Bayer 04 Trainingscampus in Monheim: Rat stoppt Baupläne vorerst
00:28 Min.. Verfügbar bis 06.11.2027.
Die Pläne waren groß: zwölf Fußballfelder, mehrere Funktionsgebäude und ein Parkhaus. Fußball-Bundesligist Bayer 04 Leverkusen wollte in Monheim ein Trainings- und Nachwuchszentrum bauen - es sollte eines der modernsten Fußball-Leistungszentren Europas werden.
Dagegen hatten die Parteien CDU, SPD, FDP und Grüne einen gemeinsamen Antrag gestellt. Bei der Sitzung des Stadtrats am Mittwoch war die Mehrheit der Mitglieder in einer geheimen Abstimmung für den Antrag - und damit dafür, den bereits gefassten Beschluss zur Einleitung des Bauleitverfahrens wieder aufzuheben. Nach rund zwei Stunden Diskussion stimmten 24 Ratsmitglieder dafür, 19 dagegen und 4 enthielten sich.
Verein findet Entscheidung "nicht nachvollziehbar"
Auf WDR-Nachfrage heißt es von Bayer Leverkusen, die Entscheidung des Stadtrats wäre "nicht nachvollziehbar". Insbesondere, da der Verein bereits vor der Stadtratssitzung eine "grundlegend überarbeitete Planung" angekündigt hatte.
Weiter heißt es in dem Statement: Man respektiere die Entscheidung der Politik und wolle eine "gemeinsame Lösung für den Bayer 04 Campus" finden.
Kein generelles Nein zum Standort - Leverkusen muss nachbessern
CDU-Fraktionsvorsitzender Markus Gronauer betonte in der Ratssitzung, man wolle keine Türe schließen und "die Hände zum Gespräch reichen." Martin Brand, Generalsekretär der FDP, äußerte sich ähnlich: "Die FDP ist kompromissbereit." Auch Dr. Sabine Lorenz von den Grünen setzt auf einen Dialog auf Augenhöhe und gibt sich gesprächsbereit. "Aber wir erwarten eben auch, dass Bayer 04 Leverkusen gesprächsbereit sind."
Diese Gesprächsbereitschaft hatte der Verein bereits im Vorfeld der Ratssitzung signalisiert. Am 12. November werden alle Ratsfraktionen Gespräche mit Bayer Leverkusen führen. Der Trainingscampus in Monheim könnte also doch noch realisiert werden.
Kritik von mehreren Seiten an bisherigen Plänen
Der bisherige Monheimer Bürgermeister Daniel Zimmermann war für das Großprojekt. Nach der Kommunalwahl haben sich die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat aber geändert - der Weg zum geplanten Bayer-Campus ist dadurch erschwert.
Markus Gronauer, Fraktionsvorsitzender der CDU in Monheim sieht die Pläne kritisch
Die CDU in Monheim hatte sich vor der Ratssitzung kritisch zu den Plänen des Fußballvereins geäußert. Fraktionsvorsitzender Gronauer fände einen anderen Standort angebracht: "Die allerbeste Lösung wäre für Bayer 04 ein Sportcampus in Leverkusen, denn es heißt ja Bayer 04 Leverkusen. Sollte es in Monheim sein, muss es eine Lösung sein, mit der alle leben können und mit der unser Grünzug erhalten bleibt".
Unzufrieden sind auch einige Anwohner. Sie machen sich unter anderem Sorgen wegen der Lautstärke sowie der Flutlichtanlagen und wollen Naturflächen schützen.
Verein will an Standort festhalten
Lageplan des geplanten Trainingsgeländes in Monheim
Bayer 04 Leverkusen hatte im Vorfeld in einem Statement bekanntgegeben, dass ein Scheitern der Pläne für den Verein "enttäuschend und überraschend" wäre, so Simon Rolfes, Geschäftsführer Sport am Dienstag vor der Ratssitzung. Am Standort möchte der Fußballbundesligist aber festhalten, eine Alternative gebe es nicht: "Wir bleiben dran an diesem Standort. Wir haben keinen Plan B", bekräftigte Rolfes.
Die CDU sah das anders und appellierte an den Verein: "Da muss man schauen wie man die Trainingsflächen optimal ansiedelt und das kann eben auch im Osten oder im Süden des Pflanzenschutzzentrums und nicht im Grünzug sein. Das ist dem Sport eigentlich egal", so Gronauer. So könnte der Campus in Monheim gebaut werden, aber an einem anderen Standort, als die bisherigen Pläne vorsehen.
Unsere Quellen:
- Interview mit Markus Gronauer, CDU Monheim
- Bayer 04 Leverkusen
- Stadtratssitzung Monheim am 05. November