Uni-Projekt prangert Leerstände in Dortmund an - und liefert Lösungen
Lokalzeit aus Dortmund. 17.09.2025. 02:38 Min.. Verfügbar bis 17.09.2027. WDR. Von Kay Bandermann.
Uni-Projekt prangert Leerstände in Dortmund an - und liefert Lösungen
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Leerstehende Häuser sind eine Verschwendung von Lebensraum. Doch der Abriss ist nicht die Lösung, sagen Architektur-Studierende der TU Dortmund und ihr Professor Matthias Ballestrem. Umnutzung ist für sie das Gebot der Stunde. Und sie zeigen, wie es gehen soll.
Mit wachem Blick nach rechts und links gehen Finja Hülsken und Emilie Kubitza durch die Straßen von Dorstfeld, einem Stadtteil im Westen von Dortmund – auf der Suche nach leerstehenden Gebäuden. In der Wittener Straße werden sie fündig. Gleich zwei mehrgeschossige Wohnhäuser im Gründerzeitstil, aus deren Fenstern bereits grüne Zweige sprießen.
Emilie Kubitza (links) und Finja Hülsken schauen interessiert auf die verwahrlosten Häuser.
Die Türen sind vernagelt, die Fassade mit Graffitis beschmiert. "Eine Schande", sagt Studentin Finja, die sich eifrig Notizen macht. "Der frühere Charme des Gebäudes ist noch immer erkennbar", sagt sie und deutet auf Details an der Fassade. Warum das Haus seit 30 Jahren leersteht, ist den beiden ein Rätsel. Für das Nachbargebäude gilt dasselbe.
Abriss ist keine Option
Emilie schüttelt den Kopf. "Abreißen käme für mich hier niemals infrage. Ich würde es sanieren und wieder bewohnbar machen." Wobei man allerdings die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten müsse, merkt die Studentin noch an.
Beide Gebäude sind jetzt Bestandteil des Abriss-Atlas Deutschland – einem Community-Projekt, unter anderem vom Bund Deutscher Architekten (BDA) und den Architects for Future. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern lebt davon, dass Externe Leerstands-Beispiele aus ihrer Stadt hochladen. Durch das Studierenden-Projekt erscheint Dortmund auf den ersten Blick als "hot spot" für diesen Missstand. Das stimme so nicht, sagt Matthias Ballestrem, doch eines fiel ihm auf. "In Dortmund sind besonders viele Wohngebäude leerstehend. Das kenne ich aus anderen Städten so nicht."
Alternative: Sanierung und Modernisierung
Ein Gebäude mit Zukunft? Die Ex-Gehörlosenschule in Dortmund-Hacheney
Das TU-Projekt belässt es aber nicht bei der Analyse, sondern liefert auch Lösungsansätze. Ballestrem ließ für eines der Objekte – die ehemalige Gehörlosenschule in Dortmund-Hacheney – von den Studierenden Entwürfe für eine Neunutzung entwickeln. Das Oberthema war "Gemeinschaftliches Wohnen", denn auch früher waren in den sieben quadratischen Gebäuden die Schüler untergebracht. Später diente es als Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge, steht aber seit neun Jahren leer.
Von den Idee der Nachwuchs-Architekten ist Ballestrem angetan. "Viele schlagen vor, durch Überbauungen oder verbindende Laubengänge das Gebäude-Ensemble noch mehr als eine Einheit erlebbar zu machen." Ob einer der Entwürfe umgesetzt wird, ist noch offen. Zuletzt hatte die Stadt Dortmund den kompletten Abriss beschlossen, um Platz zu schaffen für ein Neubaugebiet.
Unsere Quellen:
- Abriss-Atlas
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort