Vor 30 Jahren: 17 Tote bei Brandkatastrophe am Flughafen Düsseldorf | Aktuelle Stunde

WDR 06:12 Min. Verfügbar bis 11.04.2028

Vor 30 Jahren: 17 Tote bei Brandkatastrophe am Flughafen Düsseldorf

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Im giftigen Rauch sterben damals 17 Menschen, Dutzende wurden zum Teil schwer verletzt. Schweißarbeiten waren die Ursache für den verheerenden Großbrand. Ein Überlebender schildert seine Erlebnisse.

Von Carsten Upadek

Kaum Sicht, wenig Sauerstoff: Im Düsseldorfer Flughafen breitet sich binnen Minuten schwarzer, tödlicher Qualm aus. Die Ankunftshalle wird am 11. April 1996 für viele Menschen zur Falle. Auch für Christian Reiling.

Allein und eingeschlossen

Ein Mann mit Brille sitzt in der Empfangshalle des Düsseldorfer Flughafens.

Christian Reiling hat den Brand vor 30 Jahren knapp überlebt.

Als der Flughafen brennt, findet sich der damals 35-Jährige eingeschlossen in einer Business-Lounge wieder. "Dann kommen ihnen schon Gedanken über ihr Leben, über Frau und Familie. Und Sie können es nicht so ganz fassen, dass es zu Ende gehen soll", sagt er im Gespräch mit dem WDR.

Die größte Flughafen-Katastrophe der deutschen Geschichte beginnt wenige Stunden zuvor mit Routinearbeiten. Vor der Tür schweißen Arbeiter an einer Dehnungsfuge im Asphalt. Angemeldet ist das nicht. "Ein Fehler", kritisiert Brandschutzexperte Wolfram Klingsch.

"Normalerweise ist es üblich, dass bei solchen Arbeiten die Feuerwehr dabei ist. Zumal den Schweißern sicherlich nicht bewusst war, dass darunter Räume waren", sagt der emeritierte Professor der Bergischen Universität Wuppertal.

1.000 Grad heißes Metall verbrennt in der Zwischendecke

Unter der Zufahrtsstraße befindet sich die Ankunftsebene des Flughafens. An diesem Donnerstag nach Ostern ist sie voller Menschen. Flüssiges Metall, um die 1.000 Grad heiß, fällt durch die Ritzen der Dehnungsfuge in eine Zwischendecke. Dort ist Material verbaut, das anfängt, zu verbrennen. Es geschwelt, Brandgase breiten sich aus.

Durch Schweißarbeiten im Flughafen Düsseldorf ist am 11.04.1996 Feuer ausgebrochen.

Das Feuer richtete immense Schäden im Flughafen Düsseldorf an.

Schließlich fallen Funken aus der Decke der Ankunftshalle. Ein herbeigerufener Mitarbeiter der Flughafenfeuerwehr erzählt dem WDR später: "Dann ging das sekundenschnell und zirka 100 Quadratmeter Decke standen in Flammen. Und das war noch nicht mal so schlimm. Schlimm war die Rauchentwicklung."

Schwarze Rauchwalze breitet sich innerhalb weniger Minuten aus

Auch aus der Lufthansa-Lounge flüchten die Gäste. Nur einer wird vergessen: Christian Reiling. Er war kurz zur Toilette gegangen. "Als ich die Tür öffnete, war schon Rauch da und es war dunkel. Niemand war mehr zu sehen. Und die Tür nach draußen war abgeschlossen", erinnert er sich.

In der Decke über ihm verbrennen tausende Quadratmeter Styroporplatten und entwickeln toxische Rauchgase: "Ein, zwei Atemzüge genügen, um ohnmächtig zu werden", sagt Brandschutzexperte Klingsch. "Wenn dann nicht sofort Rettung kommt, ist es zu spät."

Einsatzkräfte sind zuerst orientierungslos

Alle verfügbaren Rettungskräfte der Umgebung werden alarmiert. Es wird der größte Feuerwehreinsatz der Nachkriegsgeschichte in NRW. Das Problem: Die Funk-Verständigung der Feuerwehr klappt nicht. Es gibt keinen Lageplan. Niemand kennt sich aus.

Feuerwehrfahrzeuge stehen am 11.04.1996 auf dem Gelände des Düsseldorfer Flughafens

Die Feuerwehr kämpft stundenlang gegen den Brand.

