Drei Schülerinnen stehen vor einer Baustelle mit vielen Containern

Ein Jahr nach Schulbrand in Erkrath "Der Sommer ist der große Lichtblick!"

Stand:

Mehr als tausend Schülerinnen und Schüler müssen seit dem Großbrand nach Düsseldorf pendeln. Das Ersatz-Schuldorf ist fast fertig.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit fast einem Jahr müssen mehr als tausend Schülerinnen und Schüler von Erkrath nach Düsseldorf mit dem Bus pendeln.
  • Auch dank vieler Spenden konnte die Schulgemeinschaft das vergangene Jahr trotz viel Stress gut meistern.
  • Der Bau des künftigen Container-Schuldorfs in Erkrath ist weit vorangekommen. Allerdings fehlt noch die finale Genehmigung des Bauministeriums.
  • Schüler und Eltern freuen sich nach der langen Pendelzeit auf die Rückkehr nach Erkrath nach den Sommerferien.

Es war ein Schock für die ganze Stadt - vor einem Jahr stand das Schulzentrum in Erkrath-Hochdahl in Flammen. Eine Realschule und ein Gymnasium wurden durch das Feuer größtenteils zerstört.

Für alle Beteiligten begann eine belastende Zeit: Einen neuen Schulalltag organisieren, täglich pendeln in eine Ausweichschule nach Düsseldorf-Benrath, die die Stadt in kürzester Zeit bereitgestellt hatte.

Schülerinnen bedrückt über Brandruine

Ein Jahr später steht die Brandruine des Hochdahler Gymnasiums immer noch, überall sind angekokelte Fassaden, abgebröckelter Putz und Absperrgitter zu sehen. Die Abrissbagger sollen erst in einigen Wochen anrücken, wenn das Innere der Gebäude von Schadstoffen befreit ist.

Zwei Mädchen mit langen Haaren vor einem abgebrannten Schulgebäude

Charlotte Uecker und Marlena Steinhoff (r.) vermissen ihre alte Schule

Bis zum Brand waren die Gebäude die Schule von Marlena Steinhoff und Charlotte Uecker. Die beiden 13-Jährigen bedrückt der Anblick ihrer alten Schule: "Es ist schon traurig, wir hatten hier viele schöne Erlebnisse, es sieht gar nicht mehr nach unserer alten Schule aus", sagt Marlena.

Tägliches Pendeln ist Dauerbelastung

Ein Schild Ersatzhaltestelle und Schüler, die im Hintergrund über eine Brücke laufen

Die Erkrather Schüler müssen täglich rund eine Stunde mit dem Bus pendeln

Seit fast einem Jahr müssen die beiden jeden Tag pendeln, insgesamt rund eine Stunde mit dem Bus bis nach Düsseldorf-Benrath und zurück. "Das läuft nicht wirklich gut, es ist eng, wird viel gedrängelt, manche haben sich dabei auch schon verletzt", erzählt Marlena.

"Es ist eng, es wird viel gedrängelt, manche haben sich auch schon verletzt dabei."
Marlena Steinhoff, Schülerin

Durch die Pendelei können außerdem kein Ganztagsunterricht und vor allem keine AGs mehr stattfinden, das frustriert viele Schüler und auch Eltern bis heute.

Schulleiter froh über große Hilfsbereitschaft

Ein mittelalter Mann mit angegrauten Haaren in einem Büro vor seinem Schreibtisch

Realschulleiter Uwe Heidelberg ist dankbar für die viele Unterstützung

Für Uwe Heidelberg, den Leiter der Realschule, und sein Kollegium, war es ein stressiges Jahr. Den Übergangs-Schulalltag, gleichzeitig den künftigen im Schuldorf vorbereiten, und den angedachten Schulneubau der Stadt mitplanen. "Krise können wir", sagt er nicht ohne Stolz mit Blick auf das, was die Schulgemeinschaft gestemmt hat.

Heidelberg ist auch vor allem auch dankbar über die unzähligen Spenden, die die Schulen in der Anfangszeit erreicht. Von Firmen über Benefizkonzerte bis zu Spendenläufen anderer Schulen seien so mehr als 150.000 Eurozusammen gekommen, "die viele Dinge ermöglicht hätten", berichtet der Schulleiter. Er freut sich auf das Container-Schuldorf: "Die Räume werden größer sein, das ist ein Upgrade."

