Die Sonne scheint, doch unter der dem Bielefelder Ostwestfalendamm ist es schattig und kühl. Unter der großen, grauen Stadtautobahn liegt das "Cutie", die Bar, die am Sonntagmorgen um kurz vor halb fünf zum Tatort wurde.
Davor gibt es inzwischen eine kleine Gedenkstätte: Blumen, Kerzen, ein Arminia-Schal. Auch Rebecca Nestroy hat dort Blumen niedergelegt, "um an die jungen Leute zu denken", erzählt sie.
Passanten legen Blumen nieder
Passantin Rebecca Nestroy hat schon Blumen niedergelegt
Rebecca Nestroy hat am Sonntag von dem Messerangriff gelesen. Auch wenn sie selbst nicht in die Bar gehe, habe sie die Ecke auf den Fotos sofort erkannt. Jetzt gehe sie mit einem "mulmigen Gefühl" hier vorbei, sie sorge sich vor allem um die Sicherheit "der jungen Leute, freiheitlich zu feiern". Rebecca Nestroy schließt ihr Fahrrad auf und radelt weiter in Richtung City.
Cutie will sich nicht einschüchtern lassen und wieder öffnen
Das Cutie liegt mitten in der Bielefelder Innenstadt - zwischen Ausgeh- und Wohnviertel, ganz in der Nähe vom Hauptbahnhof. Nachts läuft drinnen alternative, meist elektronische Musik. Auch vor der Bar stehen viele Besucherinnen und Besucher zum Rauchen, Quatschen und Biertrinken.
Eine kleine Gedenkstätte vor der Cutie-Bar mit Blumen und Grabkerzen
Hier kommt es am frühen Sonntagmorgen zum Messerangriff, bei dem fünf Menschen verletzt werden, vier davon schwer. Seit Anfang der Woche ist keines der Opfer mehr in Lebensgefahr. Gegen den mutmaßlichen Täter wurde Haftbefehl erlassen.
Mitarbeitende der Bar lassen sich nicht einschüchtern
An diesem Wochenende wird das Cutie noch geschlossen bleiben. Auf WDR-Anfrage bestätigt Inhaber Hendrik Wortmann:
Wir arbeiten daran, möglichst schnell wieder aufzumachen. Wann genau, das werden wir als Team entscheiden. Hendrik Wortmann, Inhaber des Cuties
Wieder aufzumachen sei ihm wichtig, "allein weil wir uns nicht einschüchtern lassen wollen!"
Genesungswünsche für die Verletzten
Even Raeva kommt vorbei und blickt auf die kleine Gedenkstätte, auf dem Schild steht: "Unsere Gedanken sind bei euch!" Der 18-Jährige geht eigentlich selbst gerne ins Cutie und hat auch eine Bekannte, die in der Tatnacht hier getanzt hat.
Even Raeva geht gern ins Cutie
"Das genau das ausgenutzt wurde, dieses Offene, das ist wirklich erschreckend", sagt Raeva. "Man wird trotzdem wieder hierhin gehen, aber es wird ein bisschen anders werden."
Gegenüber auf der anderen Straßenseite sind auf zwei Wänden zwei große, schwarz-weiß-blaue Graffitis. Unter den Verletzten sind auch Arminia-Fans. "Chris" wurde in großen Buchstaben gesprüht.
Das Graffiti würdigt die Zivilcourage eines Arminia-Fans
Mit den Graffitis würdigt die Fanszene den Einsatz und die Zivilcourage eines Fans. Er hatte gemeinsam mit anderen Besucherinnen und Besucher versucht, den Angreifer zu stoppen, und wurde dabei verletzt.
Diskussionen über die Tat
Unter der Brücke blicken Vorbeilaufende immer wieder auf den Tatort, an einer Laterne hängen noch Reste der Polizeiabsperrung. Im Gespräch vor der geschlossenen Bar möchten nicht alle ihre Namen nennen.
"Ich werde nicht damit fertig, dass sich diese Art von Angriffen häufen", sagt ein älterer Mann, "ich würde mir wünschen: Grundsätzliches Waffenverbot in der Öffentlichkeit, überall."
Kevin äußert sich anonym
Auf einer Bank sitzt Kevin, ein junger Mann mit einem Freund. Die beiden essen mitgebrachte Snacks. "Was geht ab? Schon so viele Messerstechereien", sagt Kevin. "Warum denkt die Regierung nicht mal nach? Bis jetzt ist noch immer nichts passiert." Aus seiner Sicht gebe es zu viele Messerangriffe.
Die Tat in Bielefeld polarisiert
Am Samstag wird es in Bielefeld gleich zwei Demonstrationen geben. Laut Polizei hat eine Privatperson eine Veranstaltung mit 200 Personen am Hauptbahnhof angemeldet, Thema: "Anteilnahme mit den Opfern" und "Remigration". Kurz darauf hat das "Bündnis gegen Rechts" eine "Mahnwache gegen Hass und Hetze" angemeldet.
"Wir wenden uns gegen die Instrumentalisierung", betont Michael Gugat, der sich im Rat der Stadt und beim Bündnis engagiert. Deshalb finde die Mahnwache genau vor dem Cutie und einer weiteren benachbarten Bar statt: "Wir wollen Solidarität zeigen mit den Opfern, mit den helfenden Menschen, aber auch mit den Clubs."
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Passanten in der Bielefelder Innenstadt
- Hendrik Wortmann, Inhaber des Cutie
- Michael Gugat, Bielefelder Bündnis gegen Rechts
- Polizei Bielefeld