Spielen gegen die Einsamkeit

Dortmunder Verein will Ort der Begegnung sein

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Die SpieleUnion Dortmund ist auf den ersten Blick einfach ein Freizeit-Verein. Sein Ziel: Menschen zum gemeinsamen Spielen an den Tisch zu bringen. Klingt erst mal nur nach Spaß. Aber die SpieleUnion ist viel mehr als das – nämlich ein Mittel gegen Einsamkeit. Einfach, aber offenbar ziemlich wirksam.

Von
Katja Latsch

Das hier ist kein normales Wohnhaus. Es ist, als ob man sich einem Bienenstock nähert. Durch die offenen Fenster klingt Gelächter und Stimmengewirr. Drinnen dann: Lauter Tische mit Menschen jeden Alters. Da wird gewürfelt und Karten gekloppt, ein Zimmer weiter konzentriert über Begriffe gebrütet. Die Freundinnen Hannah und Pauline sind mit zehn Jahren die Jüngsten. Der älteste und treuste Besucherin, eine 86-Jährige, ist diesmal ausnahmsweise nicht da.

Kontakte knüpfen als Autistin

Für viele ist der freitägliche Spieleabend ein fester Termin im Kalender. Paul zum Beispiel, 36 Jahre alt, OP-Pfleger, kommt regelmäßig extra aus Minden angereist. Schwarze Klamotten, Kategorie Spiele-Freak; er besucht Spieletreffs in ganz NRW. Saskia dagegen, braune Augen, schüchterner Blick, hat sich überwinden müssen. Die 40-Jährige ist Autistin und tut sich schwer, mit fremden Menschen in Kontakt zu kommen. Aber hier sei es anders, sagt sie, leichter: "Weil es erst mal mehr um die Spiele geht als um den direkten Kontakt zu den Leuten." Die Familie, mit der sie heute an einem großen Tisch sitzt und spielt, hat sie heute erst kennengelernt.

Spielen ist Abenteuer in der Schachtel

Am Tisch mit Fremden: Beim Spielen entstehen neue Kontakte | Bildquelle: WDR / Katja Latsch

So etwas freut Sebastian Schwarz, Gründer und engagierter Vorstand der SpieleUnion. Denn genau darum geht es ihm und seinen ehrenamtlichen Mitstreitern: Spielen mache es den Menschen möglich, in Kontakt zu kommen, egal, wo sie herkommen und wer sie sind.

"Hier sitzen einfach Menschen am Tisch und spielen miteinander. Wir haben sozusagen Abenteuer in der Schachtel. Und ich kann entscheiden, welches Abenteuer passt gerade zu meiner heutigen Stimmung. Und hier findet man immer Leute." Sebastian Schwarz vom Vorstand der SpieleUnion

Verabredungen sind nicht mehr selbstverständlich

Für viele Menschen sei es heute nicht mehr selbstverständlich, sich einfach mal zu verabreden – besonders seit Corona. Und gleichzeitig ist da offenbar ein riesiges Bedürfnis nach Kontakt und Austausch: "Leute haben uns gesagt: Ich freu mich drauf wieder so herzhaft zu lachen. Oder: Ich möchte dieses Spiel nochmal spielen. Und das hat dazu geführt, dass die Leute Verabredungen getroffen haben und gesagt haben: Ich komme wieder."

Zweitausend Spiele im Haus, zehntausend im Fundus

Sebastian Schwarz trägt sein Hobby auf dem Körper | Bildquelle: WDR / Katja Latsch

Und es wurden immer mehr seit der Vereinsgründung vor sechs Jahren – Menschen und Spiele. Die evangelische Kirche stellte der SpieleUnion deshalb irgendwann ein ganzes Haus zur Verfügung. In den acht Zimmern, in den Fluren und auch auf dem Dachboden stapeln sich 2000 Spiele in Regalen und Kartons. Im Fundus sind es 10.000, sagt Sebastian Schwarz, der im Hauptberuf Medienpsychologe ist. Ihm sieht man die Leidenschaft fürs Spielen übrigens sofort an: Sein linker Oberarm ist bedeckt mit Würfel-Tattoos.

Stadt Dortmund will Einsamkeit sichtbar machen

Die Miete für das Haus der SpieleUnion zahlt die Stadt Dortmund und fördert den Verein auch sonst. Denn seit 2022 ist er Teil ihrer Strategie gegen Einsamkeit. Dortmund gehört nach Angaben der Stadt zu den wenigen Kommunen in Deutschland, die hierfür eine eigene Stelle haben. Zur bundesweiten Aktionswoche gegen Einsamkeit (22. bis 28. Juni) gibt es in vielen Stadtteilen Angebote. Herzstück sind neun nachbarschaftliche Grillabende. Kostenlose Rischka-Fahrten auf dem Feierabend-Markt in Mengede sollen Menschen zusammenbringen, ebenso wie gemeinsames Singen und Kunst-Aktionen.

Seniorenkoffer bringt Spiele ins Pflegeheim

Auch bei der SpieleUnion sind die Spieleabende nur eine Säule von vielen. Es gibt zum Beispiel noch die Seniorenkoffer. "Damit fahren wir in die Pflegeheime und bringen neue Spiele mit." Gemeinsam mit der Stadt gibt es außerdem Pläne, das Spielen auch in die Betreuung von Familien einzubringen. Sebastian Schwarz von der SpieleUnion hat noch viele weitere Ideen – und eine Vision: "Eigentlich gehört so eine SpieleUnion in jede Stadt, in Deutschland, auf der Welt."

Mehr als nur Spielen

WDR 22.06.2026 00:36 Min. Verfügbar bis 21.06.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • SpieleUnion Dortmund
  • Stadt Dortmund
  • Reporterin bei Spieleabend

Sendung: WDR 2 Ruhrgebiet, Lokalzeit, 22.06.2026, 17:30 Uhr