500 PS, zwei tote Jugendliche
Aktuelle Stunde . 11.08.2025. 29:34 Min.. UT. Verfügbar bis 11.08.2027. WDR. Von Martina Koch.
Tödlicher Unfall in Monheim: Brauchen Fahranfänger eine PS-Grenze?
Stand:
Bei einem schweren Verkehrsunfall in Monheim sind zwei Jugendliche im Alter von 15 und ein 17 Jahren gestorben. Könnte man solche Unfälle durch eine PS-Grenze für Fahranfänger verhindern?
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Jetzt mitdiskutieren500 PS hatte der BMW, mit dem der 18-jährige Fahrer in der Nacht von Samstag auf Sonntag an der Stadtgrenze zwischen Düsseldorf und Monheim von der Landstraße abkam. Laut Polizei prallte das Auto gegen einen Baum und wurde dann gegen einen weiteren geschleudert.
Zwei Jugendliche sterben bei schwerem Verkehrsunfall
Das beschädigte Fahrzeug kam auf der Straße zum Stillstand. Das automatische E-Call-System des Autos hatte den Verkehrsunfall gemeldet. Ersthelfer versorgten die fünf Insassen und alarmierten die Rettungskräfte.
Trotz schneller medizinischer Hilfe starben laut Polizei eine 17-jährige Mitfahrerin sowie ein 15-jähriger Mitfahrer noch am Unfallort. Die drei weiteren Insassen wurden schwer verletzt in umliegende Krankenhäuser gebracht. Auch ein Rettungshubschrauber wurde eingesetzt.
Immer wieder Unfälle mit hohen PS-Zahlen
Solche Unfälle kommen immer wieder vor: Auch in der Nacht zum 1. Mai starb eine 19-Jährige, weil sie zusammen mit einer 17-Jährigen von einem betrunkenen Autofahrer angefahren wurde. Der 24-jährigen Fahrer soll sich nach einer Feier alkoholisiert in seinen 640-PS starken Sportwagen gesetzt haben. Er fuhr in die zwei jungen Frauen - womöglich mit erhöhter Geschwindigkeit.
Ende Juni verlor ein 19-Jähriger in Solingen die Kontrolle über seinen 400-PS-Audi, kam von der Fahrbahn ab, überschlug sich und landete schließlich mit seinem Auto im Vorgarten eines Einfamilienhauses. Der Fahrer wurde nur leicht verletzt, ein 17-jähriger Beifahrer musste aber mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden.
Eine Woche später, im Juli, prallte ebenfalls ein 19-Jähriger in Solingen mit seinem 340-PS starken Auto in den Gegenverkehr. Glücklicherweise wurden die Beteiligten nur leicht verletzt.
Bislang keine PS-Grenze für Fahranfänger
Angesichts solcher Meldungen stellt sich die Frage, warum das Straßenverkehrsrecht selbst absoluten Fahranfängern erlaubt, einen übermotorisierten Sportwagen zu steuern - obwohl gerade 18- bis 24-Jährige nach einer ADAC-Studie überdurchschnittlich viele Unfälle verursachen.
Warum also keine PS-Grenze für Fahranfänger? Auch wenn ein solches Gesetz wahrscheinlich recht populär wäre - aus Sicht der Versicherungswirtschaft ginge ein Verbot zu weit. "Man kann nicht vom Fahrzeug auf die Fahrweise schließen", sagte Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung beim Gesamtverband der Versicherer bereits Anfang Mai im Gespräch mit dem WDR.
Ein Verbot könne dazu führen, dass völlig unbescholtenen jungen Fahrern nicht mehr erlaubt wäre, das einzige Familienauto zu benutzen.
Fahrlehrer aus Langenfeld hält PS-Grenze für sinnvoll
Fahrlehrer Murat Dengiz von der Fahrschule "Fahrwerk One" aus Langenfeld, woher auch die fünf Insassen vom schweren Unfall bei Monheim kommen, sieht das ganz anders. "Die Schüler sollten erst einige Jahre Erfahrung sammeln, bevor sie so ein PS-starkes Auto betreten." Ganz ähnlich sei es ja auch bei der Promillegrenze. "In den ersten zwei Jahren dürfen die Schüler ja auch keinen Schluck Alkohol trinken."
