Wie einsatzbereit wären Aachens Bunker?

03:20 Min. Verfügbar bis 18.07.2028

Schutz im Kriegsfall Wie zeitgemäß sind Bunker in Aachen heute?

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Seit Beginn des Ukrainekrieges wissen die Kommunen, dass sie mehr für den Zivilschutz tun müssen. Wie gut ist Aachen vorbereitet?

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Ingo Wagner

In Aachen gibt es eine ganze Reihe von Bunkern aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Allein im Bunker im Salvatorberg an der Ludwigsallee konnten damals in den Bombennächten bis zu 2.000 Menschen Schutz finden. Auch im Kalten Krieg hätte dieser Bunker noch genutzt werden können. Aber heute ist er völlig verfallen und einsturzgefährdet.

Noch keine Schutzräume

Ähnlich sieht es mit vielen Bunkeranlagen aus dieser Zeit aus. Und andere Schutzräume - zum Beispiel für den Verteidigungsfall - gibt es noch nicht. Deswegen antwortet Aachens Oberbürgermeister Michael Ziemons auch klar und eindeutig auf die Frage, ob Aachen ausreichend gut für den Kriegs- und Katastrophenfall aufgestellt ist:

Nein, wir sind aktuell nicht ausreichend gut gerüstet, das muss man ganz klar sagen. Michael Ziemons, Oberbürgermeister von Aachen

Das sei aber auch verständlich, sagt der Oberbürgermeister. Denn es sei schließlich über viele Jahre hinweg auch gar kein Thema gewesen. Jetzt will das Stadtoberhaupt das aber beschleunigt angehen.

Zivilschutz neu denken

Aber wie? Etwa, indem man die alten und heruntergekommenen Bunker in Aachen wieder neu ertüchtigt? Davon hält zum Beispiel Philipp Allwißner, Leiter der Stabsstelle Sicherheit und strategische Gefahrenabwehr der Stadt, nicht viel.

Heruntergekommene Außenfassade des Bunkers

Außenfassade des Bunkers in der Casinostraße in Aachen

Denn viele Bunker sind in einem so schlechten Zustand, dass es Millionen von Euro verschlingen und viele Jahre dauern würde, sie wieder einsatzfähig zu machen. Schutzräume werden aber so bald wie möglich gebraucht, damit sie im Ernstfall zur Verfügung stehen. Und die klassischen Bunker sind aus Sicht des Experten auch nicht mehr unbedingt zeitgemäß.

Der Konflikt in der Ukraine zeigt, dass die Menschen sich in vielen Situationen in U-Bahnhöfe oder Tiefgaragen flüchten. Das bietet Schutz vor Splittern und Munition. Philipp Allwißner, Stadt Aachen

Nur wenige Bunker geeignet

Einige etwas weniger heruntergekommene Bunker können vielleicht wieder in Betrieb genommen werden. Aber nach dem Beispiel der Ukraine denkt man eher daran, zum Beispiel Straßenunterführungen, von denen es in Aachen viele gibt, zu nutzen. Sie könnten als Schutzräume viel schneller ertüchtigt werden als die alten Bunker, bei denen das Jahre dauern würde.

Aber damit, neue Schutzräume zu identifizieren und sie entsprechend vorzubereiten, kann die Stadt nicht einfach anfangen. "Zivilschutz ist Sache des Bundes. Und da werden Vorgaben formuliert", erklärt Philipp Allwißner.

Portrait von Philipp Allwißner und Boris Merz nebeneinander

Philipp Allwißner und Boris Merz untersuchen Aachens alte Bunker auf ihre Einsatzfähigkeit.

Stadt sind die Hände gebunden

Und so wartet die Stadt Aachen derzeit wie alle anderen Kommunen auf diese Vorgaben des Bundes, die festlegen, wie der Bevölkerungsschutz genau gestaltet werden soll und was dafür gebraucht wird.

Solche Vorgaben zu erlassen, damit hat sich die Bundesregierung viel Zeit gelassen - schließlich hat der russische Angriffskrieg in der Ukraine schon im Februar 2022 begonnen und dauert damit schon länger als der ganze Erste Weltkrieg. Immerhin soll sich in dieser Hinsicht in diesem Jahr etwas in Berlin bewegen.

Vorbereitungen an Uniklinik Aachen

Trotzdem ist man im Aachener Raum nicht untätig geblieben. Die Universitätsklinik Aachen hat schon 2018 begonnen, eine Stabsstelle für Gefahrenabwehr aufzubauen, um für den Kriegsfall vorbereitet zu sein. So wurde zum Beispiel eine so genannte Dekontaminationseinheit angeschafft. Regelmäßig üben damit Experten der Universitätsklinik zusammen mit der Bundeswehr, wie man etwa Verletzte nach der Explosion einer schmutzigen Bombe von Giftstoffen reinigt.

Portrait von Prof. Dr. Jörg Brokmann vor der Aachener Uniklinik, hinter ihm einige Mitarbeitende

Prof. Dr. Jörg Brokmann, Leiter Stabsstelle Gefahrenabwehr und Krisenvorsorge, Uniklinik Aachen

Auch zusätzliche Betten und große Mengen an Medikamenten, Verbandsmaterial und Blut vorrätig zu haben, wenn im Kriegsfall hunderte von Verletzten auf einmal angeliefert werden - das sind Szenarien, auf die sich die Universitätsklinik vorbereiten muss. Und nicht nur sie:

"Wir haben viele leistungsfähige Krankenhäuser hier in der Region. Auch die müssen sich auf diese Thematik einstellen." Prof. Dr. Jörg Brokmann, Leiter Stabsstelle Gefahrenabwehr und Krisenvorsorge Universitätsklinik Aachen

NRW setzt Experten ein

Inzwischen hat das Land Nordrhein-Westfalen eine Expertenkommission eingesetzt, die bis Ende dieses Jahres eine Checkliste für alle Krankenhäuser erarbeiten wird, in der steht, was sie für den Kriegs- und Katastrophenfall bereithalten müssen.

Während also die Krankenhäuser bald mit klaren Empfehlungen rechnen können, warten die Kommunen wie die Stadt Aachen immer noch auf Vorgaben des Bundes. Erst dann können sie daran gehen, einen wirklich wirksamen Zivilschutz für die Bevölkerung aufzubauen.

Unsere Quellen:

  • Stadt Aachen
  • Universitätsklinik Aachen

Sendung: WDR.de, Wie einsatzbereit wären Aachens Bunker?, 18.06.2026, 16:08 Uhr

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