Was bringen Dobrindts Milliarden?
WDR. 02:34 Min.. Verfügbar bis 18.05.2028.
"Mit dem Material hier können wir bis zu 250 Menschen 24 Stunden lang versorgen", erzählt Andreas Killer, Katastrophenschutzsachbearbeiter beim Deutschen Roten Kreuz Solingen. Er steht in einer Halle mit Vorräten, Fahrzeugen und Notstromaggregaten, die seine Organisation hier für den Ernstfall lagert. Drei solcher Einrichtungen gibt es in Solingen, die können insgesamt 500 Menschen versorgen. In einer Stadt mit 166.000 Einwohnern.
"Wir sind als DRK ja aber in erster Linie dafür da, Verletzte zu versorgen", erklärt Killer. Trotzdem: Die zehn Milliarden an zusätzlichem Geld, die Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bis 2029 jetzt in den Zivilschutz stecken will, sind laut Killer sehr wenig. Entsprechend hatte Hermann Gröhe (CDU), der frühere Bundesgesundheitsminister und heutige DRK-Präsident, in der Süddeutschen Zeitung Alarm geschlagen und eine bessere Ausstattung gefordert.
Notstromaggregat des DRK
DRK: Dobrindts Milliarden "sehr wenig"
Zumal niemand weiß, ob die Dobrindt-Milliarden überhaupt auch bei Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz ankommen. In Solingen unterstützt man Gröhes Warnungen: Seit dem Ende des Kalten Krieges habe der Bund die Finanzierung für Geräte, Vorräte und Fahrzeuge massiv zurückgefahren, sagt DRK-Mann Killer. Erst langsam sei bei der Bundesregierung jetzt ein Umdenken "in die richtige Richtung" zu erkennen.
Auch die Feuerwehr in Wuppertal kann von diesem langsamen Prozess berichten. So gebe es keinen einzigen Bunker mehr in der Stadt, die habe der Bund alle aufgegeben, sagt Boris Schlubeck, Abteilungsleiter Bevölkerungsschutz der Wuppertaler Feuerwehr. Erst jetzt laufe langsam die Suche nach geeigneten Gebäuden an, in denen die Bevölkerung im Katastrophenfall Schutz finden kann.
Thorsten Böth, Kreisgeschäftsführer des DRK Solingen und des DRK Wuppertal und Andreas Killer, Katastrophenschutzsachbearbeiter beim DRK Solingen
Zivilschutz fordert: Dobrindts Geld muss auch bei Hilfsorganisationen ankommen
Zu all den Problemen in Sachen Ausstattung und Finanzierung kommt noch ein weiteres Thema: Zu wenig Personal. "Der deutsche Zivil- und Katastrophenschutz wird zu 90 Prozent von Ehrenamtlichen gestemmt", sagt Thorsten Böth, Kreisgeschäftsführer des DRK Solingen und des DRK Wuppertal. Und da finden sich immer weniger Menschen, die mithelfen wollen.
Was in Solingen nach den ersten Ankündigungen des Innenministeriums bleibt, ist die Hoffnung: "Wir begrüßen den Schritt natürlich", sagt Böth, "aber wir hoffen eben auch, dass das Geld bei den Hilfsorganisationen ankommt."
Unsere Quellen:
- DRK Solingen
- Feuerwehr Wuppertal
- Gespräche des Reporters vor Ort
- Süddeutsche Zeitung
Sendung: WDR2 Bergisches Land, Lokalzeit, 18.05.2026, 14:30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 18.05.2026, 19:30 Uhr