Fahrlehrer Murat Dengiz aus Langenfeld
Laut Murat Dengiz sollte man daher nicht nur versicherungstechnisch, sondern auch vom Gesetzgeber eine Regelung einführen, damit Fahranfänger solche hochmotorisierten Autos nicht fahren können - und das schon ab 250 PS. Alles darüber sei schon "too much", sagt Dengiz. "Das muss nicht sein."
Bislang hält die Politik eine PS-Grenze für Jugendliche aber nicht für nötig, wie NRW-Innenminister Herbert Reul Anfang Mai im Gespräch mit dem WDR klarstellte: "Es geht doch nicht um alle, sondern um ein paar wenige, die sich nicht benehmen können, die die falsche Einstellung haben, die durchdrehen und kein Verantwortungsbewusstsein haben".
Unfallforscherin: Mehr Kontrollen könnten helfen
Sinnvoller wären daher Verbote, die gezielt junge Menschen betreffen, "die geneigt sind, Rennen zu fahren und über PS-starke Autos ihren Selbstwert beziehen", argumentierte auch Zeidler Anfang Mai. "Wir wissen, dass diese Personengruppe auch gerne solche Fahrzeuge mietet." Es gebe zwar einige große Mietwagenfirmen, die keine extrem starken Sportwagen an Fahranfänger verleihen. Aber bei anderen Unternehmen sei dies ohne Probleme möglich. "Das stellen wir stark infrage."
Einen einfachen und schnellen Weg, die Zahl der Raserunfälle zu reduzieren, gebe es nicht, betonte Zeidler im Mai. "Ein höherer Kontrolldruck für die junge Raserszene könnte aber einiges bewirken."
Wer beim Rasen oder bei einem Straßenrennen erwischt werde und mit einer empfindlichen Strafe konfrontiert sei, bei dem setze hoffentlich ein Umdenken ein. "Wir setzen uns zum Beispiel dafür ein, dass ein Fahrzeug viel schneller beschlagnahmt werden kann. Ein Auto zu verlieren oder abzahlen zu müssen, dürfte wehtun."
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- Feuerwehr Düsseldorf
- Polizei Kreis Mettmann
- WDR-Gespräch mit Fahrlehrer Murat (11.08.25)
- WDR-Gespräch mit Kirstin Zeidler (Anfang Mai)
- WDR-Gespräch mit Herbert Reul (Anfang Mai)
Hinweis der Redaktion vom 11. August 2025, 17 Uhr:
Über dieses Thema haben wir bereits im Mai nach einem tödlichen Raserunfall berichtet. Viele Kommentare sind daher aus dieser Zeit. Wir haben den Beitrag wegen eines erneuten schweren Unfalls jetzt aktualisiert.
232 Kommentare
Kommentar 232: Torsten Krüger schreibt am 12.08.2025, 20:37 Uhr :
Ein erster Schritt wäre, dass solche Fahrzeuge nicht mehr an Jugendliche vermietet werden. Der Gier der Vermieter muss unterbunden werden. Bei Motorrädern hat sich eine Limitierung der Leistung für junge Fahranfänger seit Jahrzehnten bewährt. Warum nicht auch für Autos?
Kommentar 231: Brigitta S. schreibt am 12.08.2025, 17:03 Uhr :
Freie Fahrt für freie Bürger", dass Motto gilt noch immer in Deutschland? Obwohl in Europa auf vielen Autobahnen und Bundesstraßen Geschwindigkeitsbegrenzung besteht. Den Adrenalin- Kitzel leben auch Urlaubs- Touristen vom Ausland auf deutschen Boden aus, bei ihnen zuhause ist es verboten. In Deutschland gibt es kein generelles Tempolimit, davon profitiert auch die Jugend ab 18 Jahren. Ich kann mir vorstellen, dass zum Rasen extra Autos mit viel PS - Stärke angemietet oder geleast werden um den Kick der hohen Geschwindigkeit zu erleben. Ein Tempolimit wird in Deutschland oft diskutiert, die Politik stellt ihre Ohren dazu aber taub. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, wann unsere Straßen nicht mehr den heutigen PS starken Autos standhalten. In der Breite, die alten engen Kurven und der Massenverkehr, der auch bei E-Autos nicht kleiner sein wird. Wer als Anfänger ein Autorennen macht, dem sollte der Führerschein für lange Zeit genommen werden und sollte besser die ÖPNV benutzen.
