Rufnummer-Missbrauch: Zehntausende Beschwerden

Aktuelle Stunde 08.02.2026 32:54 Min. UT Verfügbar bis 08.02.2028 WDR Von Claudia Beucker

Spam-Anrufe: Wie schützt man sich gegen Betrüger?

Stand:

Chatnachrichten und Anrufe von Betrügern sind im letzten Jahr fast um die Hälfte zurückgegangen, teilt die Bundesnetzagentur in Bonn mit. Was kann man selbst tun um sich zu schützen?

Im Jahr 2024 gingen bei der Bundesnetzagentur 154.626 Beschwerden zu Rufnummermissbrauch ein - das war ein Rekord. 2025 waren es dagegen nur noch 85.158 Beschwerden. Einen Grund für den deutlichen Rückgang der Beschwerden nennt die Aufsichtsbehörde nicht.

Möglicherweise liegt der deutliche Rückgang an Beschwerden über Rufnummernmissbrauch aber auch daran, dass Betrüger es inzwischen etwas schwerer haben als früher. Denn die Netzbetreiber Vodafone und Telekom haben inzwischen einen Spam-Warner gestartet, der es den Betrügern zumindest schwerer macht.

Bei welchen Anrufen sollte man misstrauisch werden? Wie funktioniert das Betrugssystem? Und wie kann man sich schützen.

Wie erkennt man Spam-Anrufe?

Das Handy klingelt, auf dem Display wird eine unbekannte Nummer oder "Anonym" angezeigt. Nach dem Abheben meldet sich eine Computerstimme, die zum Beispiel erklärt, im Auftrag des Finanzdienstleisters Paypal anzurufen. Das System habe eine verdächtige Abbuchung vom Paypal-Konto registriert. Wenn man diese nicht selbst veranlasst habe, solle man unbedingt die Taste "1" auf dem Handy drücken.

Wer in Panik gerät und der Computerstimme gehorcht, landet bei einem falschen Paypal-Mitarbeiter, der zur Identifikation des Kunden angeblich sämtliche Passwörter und persönlichen Daten wie Kontonummern benötigt. Mit diesen Informationen können die Betrüger zum Beispiel auf Kosten des Opfers im Netz einkaufen, oder auch direkt auf fremde Bankkonten zugreifen.

Die Paypal-Masche ist dabei nur eine von vielen: Manchmal gibt es auch keine Bandansage, sondern es meldet sich direkt ein angeblicher Mitarbeiter eines bekannten Unternehmens oder einer Organisation. Manche Betrüger stellen sich sogar als Mitarbeiter der Verbraucherzentrale vor, die davor warnen, dass die persönlichen Daten des Angerufenen im Darknet aufgetaucht sind. Die Verbraucherzentrale könne diese löschen lassen - dafür müsse aber zunächst ein gründlicher "Datenabgleich" erfolgen.

Wer steckt dahinter?

Hinter den Spam-Anrufen stecken laut Bundeskriminalamt (BKA) in der Regel kriminelle Organisationen, die ihre Geschäfte meist aus dem Ausland betreiben. Schon mehrmals hat zum Beispiel die türkische Polizei Call-Center geschlossen, in denen Dutzende Mitarbeiter betrügerische Anrufe im Akkord tätigten. Die Türkei ist auch deshalb ein bevorzugter Aktionsraum für die Betrüger, weil dort relativ leicht Personal angeworben werden kann, das akzentfrei Deutsch spricht.

Die Mitarbeiter der Call-Center arbeiten gewöhnlich auf Provisionsbasis. Der Großteil der Beute geht an die Hintermänner der Betrugsnetzwerke, die in der Regel mit dem "operativen Geschäft" nichts zu tun haben und sich so erfolgreich der Strafverfolgung entziehen können.

Wie reagieren die Netzbetreiber?

ein Smartphone auf dem der Warntext "Vorsicht: Betrug möglich!" zu lesen ist

Warnung auf dem Display

Der Netzbetreiber Vodafone hat bereits im Mai 2025 einen sogenannten Spam-Warner gestartet: Wird man von einer Telefonnummer angerufen, die bei Vodafone auf einer Liste potenzieller Krimineller ist, so bekommt man vorab den Hinweis "Vorsicht: Betrug möglich" auf dem Display. Der Angerufene kann den Anruf zwar trotzdem annehmen, ist aber zumindest vorgewarnt.

Bei dem Warnsystem greift Vodafone auf einen nach eigenen Angaben ständig aktualisierten Datenpool zurück, in dem Telefonnummern hinterlegt sind, von denen bereits Spam-Anrufe getätigt wurden. Die Deutsche Telekom hat im Dezember 2025 ein ähnliches Warnsystem gestartet - den sogenannten "Service Call Check".

Wie viel Schutz bieten die Spam-Warner?

Vodafone hat im vergangenen Jahr knapp 50 Millionen Betrugswarnungen auf die Smartphone-Displays der Nutzer des Vodafone-Netzes gesendet. Nach Erkenntnissen des Netzbetreibers gehen dank der Warnung viel weniger Menschen ans Telefon als ohne Warnung. "Viele Menschen werden umsichtiger, weil sie häufiger auf mögliche Gefahren im Netz hingewiesen werden", sagt Vodafone-Deutschlandchef Marcel de Groot. "Neue Technologien schützen vor Betrugsmaschen, noch bevor sie Schaden anrichten können."

