Nach WDR-Informationen startete der Transport am Dienstagabend kurz nach 22 Uhr. Für die Sicherheitsbehörden bedeutete das einen Großeinsatz. 2.400 Polizistinnen und Polizisten sicherten laut NRW-Innenministerium die hochradioaktive Ladung ab: Zum Beispiel am Startpunkt am Forschungszentrum Jülich - oder in Ahaus, wo der Atommüll ins Zwischenlager soll. Um 2 Uhr in der Nacht ist der erste Transport angekommen. Laut Polizei verlief der erste Transport ohne besondere Zwischenfälle.
Die Castoren mussten etwa 170 Kilometer vom Kreis Düren bis ins Münsterland transportiert werden, einmal quer durch Nordrhein-Westfalen. Der tonnenschwere Spezial-Lastwagen ist dabei in erster Linie über die Autobahnen in NRW gefahren.
90 Millionen Euro für den Transport nach Ahaus
Bereits seit 2013 steht fest: Der Atommüll in Jülich muss weg, denn seitdem besteht keine Aufbewahrungsgenehmigung mehr. Kurzzeitig stand auch der Bau eines neuen Zwischenlagers in Jülich im Raum - das hatte man wegen hoher Kosten wieder verworfen.
Nach Angaben der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) sollen die Vorbereitung und der Transport in das Brennelemente-Zwischenlager nach Ahaus 90 Millionen Euro kosten, die Kosten für den begleitenden Polizeieinsatz über die Autobahn nicht eingerechnet. Ein neues Zwischenlager in Jülich wäre demnach deutlich teurer.
Kritik der Atomkraftgegner am Zwischenlager
Atomkraftgegner kritisieren den Castor-Transport seit Jahren. Bei einem Infoabend warfen sie den Betreibergesellschaften vor, eine alternative Lagerung in Jülich nicht ausreichend geprüft zu haben. Ein Kritikpunkt: Der Atommüll wird nicht in ein Endlager, sondern in Ahaus in ein weiteres Zwischenlager gebracht.
Darüber hinaus stellten die Atomkraftgegner die Sicherheit der Transporte in Frage. Die Jülicher Entsorgungsgesellschaft versicherte aber, dass die Strahlung während der Transporte geringer sei als die tägliche Hintergrundstrahlung. Demnach müsse man rund 20 Stunden direkt neben einem Castor stehen, um in etwa so viel Strahlung abzubekommen, wie bei einem Langstreckenflug nach New-York.
Verschiedene Initiativen gegen Atomkraft demonstrierten seit dem frühen Dienstagabend gegen die Transporte - sowohl in Jülich als auch in Ahaus.
Kritik auch von der Landesregierung
Die NRW-Landesregierung ist ebenfalls gegen die Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus. "Wenn es nach mir ginge, könnte ich auf die anstehenden Castor-Transporte gerne verzichten", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) im Vorfeld. Das sieht auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur so. "Wir hätten uns eine andere Entscheidung des Bundes gewünscht und haben dazu in der Vergangenheit alle Handlungsoptionen ausgeschöpft, um unnötige Transporte zu vermeiden." Das Land habe keine Entscheidungsgewalt in dieser Sache, so die Grünen-Politikerin.
Vor knapp vier Jahren hatten CDU und Grüne in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, sich "für eine Minimierung von Atomtransporten" einzusetzen. "Im Fall der in Jülich lagernden Brennelemente bedeutet dies, dass wir die Option eines Neubaus eines Zwischenlagers in Jülich vorantreiben", heißt es dort weiter.
Ein solcher Neubau wäre Voraussetzung gewesen, um die Transporte zu verhindern. Die Landesregierung hatte dafür Grundstücke in Jülich gesichert und auch Geld im Landeshaushalt eingestellt. Das nützte nichts, denn das letzte Wort in der Frage "Transport oder Neubau" hat der Bund.
Der hat zwar die Neubau-Pläne für ein Jülicher Zwischenlager nie offiziell für beendet erklärt, der Prozess dauert aber sehr lange - eine Genehmigung dafür liegt bis heute nicht vor. Die Transport-Lösung nach Ahaus dagegen kam schneller voran.