Kommentar 230: Dennis schreibt am 12.08.2025, 16:48 Uhr :
Beim Motorrad gibt es doch auch diese PS-Grenze... Führerscheinklasse A2 ab 18 A dann er ab 21, bzw ab 24 wenn man sie direkt machen möchte! Warum sollte das beim Auto nicht so sein?
Antwort von Brigitta S. , geschrieben am 12.08.2025, 17:40 Uhr :
Bin selbst Motorrad gefahren, aber mit Geschwindigkeitsvorschrift. Ich habe es verkauft, weil mir die Auto- Raser auf den Straßen zu gefährlich wurden. Mein Leben war mir wichtiger, als mich von einem Auto- Spinner auf Straßen zum Opfer zu machen. Es kann immer was passieren, aber hirnlose Auto- Fahranfänger kennen kein Limit und das noch mit Erlaubnis der Politik. Die Demokratie der Freiheit kann für viele tödlich werden, wen man sie nicht nach einen Gesetz begrenzt.
Kommentar 229: Dietmar schreibt am 12.08.2025, 15:48 Uhr :
Nur ältere oder reifere Menschen, die den PS Wahnsinn und die kranke Entwicklung bei vielen oder fast allen Herstellern zurückverfolgen können , haben vielleicht noch die Beurteilungsfähigkeit wofür ein Auto eigentlich da ist. Normalerweise will man doch von A nach B, zur Arbeit, in den Urlaub usw. Mit dem Auto. Dafür reichen doch auch 100 PS. Dafür brauche ich doch auch nicht die bei immer mehr Fahrzeugen eingebauten Auspuffgeräusche mit dem Knall wenn man vom Gas geht. Alles sehr krankhafte Entwicklungen. Von Umweltschutz oder Verbrauch reden die sportlich bis rücksichtslos fahrenden Typen ja nun auch nicht. Tägliches Spektakel z.B. auf der Kö in Düsseldorf zur Freude der Restaurantgäste an der Flaniermeile. Lärmgrenzen für die Auspuffknallerei gibt es ja auch nicht wirklich. Eine PS Grenze stelle ich mir leider sehr schwierig vor. Auch mit einem 100 PS Golf können sich junge Fahrer ohne entsprechende Schulung und Verkehrserziehung mit dem Autos aus der Kurve katapultieren.
Kommentar 228: D. Steinhaus schreibt am 12.08.2025, 15:45 Uhr :
Nur ältere oder reifere Menschen, die den PS Wahnsinn und die kranke Entwicklung bei vielen oder fast allen Herstellern zurückverfolgen können , haben vielleicht noch die Beurteilungsfähigkeit wofür ein Auto eigentlich da ist. Normalerweise will man doch von A nach B, zur Arbeit, in den Urlaub usw. Mit dem Auto. Dafür reichen doch auch 100 PS. Dafür brauche ich doch auch nicht die bei immer mehr Fahrzeugen eingebauten Auspuffgeräusche mit dem Knall wenn man vom Gas geht. Alles sehr krankhafte Entwicklungen. Von Umweltschutz oder Verbrauch reden die sportlich bis rücksichtslos fahrenden Typen ja nun auch nicht. Tägliches Spektakel z.B. auf der Kö in Düsseldorf zur Freude der Restaurantgäste an der Flaniermeile. Lärmgrenzen für die Auspuffknallerei gibt es ja auch nicht wirklich. Eine PS Grenze stelle ich mir leider sehr schwierig vor. Auch mit einem 100 PS Golf können sich junge Fahrer ohne entsprechende Schulung und Verkehrserziehung mit dem Autos aus der Kurve katapultieren.