Spam-Anrufe: Wie schützt man sich?

WDR Studios NRW 08.02.2026 01:51 Min. Verfügbar bis 08.02.2028 WDR Online

Und auch die Telekom schreibt auf ihrer Website, dass sich die Schutzwirkung dieses Services schon wenige Wochen nach dem Start von "Call Check" zeigt. Kundinnen und Kunden der Telekom seien seit Mitte Dezember bereits millionenfach vor möglichen Betrugsversuchen gewarnt worden. 

Narrensicher sind die Systeme allerdings nicht: Die Anrufer wechseln ihre Nummern sehr häufig, um die Spamfilter zu überlisten. Außerdem gibt es die Möglichkeit, die Übermittlung der eigenen Nummer zu fälschen. In diesem Fall scheinen die Betrüger tatsächlich von der offiziellen Rufnummer einer Behörde oder eines bekannte Unternehmens anzurufen - und die Warnung bleibt aus.

Was können Kunden anderer Mobilfunkanbieter tun?

Die anderen Mobilfunkbetreiber wie O2 Telefónica arbeiten zwar an eigenen Anti-Spam-Lösungen, diese werden aber noch nicht angeboten. Bis dahin hilft ein gesundes Misstrauen, um nicht selbst zum Betrugsopfer zu werden.

  • Anrufe mit unbekannter Nummer nicht beantworten. Seriöse Anrufer hinterlassen in der Regel eine Nachricht auf der Mailbox
  • Niemals den Anweisungen einer Computerstimme folgen - vor allem wenn sie zur Eingabe von Tasten aufruft
  • Falls sich der Anrufer als Mitarbeiter einer Behörde oder eines Unternehmens vorstellt: Gespräch beenden und im Zweifelsfall selbst bei den genannten Institutionen nachfragen, ob der Anruf echt war
  • Niemals auf ein Gespräch mit einem mutmaßlichen Betrüger einlassen. Selbst ein simples "Ja" kann aufgezeichnet und der Mitschnitt so manipuliert werden, als handle es sich um die Zustimmung zu einem Vertrag
  • Sobald nach persönlichen Daten wie Kontonummern oder Adressen gefragt wird - Gespräch beenden
  • Anschließend die Nummer des Anrufers auf dem eigenen Smartphone sperren. Anleitungen dazu gibt es für jedes Betriebssystem im Netz.

Was kann man machen, wenn man den Anruf entgegengenommen hat?

Die Betrüger können oft sehr überzeugend sein - schließlich sind sie Profis. Falls sie es geschafft haben, euch persönliche Daten zu entlocken, sollte man schnell sein:

  • Zugangsdaten zum Online-Banking oder anderen Portalen sofort ändern
  • Paypal oder die Hausbank informieren, um mögliche Transaktionen zu stoppen
  • Strafanzeige stellen
  • Vorfall der Bundesnetzagentur melden

Gibt es auch Blocker für Spam-SMS?

Betrüger können sich auch per SMS melden. Eine beliebte Masche ist zum Beispiel die angebliche Nachricht eines großen Logistikers wie DHL, dass ein Paket nicht zugestellt werden kann. Wer für weitere Anweisungen den empfohlenen Link aufruft, landet oft auf einer gefälschten DHL-Seite, auf der verschiedene persönlichen Daten abgefragt werden.

Inzwischen bieten alle großen Mobilfunkbetreiber teilweise kostenpflichtige Spam-Filter an, die auch betrügerische SMS erkennen können. Alternativ kann man auch spezialisierte Apps anderer Anbieter nutzen. Diese scannen neben der Nummer des Absenders auch den Text einer SMS und vergleichen ihn mit bekannten Spam-Mitteilungen.

Welche Betrugsmaschen gehen aktuell zurück?

2024 waren die Paket-Betrugsversuche noch stark verbreitet. Hierbei erhalten die Betroffenen beispielsweise eine SMS, in der sie aufgefordert wurden Zollgebühren für ein Paket zu zahlen, um dieses zu erhalten. Die Betrüger nahmen jedoch auch über Chatnachrichten oder per Anruf Kontakt zu ihren Opfern auf. 2025 sind diese Paket-Betrugsversuche laut der Bundesnetzagentur zurückgegangen.

Auch der sogenannte Enkeltrick ist seit einigen Jahren den Angaben zufolge rückläufig. Hierbei nimmt ein Betrüger per SMS oder Chatnachricht Kontakt auf und gibt sich als ein Familienmitglied aus, das dringend Geld brauche. Manchmal werden auch nur persönliche Daten des Opfers eingefordert, die später für andere Abzocke-Arten genutzt werden. 

Weniger Beschwerden über Rufnummern-Missbrauch

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Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur dpa
  • Anfragen bei Vodafone, Telekom und Sellwerk
  • Bundeskriminalamt
  • Website der Telekom

Sendung: WDR 5, Der Tag um sechs07.02.2026, 18:00 - 18:10 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 08.02.2026, 18:45 Uhr

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