Mit dem Mopperkopp durch Elberfeld
WDR. 03:17 Min.. Verfügbar bis 23.06.2028.
Wuppertals schlecht gelaunteste Tour : Mit dem Mopperkopp durch Elberfeld
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Schlechte Laune als Konzept? In Wuppertal wird genau das jetzt zum Erlebnis. Der "Mopperkopp" führt moppernt durch die Elberfelder Innenstadt. Eine Tour, die zum Lachen bringt und bewusst die schlechten Seiten Wuppertals zeigt.
Rund ein Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmer versammeln sich an diesem Freitagabend an der Alten Freiheit, in der Nähe des Wuppertaler Hauptbahnhofs. Ein leichtes Lächeln ist ihnen schon ins Gesicht geschrieben, denn sie wissen, worauf sie sich einlassen.
"Ich bin David und mir ist völlig egal wer ihr seid." David J. Becher, Schauspieler und "Mopperkopp"
Freundliche Begrüßungen sind Fehlanzeige, denn mit diesem Satz heißt der Schauspieler und designierte Miesepeter David J. Becker die bunt gemischte Gruppe aus Jung und Alt willkommen - und sofort ist klar: Das wird keine gewöhnliche Stadtführung. Denn der Grumpy Guide hat sich vorgenommen, Wuppertal an diesem Tag von seiner schlechtesten Seite zu zeigen.
Schlecht gelaunt, aber voller spannender Einblicke
Dann geht es los: Der "Mopperkopp“ stratzt zielstrebig Richtung Bahnhofsgebäude voraus, während die Gruppe unter Regenschirmen versucht mitzuhalten. Schon nach wenigen Metern bleibt sie stehen - und schmunzelt beim Blick auf das etwas überdimensionierte, wenn auch preisgekrönte, goldene Primark-Gebäude. Es ist der Startschuss für anderthalb Stunden Unterhaltung, in denen die Gäste auf mürrische, aber charmante Art spannende Einblicke in die Geschichte der Wuppertaler Innenstadt bekommen.
Baustellen überall – irgendwer muss ja meckern
Immer wieder bleiben Menschen stehen, hören zu oder drehen sich nach dem lautstark schimpfenden Stadtführer um. Obwohl die Tour nur einen Fußweg von rund 15 Minuten abdeckt, findet David J. Becher alle paar Meter etwas mopperwürdiges und wenn man ihn fragt, ob er sich vorher ein Skript schreibe, antwortet er trocken: "Man muss sich ja nur umgucken, dann sieht man, dass es scheiße ist".
Die unzähligen Baustellen, die scheinbar nur entstehen, damit kurz darauf die nächste Baustelle eröffnet werden kann und an die man sich als Wuppertaler längst gewöhnt hat, springen sofort ins Auge. Mit jeder Station scheint sich der Blick der Gruppe weiter für die kleinen und großen Hässlichkeiten der Stadt zu schärfen.
Zu viel Beton, zu wenig Bäume, zu wenig Grün – aber goldene Bänke
Die Themen, die zur Sprache kommen, sind selten neu, sondern eher das, was in der Stadt seit Jahren diskutiert wird. Die goldenen Bänke etwa, die im Sommer so heiß werden, dass man sich daran beinahe die Kniekehlen verbrennt. Es fehlen Bäume, dafür dominiert Beton. Die Geräuschkulisse wird ununterbrochen von Autos bestimmt. Es entsteht der Eindruck, dass in Wuppertal vor allem eines zählt: überall mit dem Auto hinkommen zu können.
Auch der Wuppertaler Regen hat seinen Gastauftritt
Der Rundgang führt weiter durch die Innenstadt, und immer wieder setzt Regen ein. Erst ein paar vereinzelte Tropfen, dann wieder ein kräftiger Schauer. Natürlich bleibt auch das nicht unkommentiert. Der berühmt berüchtigte Wuppertaler Regen gehört schließlich zu einer "Mopper-Tour" wie der "Mopperkopp" selbst.
Der geplante Abschluss auf dem Laurentiusplatz fällt ins Wasser. Innerhalb weniger Minuten stehen alle im strömenden Regen. Ohne zu zögern verlegt der Mopperkopp den Abschluss in den Eingangsbereich einer Buchhandlung im Luisenviertel. Ausgerechnet das Wetter sorgt am Ende für den letzten Lacher - und liefert noch einmal reichlich Stoff zum Meckern.
Gute Laune trotz Kritik – denn gemeckert wird aus Zuneigung
Komischerweise scheinen die Teilnehmenden trotz aller Sticheleien und des Regens mit jedem Halt besser gelaunt. Das wird spätestens beim tosenden Applaus nach Abschluss der Tour klar. Becher erzählt von den Eigenheiten Wuppertals, und trotzdem wird zwischen den Zeilen deutlich, wie sehr ihm die Stadt am Herzen liegt.
Die Tour nimmt Wuppertal aufs Korn, ohne es schlechtzureden. Und so bleibt am Ende nicht das Bild einer kaputten Stadt - sondern einer, über die man sich vielleicht gerade deshalb so gern aufregt, weil sie den Menschen wichtig ist.
Unsere Quellen:
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, "Mit dem Mopperkopp durch Elberfeld", 23.06.2026, 18:55 Uhr