In Düsseldorf wird Altbier getrunken
Kölsch, Pils und Alt: Willkommen im Bierland NRW
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Ganz klar, NRW ist Bierland: 1.820.000.000 Liter wurden hier 2024 getrunken. Aber welches Bier ist am beliebtesten: Kölsch, Alt oder Pils? Wo sitzt die älteste Altbierbrauerei? Und welche Brauereien kann man besichtigen? Hier gibt's die Antworten.
NRW ist Bierland
"Ob Kölsch, ob Pils, ob Alt - de Hauptsach is, et knallt", singt die kölsche Mundartgruppe "Die 3 Colonias". Und in Nordrhein-Westfalen knallt's: Das Bundesland gehört beim Thema Bier zu den Spitzenreitern. Im Westen wird Gerstensaft zu jeder Jahreszeit getrunken, im Karnevalsfestzelt, Fußballstadion und bei Sonnenschein im Biergarten.
Der Weg von der Brauerei bis zur Theke ist meist nicht weit: In Nordrhein-Westfalen sitzen viele kleine wie große Brauereien. Laut Statistischem Bundesamt wurden hier 2024 138 Braustätten betrieben, mehr gibt es nur in Bayern (598) und Baden-Württemberg (203). Gemessen daran, wie viel Bier insgesamt produziert wird, ist Nordrhein-Westfalen mit rund 20,8 Millionen Hektolitern sogar auf Platz zwei. Und auch wenn NRW nicht als klassisches Hopfenanbaugebiet bekannt ist, wächst auch hier die Grundlage für das Bier, zum Beispiel im sauerländischen Hallenberg.
Hopfenanbau in Hallenberg
00:24 Min.. Verfügbar bis 25.05.2027.
Das klare goldene bis dunkel trübe alkoholische Getränk wird nicht nur literweise gebraut, sondern auch literweise getrunken. Von den insgesamt rund 68 Millionen Hektolitern abgesetzten Bier in Deutschland flossen im Jahr 2024 rund 18,2 Millionen Hektoliter in NRW, also 1.820.000.000 Liter.
Pils ist die Nummer eins - auch in NRW
Unter den verschiedenen Biersorten ist Pils mit großem Abstand die Nummer eins in Deutschland. Und auch in Nordrhein-Westfalen greifen die Biertrinker am liebsten zum Pils. Das Pils hat seine Ursprünge im tschechischen Pilsen und ist ein untergäriges Bier mit im Vergleich zu anderen Biersorten starkem Hopfenaroma.
Was bedeutet ober- und untergärig?
Welche Hefe beim Bierbrauen eingesetzt wird, beeinflusst den Gärprozess und die Art des entstehenden Bieres. Obergärige Hefen brauchen für die Umwandlung von Zucker in Alkohol wärmere Temperaturen als untergärige Hefen. Letztere sinken nach der Gärung auf den Boden des Kessels, während obergärige Hefen an die Oberfläche steigen. Heute sind laut der Verbraucherzentrale Bayern rund 85 Prozent aller Biere untergärig.
In Nordrhein-Westfalen sind gleich mehrere Pils-Brauereien zuhause, die auch global erfolgreich und bekannt sind, darunter Krombacher in Krombach, einem Stadtteil von Kreuztal, Warsteiner in Warstein, Veltins in Meschede und König Pilsener in Duisburg-Beeck.
- Die Brauerei "Stiefel Jürgens" in Beckum ist die älteste Brauerei Westfalens. Einen großen Anteil daran hat die resolute Urgroßmutter Maria Anna Elisabeth, die Bierhandwerk wichtiger als den Krieg fand.
Im Ruhrgebiet hat das Pils Tradition. In der Bochumer Privatbrauerei Moritz Fiege wird es seit 1926 gebraut, die familiäre Brauhistorie an sich reicht noch weitere 200 Jahre zurück. Auch Dortmund hat eine lange Brau-Tradition. Mit dem Dortmunder Export, einem untergärigen Bier mit leicht höherem Alkoholgehalt für eine längere Haltbarkeit, wurde die Stadt weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt. Während der Blütezeit der Kohle- und Stahlindustrie erlebte auch die ansässige Bierproduktion einen großen Aufschwung.
An der typisch westfälischen Theke gab es auch einen "Hungerturm"
00:22 Min.. Verfügbar bis 25.05.2027.
Dortmund wurde in dieser Zeit zum Bierproduzent Nummer eins in Europa, besonders bekannt sind etwa die Dortmunder Actien Brauerei und die Dortmunder Union-Brauerei. Ab den 1970ern ging der Absatz jedoch stark zurück. Heute erinnert das denkmalgeschützte Dortmunder "U", einst Gär- und Lagerkeller der Dortmunder Union-Brauerei, jetzt Zentrum für Kunst und Kreativität, an die ehemalige Bierstadt.