Bauarbeiten für Schuldorf in vollem Gange

Eine große Containerformation mit Fenstern von oben

Das Bau des künftigen Container-Schuldorfs ist weit vorangekommen

Unterdessen laufen auf dem Sportplatz des Erkrather Schulzentrums seit Januar die Arbeiten am Container-Schuldorf, in das die Schülerinnen und Schüler ab dem kommenden Schuljahr unterrichtet werden sollen. Moderne Toiletten, größere Klassenräume, derzeit läuft vor allem der Innenausbau, bis zu 100 Mitarbeiter sind aktuell am Bau beschäftigt, sagt einer der Bauleiter vor Ort.

"Ich bin positiv überrascht, wie weit alles schon ist. Die Container unterscheiden sich in der Qualität eigentlich kaum von einem Festbau", freut sich Erkraths Bürgermeister Christoph Schultz (CDU) während einer Stippvisite auf der Baustelle. 13,6 Millionen Euro kosten der Aufbau und die geplante dreijährige Mietzeit die Stadt.

Verhindert erneut eine fehlende Genehmigung die Rückkehr?

Obwohl die Arbeiten seit Monaten laufen, fehlt bis jetzt die finale Genehmigung für das Schuldorf durch das NRW-Bauministerium. Alle Unterlagen lägen längst vor, heißt es von der Stadt. Dem widerspricht das Ministerium. Die entscheidenden Unterlagen seien erst Ende April eingereicht worden, teilt es auf WDR-Anfrage mit. Die würden derzeit mit der "gebotenen Priorität" geprüft.

Ein Knackpunkt: Ausgerechnet der Brandschutz. Auch die Standsicherheit der Container im Fall eines Feuers sei noch nicht nachgewiesen worden, heißt es weiter. Das weckt bei manchen Eltern böse Erinnerungen: Denn eigentlich sollten die Schüler bereits zum Halbjahr nach Erkrath zurückkehren. Das scheiterte jedoch an einer fehlenden Baugenehmigung für bereits genutzte Container aus Bayern.

Ein Frau mit großer schwarzer Brille und schwarzem Oberteil war dem Schultor zur Brandruine der Schule

Patrizia Klopotek von der Schulpflegschaft hofft auf die geplante Rückkehr im Sommer

"Das war schon ein Tiefpunkt, als das im Herbst klar war", erklärt Patrizia Klopotek, Vorsitzende der Schulpflegschaft des Gymnasiums. "Wir machen uns schon Sorgen, dass das Schuldorf zwar fertig ist, aber die Schüler wegen irgendwelcher bürokratischer Hürden nicht einziehen können." Die Hoffnung auf die Rückkehr nach den Sommerferien ist bei ihr aber weiter groß: "Nach dem Jahr ist der Sommer jetzt der ganz große Lichtblick, das Schuldorf sieht schon toll aus."

Schüler freuen sich auf Rückkehr

Der Anblick des Containerdorfes überzeugt Marlena Steinhoff und Charlotte Uecker bisher noch nicht wirklich. Sie freuen sich trotzdem, bald wieder zurückzukommen. "Da bin ich schon froh drüber, dann haben wir auch wieder AGs und auch eine Mittagspause. Das lange Buspendeln ist halt nicht wirklich schön", sagt Charlotte. Das soll im Sommer ein Ende haben.

"Der Sommer ist der große Lichtblick!"

WDR Studios NRW 00:43 Min. Verfügbar bis 12.05.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit den Schülerinnen Marlena Steinhoff und Charlotte Uecker
  • WDR-Interview mit Uwe Heidelberg, Leiter Realschule Hochdahl
  • WDR-Interview mit Patrizia Klopotek, Schulpflegschaft Gymnasium Hochdahl
  • WDR-Interview mit Christoph Schultz, Bürgermeister Erkrath
  • Stadt Erkrath
  • NRW-Bauministerium
  • Beobachtungen des Reporters vor Ort

Sendung: WDR.de, Der Sommer ist der große Lichtblick, 13.05.2026, 5.03 Uhr

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