ging kein Flieger mehr. Eine Mitarbeiterin konnte zum Glück Spanisch und hat noch eine Zugverbindung organisiert. Gleichzeitig organisieren und der Frau gleichzeitig etwas die Angst nehmen - daran denkt man auch später noch."
Seelsorge als Teil des Notfallmanagements
Das Seelsorge-Team ist aber nicht nur an seinem Schalter erreichbar. Ute Clevers und ihre Kollegen und Kolleginnen sind auch täglich auf Tour durch die Abflughalle. Sie sind Teil des Hilfesystems und Notfallmanagements des Flughafens, etwa bei Unglücken oder kurzfristigen Streiks, wenn es viele Angehörige oder gestrandete Passagiere zu betreuen und informieren gilt.
Sie schulen regelmäßig Flughafen-Mitarbeitende in psychologischer Ersthilfe bei Krisenlagen, bieten auch Deeskalationstrainings an. Im Ernstfall kann die Seelsorge mehrere Dutzend ausgebildete Notfallseelsorger aus der näheren Umgebung in kurzer Zeit alarmieren.
Flughafenbrand als Anstoß
Anstoß für die Seelsorge: Der Düsseldorfer Flughafenbrand vor 30 Jahren
Der verheerende Flughafenbrand in Düsseldorf vor 30 Jahren war Anstoß, eine Anlaufstelle für die Menschen in Krisensituationen einzurichten. Seitdem sind viele Weltereignisse oft auch bei der Düsseldorfer Seelsorge spürbar, wenn Reisende ankommen, Angehörige warten.
Vom Terroranschlag am 11. September 2001 in New York, als die Flughafenseelsorge erst wenige Tage zuvor ihren Dienst aufgenommen hatte, über den Germanwings-Absturz 2015 bis zum jüngsten Nahost-Krieg, als die ersten Maschinen aus Dubai in Düsseldorf ankamen.
Seelsorger: „Im Alltagsstress haben wir Zeit“
Viele Menschen seien dankbar, dass die Mitarbeiter einfach in schwierigen Phasen da sind, sagt Ute Clevers. "Wir können nicht immer trösten, aber mit aushalten, und das ist und hilft oft schon viel", ergänzt ihr Kollege Johannes Westerdick.
Er ist überzeugt, dass die Flughafenseelsorge heutzutage vielleicht sogar wichtiger denn je ist. "Die Bedürfnisse haben sich in all den Jahren kaum verändert, aber die Menschen sind gestresster. Wir haben und nehmen uns da die Zeit für jeden Einzelnen, die es sonst am Flughafen kaum gibt."
Unsere Quellen:
- WDR-Interviews mit Seelsorge-Mitarbeitenden
- Evangelischer Kirchenkreis Düsseldorf