BUND scheitert mit Klage
Der Umweltverband BUND hatte in der Vergangenheit versucht, die Transporte mit einer Klage zu stoppen. Anfang März entschied jedoch das zuständige Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg: Die Castor-Transporte dürfen stattfinden.
Der Transport der Castoren
Bis zu vier Schwerlasttransporter zu je 130 Tonnen können jeweils einen Castor von Jülich nach Ahaus transportieren. Insgesamt soll der Konvoi um den Castor-Transport rund 100 Fahrzeuge umfassen, außerdem sind mehrere tausend Polizeibeamte in ganz NRW im Einsatz, schätzt die Polizeigewerkschaft GdP.
Die Genehmigung dafür wurde im Sommer 2025 erteilt und ist zwei Jahre gültig. Bei insgesamt 152 Castoren mit Atommüll ist in nächster Zeit also mit vielen Castortransporten ins Münsterland zu rechnen.
In Ahaus befindet sich eines von insgesamt 16 Zwischenlagern - dort wird aktuell der Atommüll gelagert. Ein Endlager gibt es derzeit noch nicht, nach einem passenden Standort wird gesucht.
Castor Transporte sollen gleich starten
WDR. 24.03.2026. 00:21 Min.. Verfügbar bis 23.03.2028. WDR Online.
Unsere Quellen:
- BGZ Ahaus
- JEN Jülich
- Bundesamt BASE
- Stadt Ahaus
- Landesregierung NRW
- Bund für Umwelt- und Naturschutz BUND
- Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus"
Sendung: WDR.de, Castor-Transport soll starten: Atommüll aus Jülich kommt nach Ahaus, 24.03.2026, 5.59 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 25.03.2026,18:45 Uhr
Hinweis der Redaktion am 24.03.2026 um 18.30 Uhr:
In einer früheren Version des Textes stand, dass man rund 20 Stunden direkt neben einem Castor stehen müsse, um in etwa so viel Strahlung abzubekommen, wie bei einem 20-stündigen Flug nach New York. Gemeint ist aber lediglich ein Flug ohne Zwischenstopp. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.
Kommentare zum Thema
Auf was hofft die Menschheit? In welchen Zeiträumen denken wir? Die Mini-AKW werden diskutiert, weil wir CO2 einsparen wollen. Den Klimawandel wollen wir bekämpfen. Der Atommüll ist in jeder Kategorie aber eine Ewigkeitslast, weil der Zeitraum unüberschaubar bleibt. Eisen rostet u. einen korridierten Castor können wir in Deutschland nicht mehr reparieren, weil wir keine Abklingbecken mehr haben. Aber das stößt, wie man an den wenigen Kommentaren sehen kann, kaum auf Interesse. Business as usual. Ich bin unsicher, ob wir regenerative Energien schon als Übergangstechnologie bezeichnen sollten, wie es Merz übrigens schon getan hat. Wie sollen denn später die hohen Temperaturen für die Zukunftstechnologie der Kernfusions- Kraftwerke erzeugt werden? Auch die sichere Lagerung des Atommülls von einigen Hundertjahren darf angezweifelt werden? Es bleibt ein Ritt auf dem Feuerball.
Der Atommüll wird das Erbe sein, den die Menschheit auf Erden hinterlässt. Kein Mensch wird jemals einen Behälter öffnen und ein Endnuklid feststellen.
Nur aus Neugier: Welche Route muss man fliegen, um 20 Stunden nach New York zu benötigen? Ich vermute, dass gemeint war, dass man 20 Stunden neben den Behältern stehen müsste um die gleiche Dosis zu erhalten, die man auf einem 8-9 Stunden Flug nach New York erhalten würde. Das bedeutet sogar, dass die Stahlung aus den Behältern nur halb so groß ist, aus dem Artikel anzunehmen ist ;)
Hallo DerPilot! Danke für den aufmerksamen Hinweis. Gemeint sind 20 Stunden im Flieger ohne Zwischenstopp. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.