Gaffer filmten Kind statt zu helfen
WDR. 01:46 Min.. Verfügbar bis 23.06.2028.
Tödlicher Fenstersturz in Wuppertal : Gaffer filmen Kind, statt zu helfen
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Ein tragischer Unfall erschüttert Wuppertal: Ein Kleinkind fällt aus einem geöffneten Fenster. Während Ersthelfer versuchen zu helfen, stehen zahlreiche Schaulustige daneben – einige filmen sogar. Die Polizei prüft Anzeigen wegen unterlassener Hilfeleistung.
Das Unglück ereignete sich am Montagmittag in Wuppertal-Oberbarmen. Ersthelferin Miriam Jost war mit ihrem fünfjährigen Sohn einkaufen, als ein kleiner Junge aus einem geöffneten Fenster stürzte.
Laut Josts Angaben reagierte zunächst niemand: "Die Menschen standen einfach nur herum und gafften - offenbar hatte niemand den Notruf abgesetzt, also hab ich das gemacht", berichtet die 30-Jährige gegenüber dem WDR. Mindestens ein Passant holte daraufhin sein Handy heraus und filmte das schwer verletzte Kind, statt ihm zu helfen.
Ersthelferin Miriam Jost wurde von Gaffern behindert
Unter Anleitung der Leitstelle übernahm Jost die Erste Hilfe und wurde dabei sogar noch behindert. "Da war eine Frau, die ständig an mir zerrte und immer wieder rief, ich soll das Kind nicht anfassen."
Polizei in Wuppertal verurteilt Gaffen
Laut Polizei waren so viele Menschen vor Ort, dass zusätzliche Einsatzkräfte angefordert werden mussten. Diese sollten Platz für Rettung und Polizei schaffen. Stefan Weiand von der Polizei Wuppertal betont heute noch einmal: "Wer filmt, leistet keine Hilfe“.
Keinerlei Verständnis für Gaffer: Stefan Weiand von der Polizei Wuppertal
Die Ermittler prüfen nun, ob Strafanzeigen wegen unterlassener Hilfeleistung gerechtfertigt sind. Allerdings sei es schwierig, mögliche Täter zu identifizieren.
"Das ist absolut pietätlos, so ein Kind, das schwer verletzt auf dem Gehweg liegt, anzugaffen. Da muss man Platz machen, dass wir arbeiten können." Stefan Weiand, Polizei Wuppertal
Wuppertaler Staatsanwaltschaft ermittelt
Das Kind verstarb, nach Angaben der Polizei, später im Krankenhaus. Nach ersten Erkenntnissen deutet alles auf einen Unfall hin. Ein vorsätzliches Tötungsdelikt hatten die Behörden schon gestern ausgeschlossen. Wie sich das Unglück genau ereignet hat und wo sich die Eltern zu dem Zeitpunkt befanden, sei noch Teil der Ermittlungen, sagt Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert von der Wuppertaler Staatsanwaltschaft.
Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert
Somit stehe auch eine fahrlässige Tötung im Raum. "Wenn eine besondere Gefahrensituation besteht, etwa ein geöffnetes Fenster im vierten Stock, muss geklärt werden, ob ausreichende Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden", so Oberstaatsanwalt Baumert. Ob ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt, dazu könne sich derzeit noch nicht geäußert werden. Es seien noch zu viele Fragen offen. Die Eltern des verstorbenen Kindes waren bislang noch nicht vernehmungsfähig.
Unsere Quellen:
- Ersthelferin Miriam Jost
- Polizeisprecher Stefan Weiand
- Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR 2, Lokalzeit Bergisches Land, 23.06.2026, 14:31 Uhr