Das Dunkle aus NRW: Altbier
Altbier trägt seinen Namen nicht, wie gerne in Köln gelästert wird, weil es alt und abgestanden schmecken würde, sondern weil es nach einer besonders alten und traditionellen Rezeptur gebraut wird. Das Alt ist ein obergäriges Bier, das in NRW besonders am Niederrhein und in Düsseldorf getrunken wird. Die älteste Altbierbrauerei der Welt hat ihren Sitz in NRW: In der Privatbrauerei Bolten in Korschenbroich wird das dunkle, süffige Bier seit 1266 gebraut.
In der Düsseldorfer Altstadt reiht sich eine Hausbrauerei an die andere, weswegen sie auch als "die längste Theke der Welt" bezeichnet wird. Dazu zählt unter anderem das Füchschen auf der Ratinger Straße.
Lena Backes von der Füchschen Brauerei über ihren Job als Braumeisterin
00:26 Min.. Verfügbar bis 25.05.2027.
Hier oder im Schumacher, Uerige, Kürzer oder Schlüssel bringt der Köbes stets unaufgefordert das nächste Alt, sobald das Glas leer ist. Wer keinen Nachschub will, legt seinen Bierdeckel auf das Glas. Diese Zeichensprache gilt in Düsseldorf wie auch in Köln.
Hass oder Liebe: Kölsch
Außerhalb von Köln wird oft darüber gelästert - für Kölner aber ist das Kölsch mehr als nur ein Bier. Es gehört zur Identität wie der Kölner Dom oder Karneval. Welches Bier sich aber wirklich Kölsch nennen darf, das regelt die Kölsch-Konvention von 1986. Darin steht etwa, dass ein Kölsch obergärig, hell und gefiltert sein muss. Außerdem darf Kölsch ausschließlich in Köln hergestellt werden, davon ausgenommen sind nur Brauereien außerhalb des Stadtgebiets, die schon vor Inkrafttreten der Konvention Kölsch gebraut haben.
Der Köbes in Köln trägt das Kölsch in einem Kranz durch das Brauhaus
Die Braugeschichte des Kölsch reicht viele Hundert Jahre zurück, allerdings hieß das Bier damals noch nicht Kölsch und hatte auch wenig mit dem Kölsch zu tun, das man heute trinkt.
So wird das Bier gebraut. Ein Blick hinter die Kulissen der Früh-Brauerei in Köln
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Heute gibt es rund zwei Dutzend verschiedene Marken: Von Früh, über Päffgen und Sion bis hin zu Reissdorf und Gilden. Teilweise stammen sie aus Großbrauereien, andere werden noch in klassischen Hausbrauereien gebraut und in angeschlossenen Gasthäusern ausgeschenkt.
Kölsch und Atmosphäre: Das macht die Kölner Kneipenkultur aus
00:19 Min.. Verfügbar bis 25.05.2027.
Getrunken wird das leuchtend hellgelbe Bier traditionell aus den schmalen 0,2 Liter Kölsch-Stangen. Dazu passend gibt es Halven Hahn, ein mit Gouda und Senf belegtes, halbes Roggenbrötchen, Rheinischen Sauerbraten oder Himmel un Ääd, ein traditionelles Gericht aus Kartoffelpüree mit Apfel, gerösteten Zwiebeln und gebratener Blutwurst.
Diese Brauereien bieten Führungen an
Wer einmal einem Braumeister über die Schulter schauen möchte, der kann das bei einer Brauereiführung tun. Die meisten großen Brauereien und auch einige kleinere bieten Besichtigungen an. Eine rund dreistündige Tour bei Krombacher führt etwa durch ein 180-Grad-Panorama-Kino, bei dem Hintergründe rund um die Geschichte des Biers erklärt werden, einen Ausflug ins Sudhaus mit seinen großen Kesseln und eine Verkostung. Die Führung kostet pro Teilnehmer 26 Euro.
In der Brauwelt Köln, wo Mühlen und Sünner Kölsch gebraut werden, können Interessierte für 22 Euro in etwa 75 Minuten die älteste Kölsch-Brauerei sowie die älteste Brennerei Kölns entdecken. Wer es etwas lockerer mag, kann für 29,90 Euro die Comedy-Besichtigung buchen.
Auch Altbier-Brauereien wie das Schlüssel in der Düsseldorfer Altstadt oder die Privatbrauerei Bolten in Korschenbroich führen Touren durch. In Köln und Düsseldorf gibt es außerdem Brauhaustouren - hier können in kurzer Zeit mehrere Alt- oder Kölsch-Brauhäuser entdeckt und verschiedene Marken probiert werden.