Kommentar 227: Klaus schreibt am 12.08.2025, 15:27 Uhr :
Ich wohne in Monheim-Baumberg und kenne daher die Straße durch die Aue. Die Straße ist nicht das Problem ab dem Ortsausgang gilt lt Beschilderung 70km kurz nach der Unfallstelle sogar nur 50km. Die Straße ist jetzt auch nicht schmal, wenn man aber rasen tut passt es irgendwann nicht mehr. Bin an dem Abend des Unfalls kurz vorher von Unterbach kommend nach Hause gefahren ohne Probleme, habe mich aber an die angegebene Geschwindigkeit gehalten. Viele Raser brettern durch die Aue, schon im Ort wird gerast das kann man deutlich hören als Anwohner. Vielleicht kontrolliert die Polizei jetzt Nachts mal öfter, es wäre ratsam.
Antwort von Onkel Otto , geschrieben am 12.08.2025, 16:30 Uhr :
Kann ich nur bestätigen. Fahre dort oft entlang, werde dabei auch bedrängt oder überholt
Kommentar 226: Chris schreibt am 12.08.2025, 13:55 Uhr :
Ich finde es nur gut wenn Fahranfänger im PKW eine Ps Grenze bekommen. Im Bereich Motorrad funktioniert es auch sehr gut. Klar was nach der Probezeit ist kann niemand sagen. Aber für Personen die illegale Straßenrennen austragen egal ob Motorrad oder PKW sollten härter bestraft werden. Solche PS starken Fahrzeuge sind in unkundiger Hand eine Tötliche Waffe. Und leider sind zu oft unbeteiligte betroffen.
Kommentar 225: Ole schreibt am 12.08.2025, 13:48 Uhr :
Im Prinzip wäre eine PS Obergrenze ganz ok. Vorab wäre aber generell eine eigene Selbsteinschätzung nötig und nicht das generelle Denken man wäre allmächtig. Im Falle eines Unfalles trifft es sehr häufig Unbeteiligte und bei den Verursachern lässt man Milde walten. Für mich sind solche Fehlverhalten Mordanschläge und so sollten sie auch bestraft werden. Wer mit "WAFFEN", und das sind diese Fahrzeuge, umgeht muss auch mit den Folgen leben müssen! Generell sollte man das Strafrecht ausnutzen, der Führerschein berechtigt zum führen eines Fahrzeugs. Wer nicht dazu in der Lage ist sollte auch keinen bekommen. Es sollte auch jedem klar sein, dass man nicht erst Drogen nimmt und hinterher jammert das man den Schein wegen das Jobs braucht. Dann halt Pech gehabt!
Kommentar 224: Carsten schreibt am 12.08.2025, 13:21 Uhr :
Bei Motorrädern gibt's auch eine PS Limitierung für Fahranfängern, warum nicht bei Autos? Vielleicht würden auch deutlich höhere Strafen bei schweren Verkehrsvergehen für Fahranfängern helfen. Der Kern muss aber bleiben, daß Fahranfänger für korrektes Fahren schon in der Ausbildung sensibilisiert werden. Dazu können ebenso verpflichtende Verkehrssicherheitstrainings gehören, wie Nachprüfungen zum Ende einer Probezeit in der sich ein Prüfer einen Überblick über eine Sorglosigkeit des Prüflings machen kann.
Kommentar 223: Brianna Harer schreibt am 12.08.2025, 13:21 Uhr :
Wie kommt ein 18 Jähriger an ein Auto mit 500 PS?
Antwort von Onkel Otto , geschrieben am 12.08.2025, 16:27 Uhr :
Wahrscheinlich vom Papa ausgeliehen
Kommentar 222: Pina schreibt am 12.08.2025, 12:44 Uhr :
Ab 65 müssen Autofahrer mehr Versicherung zahlen....wenn ich sehe was sich alleine in der letzten Woche an Unfällen mit jungen Fahrern getan hat....Frage ich mich echt ob wir für diese Verrückten RASER zahlen???? Bitte kein Auto unter 70 PS für Fahranfänger. Tut auch der Umwelt gut 👍