Lebenslange Haft für 25-Jährigen wegen Mordes
03:23 Min.. Verfügbar bis 07.05.2028.
Mord, versuchter Mord, verbotenes Kfz-Rennen. Daher: Lebenslange Haft. So das Urteil der Richter um die tödliche Fahrt.
Unter den Angehörigen der Opfer ist darauf verhaltener Jubel im Landgericht Wuppertal zu hören. Der Verurteilte schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, blickt kurz zu seinen Angehörigen auf den Besucherplätzen hinüber und atmet schwer durch.
"Es kam ihm nur auf den billigen Show-Effekt an"
In der Nacht auf den ersten Mai 2025 hatte er beim Driften und "Posen" mit seinem Auto die 19-jährige Hanna getötet und deren Freundin Noelle schwer verletzt, als das Auto bei Vollgas ausbrach.
Der entscheidende Punkt für das Urteil: Der Fuß blieb auf dem Gas stehen, so die Kammer. In dem Moment schaut der Angeklagte interessiert zum Richter. Dieser spricht ihn direkt an: "Warum meinten Sie, diese Situation beherrschen zu können? Da haben wir nichts gehört. Ich hätte es mir gewünscht."
Das Urteil sei "sehr, sehr hart. Aber bei bedingtem Vorsatz gibt es keine Möglichkeit, zu differenzieren." Man hat den Eindruck, das Gericht wollte dieses Urteil nicht sprechen, sah sich aber gezwungen.
WDR‑Reporter Benny Degen zum Urteil und den Reaktionen
00:51 Min.. Verfügbar bis 07.05.2028.
Richter: "Leben nicht nur der Angehörigen, sondern auch der Familie des Verurteilten getroffen"
"Etwa 3,5 Sekunden haben das Leben zahlreicher Menschen für immer verändert", leitet der vorsitzende Richter die Urteilsbegründung ein. Die Angehörigen und auch die bei dem Unfall schwerverletzte Noelle hätten die Folgen eindrücklich geschildert, dem sei nichts hinzuzufügen. Er bedankt sich bei der Nebenklage, die sehr eindrücklich ihre Erfahrungen geschildert und den Angeklagten selbst angesprochen habe, ohne ihn dabei aber menschlich zu verdammen.
Nach dem Unfall war die Trauer um Hanna groß
Darüber hinaus sei auch die Familie des Verurteilten durch dessen Taten hart getroffen. Auch an ihm selbst sei die Situation nicht spurlos vorbeigegangen, da er den Tod von Hanna nicht gewollt hatte. In ruhiger Stimmlage erklärt der Richter, dass das Gericht mit diesem Urteil in gewisser Weise Neuland beim Thema Mord betrete.
Großer Unterschied zu sonstigen Mordfällen
"Bei anderen Mordfällen eint die Taten das Motiv, töten zu wollen. Das ist der große Unterschied zu diesem Fall." Auch sei es schwer, die Grenze zu ziehen, ab welchem Punkt der Teilnahme am Straßenverkehr eigentlich Vorsatz vorliegen könne.
„Und dann trifft er die fatale Entscheidung, es nochmal richtig krachen zu lassen“
Angeklagter und Verteidiger beraten sich bei Prozess
Zur Begründung schildert er erneut, wie der Verurteilte absichtlich den Fahrmodus des Autos vor der Fahrt verändert und die Fahrhilfen ausgeschaltet hat. Er sei über Jahre "einfach risikoaffin" im Straßenverkehr gewesen. "Einer, der es eben riskiert, in einem zwei Tonnen schweren Boliden - ihm selbst wird sicher nichts passieren."
Das Driften in der entscheidenden fatalen Situation, das zum Tod von Hanna und den Verletzungen von Noelle führte, vergleicht der Richter mit dem Herausbeschleunigen von Formel-1-Wagen aus der Box. "Er musste mit Fußgängern rechnen, aber gibt über mehr als drei Sekunden Vollgas - eine schwer gefährliche Handlung, die man nicht beherrschen kann." Auch die Aussage, die beiden Mädchen nicht gesehen zu haben, hält das Gericht für nicht haltbar. Angehörigen des Angeklagten entfährt in diesem Moment ein leiser Fluch.
Neben der lebenslangen Haft darf der Verurteilte nun für fünf Jahre keinen Führerschein haben. Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Sperre gefordert, doch das Gericht ist der Ansicht, dass es durchaus noch ein Umdenken geben könne. Er muss außerdem die Kosten des Prozesses und die Auslagen der Nebenklage tragen. Das Urteil ist nicht rechtskräfitg. Die Verteidiger des Verurteilten haben nach Urteilsverkündung im Gespräch mit dem WDR angekündigt, Rechtsmittel einlegen zu wollen.
Remscheids OB Wolf: Hanna wird unvergessen bleiben
Verteidiger Boris Krösing sagte: "Wir haben noch nie ein widersprüchlicheres Urteil erlebt, das weitgehend auf Thesen und Vermutungen gründete. Wir sind zuversichtlich, dass der Bundesgerichtshof das Urteil kippen wird und wir uns hier in einem Jahr wiedersehen."
Ein Freund von Hannas Familie sagte nach dem Urteil, dieses bringe Hanna natürlich nicht zurück. Aber es sei möglicherweise wichtig für folgende Fälle. Ähnlich äußerte sich auch Remscheids Oberbürgermeister Sven Wolf (SPD). Er versprach, die Stadt werde weiterhin alles unternehmen, um solche Tragödien in Zukunft zu verhinden und sagte: "Hanna wird in unserer Mitte und in unserer Stadt unvergessen bleiben."
Unsere Quellen:
- Urteilsbegründung der Richter am Landgericht Wuppertal
- Eindrücke der WDR Reporter bei der Urteilsverkündung
Sendung: WDR2 Bergisches Land, Lokalzeit, 07.05.2026, 13:31 Uhr