Eingeschlossen findet Christian Reiling in einer Teeküche Handtücher, die er mit Wasser befeuchtet, sich über Mund und Nase legt und auf dem Boden auf Hilfe wartet. "Man sitzt da und realisiert, es geht um Leben und Tod.", erinnert er sich.

Christian Reiling bleibt eine Option. Als Geschäftsmann besitzt er schon damals 1996 ein Mobiltelefon. Mit letzter Akkuleistung erreicht er Arbeitskollegen. Die können über Umwege die Rettungskräfte informieren - ein Team wird zur Lufthansa-Lounge geschickt.

Christian Reiling wird gerettet. "Ich wurde nach draußen gebracht und habe einen Feuerwehrmann umarmt, bevor ich ohnmächtig geworden bin", sagt er. Am Abend ist der gesamte Brand dann unter Kontrolle.

Brandschutz in Deutschland wird verschärft

Teile des Flughafens sind komplett zerstört. Der Wiederaufbau dauert mehrere Jahre. "Aufgrund der Analyse des Brandablaufs ist eine ganze Palette von Maßnahmen erarbeitet worden, die zukünftig solche katastrophalen Ereignisse eigentlich ausschließen.", sagt Wolfram Klingsch.

Der Brandschutzexperte Wolfram Klingsch sitzt in der Empfangshalle des Düsseldorfer Flughafens.

Brandschutzexperte Wolfram Klingsch

Beispielhaft in Sachen Brandschutz wurde der neue Düsseldorfer Flughafen: Brennbare Materialien sind reduziert worden, Rauchabzugssysteme wurden verbessert und automatische Alarm- und Evakuierungssysteme eingeführt.

Viele Hinterbliebene der 17 Todesopfer hoffen in den Jahren nach dem Unglück, dass Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden. Doch trotz langer Strafverfahren wird niemand schuldig gesprochen - zu viele einzelne Versäumnisse haben in der Summe zur Katastrophe geführt.

Gedenkminute für die Opfer

Um 15:31 Uhr - genau zu dem Zeitpunkt als damals der erste Alarm bei der Flughafen-Feuerwehr einging, wurden heute Reisende und Mitarbeiter per Lautsprecher gebeten, in Erinnerung an die Opfer eine Minute inne zu halten.

Viele haben akustisch den Aufruf kaum wahrgenommen. Einige Reisende kamen der Bitte nach und senkten den Kopf. Darunter auch Menschen, die sich noch an den Brand und die Bilder in den Medien erinnern können.

Reisende sind betroffen

Mann am Flugahafen Düsseldorf schaut zu Tür

Fred Brüning kann sich noch an die Katastrophe erinnern

So wie Fred Brüning. Auch er ist betroffen, als er an die Brandkatastrophe erinnert wird. Er hat damals die Tragödie über die Medien verfolgt und eigentlich schon wieder verdrängt, "weil man jeden Tag mit neuen Katastrophen konfrontiert wird."

Fred Brüning ist sich nicht ganz sicher, ob es von damals herrührt, aber bei ihm kommt "in so Gebäuden wie Flughäfen Unwohlsein und sogar Angst auf. Ich gucke immer auf die Türen, wie oder wo kommt man schnell raus.

Frauen gedenken an Düsseldorfer Flughafen der Brandkatastrophe

Jaqueline Pöhner und Aylin Schmidt gedenken der Opfer

Jaqueline Pöhner und Aylin Schmidt warten auf ihren Flieger nach Ägypten, als sie per Lautsprecher von der Tragödie hören. Sie waren damals noch zu jung, als sich die Brandkatastrophe ereignete und haben keine Erinnerungen.

Ihr tiefes Mitgefühl gilt den Opfern und auch den Angehörigen. Sie sind ergriffen. "Die Hilflosigkeit der Menschen, eingesperrt zu sein und dem giftigen Rauch nicht entkommen zu können. Und dann ersticken, das ist schrecklich", sagt Jaqueline Pöhner.

30 Jahre Brandkatastrophe am Flughafen Düsseldorf

WDR 04:00 Min. Verfügbar bis 10.04.2028

Unsere Quellen:

  • Interview mit Christian Reiling, Überlebender
  • Interview mit dem Brandschutzexperten Wolfram Klingsch, emeritierter Professor der Bergischen Universität Wuppertal
  • WDR-Archiv
  • Pressestelle Düsseldorf Airport DUS
  • Reporter vor Ort
  • Interview mit Fred Brüning
  • Interview mit Jaqueline Pöhner und Aylin Schmidt

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 10.04.2026, 19:30 Uhr,
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 11.04.2026, 18:45 Uhr

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