Wer übers Netz der Telekom telefoniert, sieht jetzt eine Warnmeldung, wenn eine unbekannte und möglicherweise kriminelle Nummer anruft. Solche Betrugsanrufe nehmen zu und verursachen laut Meldungen verschiedener Landeskriminalämter jedes Jahr Schäden in Millionenhöhe.
Nicole Herold aus Bornheim
Auch Nicole Herold aus Bornheim kennt das Problem nur zu gut. "Häufig sind das diese Fakeanrufe mit einer Computerstimme, wo es heißt, ein Account von Microsoft oder sowas ist abgelaufen und man muss eine Visa-Identifikation eingeben." Dies komme auch bei ihr immer öfter vor. "Ich würde sagen, in den letzten sechs bis acht Monaten kam es monatlich auf jeden Fall vor, wenn nicht sogar häufiger", sagte sie dem WDR bei einer Straßenumfrage in Bonn.
Davor könne man sich kaum schützen, glaubt die junge Frau. Denn das Risiko, dass die eigene Nummer irgendwann auf einer Liste im Internet auftaucht und Betrüger sie dann in die Hände bekommen können, sei kaum zu kontrollieren. Deshalb freut sie sich, wenn sie schon auf dem Display über einen möglichen Betrug gewarnt wird.
Wie funktioniert das neue System der Telekom?
Doch wie funktioniert das? Alle Handys, die mit dem mobilen Telekom-Netz verbunden sind, erhalten jetzt eine automatische Warnung im Display, wenn eine Nummer anruft, die in einer Datenbank als betrügerisch oder unseriös gespeichert ist. Dann steht neben der Nummer "Vorsicht, möglicher Betrug!". Man kann den Anruf aber trotzdem noch annehmen.
Jan Testrut aus Bonn
Jan Testrut aus Bonn, der ebenfalls an der Straßenumfrage teilnahm, hält die Warnung für eine gute Idee - allerdings weniger, weil er selbst fürchtet, auf Betrugsversuche am Telefon hereinzufallen. "Ich glaube, ich kann's relativ gut einschätzen. Aber wenn ich an meine Eltern oder Großeltern denke, die fallen da eher drauf rein, weil sie damit keine Berührungspunkte haben."
Vodafone verwendet ähnliches System gegen Spam-Anrufe
Ein ähnliches System verwendet auch Vodafone in seinem Mobilfunknetz. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben seit Mai bereits etwa 50 Millionen solcher Warnungen angezeigt. Nur in zwölf Prozent der Fälle wurde demnach der Anruf angenommen. Und dann dauerten die meisten Gespräche weniger als 30 Sekunden.
Der dritte große Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland, Telefónica, hat in seinem O2-Netz noch kein vergleichbares Warnsystem.
Was steckt hinter den Betrugsanrufen?
Aus Statistiken von Anbietern von Anti-Spam-Software wie Clever Dialer und Tellows geht hervor: Meistens kommen die Betrugsanrufe aus dem Ausland, häufig haben sie eine niederländische Vorwahl. Aber deutsche Vorwahlen sind auch häufig vertreten, in letzter Zeit vor allem die von Düsseldorf und Hamburg. Dahinter stecken oft professionelle Callcenter, die mit verschiedenen Methoden an Geld kommen wollen.
Screenshot von einem Anruf mit Spamverdacht
Die Anrufe reichen von einfachem Spam, bei dem zum Beispiel ein Abo verkauft werden soll, bis hin zu schwer kriminellen Versuchen, Tausende von Euro zu erbeuten. Dabei behaupten die Anrufer beispielsweise, man habe bei einem Gewinnspiel viel Geld gewonnen und müsse nur noch die Bankverbindung angeben oder eine Überweisungsgebühr bezahlen. Manche der kriminellen Anrufer geben sich auch als Mitarbeitende einer Bank oder der Finanzbehörde aus und erfragen die Bankverbindung oder Passwörter.
Enkeltrick gehört zu den Maschen der Betrüger
Auch der Enkeltrick gehört zu den Maschen. Rufen Betrüger gezielt ältere Menschen aus, geben sich als deren Enkel aus und bitten sie um Geld. Bei den so genannten Schock-Anrufen behaupten sie, ein Angehöriger sei in Schwierigkeiten und man müsse schnell viel Geld bezahlen, etwa für eine Kaution.
Der Schaden solcher Betrugsanrufe lässt sich nicht genau beziffern, liegt Schätzungen zufolge aber bei mehr als 100 Millionen Euro im Jahr.
Spam-Anrufe: Wie kann man sich davor schützen?
Die Polizei rät, bei unbekannten Nummern skeptisch zu sein und bei Verdacht auf Betrug sofort aufzulegen. Verdächtige Nummern sollte man der Bundesnetzagentur oder der Polizei melden.
Generell gilt: Niemals persönliche Daten, vor allem die Bankverbindung oder Passwörter am Telefon übermitteln. Seriöse Unternehmen und Behörden fragen niemals danach.
Auch sollte man niemals Geld oder Wertgegenstände an fremde Personen übergeben, auch wenn sie sich als Polizisten, Anwältinnen oder Notare ausgeben.
Quellen:
- dpa
- Bundesnetzagentur
- Polizei NRW
- WDR-Straßenumfrage in Bonn
Sendung: WDR 5, Wirtschaftsmagazin, 17.12.2025, 13.25 Uhr