Halb zwei im Café Plattform der Caritas in Aachen - es gibt Gulasch mit Klößchen. Und für die, die wollen, auch ein offenes Ohr. Das Café ist Anlaufstelle für alle, die es schwer haben in unserer Gesellschaft: Bürgergeldempfänger, Wohnungslose, Suchtkranke. Aber auch Senioren kommen gerne her. Was sie gemeinsam haben? Sie alle leiden unter der aktuellen Entwicklung auf dem Aachener Wohnungsmarkt - mehr als andere.
Besorgniserregende Zahlen
In Aachen liegt die Angebotsmiete inzwischen bei 10,73 Euro pro Quadratmeter. Wohnungen unter sieben Euro pro Quadratmeter sind fast nicht mehr zu finden. Für Menschen mit niedrigem oder mittlerem Einkommen wird die Wohnungssuche zur Belastungsprobe.
Wir haben zu wenig Wohnungsbau, steigende Kosten und Zinsen - das führt zu Druck auf dem Markt. Thomas Hissel, Beigeordneter für Wohnen, Soziales und Wirtschaft
Tatsächlich wurden 2024 gerade einmal 443 neue Wohnungen in Aachen fertiggestellt. Zu wenig, da sind sich ausnahmsweise alle einig. Gleichzeitig fallen jedes Jahr über 1.000 Sozialwohnungen aus der Mietpreisbindung heraus. Ende der 1980er Jahre waren noch mehr als ein Viertel aller Wohnungen in Aachen sozial gefördert, heute sind es nur noch rund sechs Prozent.
Wenn die Miete das Leben bestimmt
WDR 5 Westblick - aktuell. 25.09.2025. 04:39 Min.. Verfügbar bis 26.09.2026. WDR 5.
Wohnungsnot hat viele Gesichter
Davon betroffen sind verschiedene Menschen. Menschen wie Mathias, Anfang 60. Wir treffen ihn im Café Plattform. Er bezieht Sozialleistungen. Vor drei Jahren verliert er seine Wohnung. Was folgt, sind drei Abnutzungskämpfe. Absagen, Scham und Frust. Nächtelang verbringt Mathias im Park. Mittlerweile hat er zwar etwas Passendes gefunden. Doch die Zeit hat ihn geprägt. Wie viele hier.
Das Problem betrifft längst nicht mehr nur die ärmsten Menschen in Aachen. Immer häufiger trifft der Mangel an bezahlbarem Wohnraum auch Menschen mit geregeltem Einkommen. Da ist die ältere Frau im Rollstuhl, die im dritten Stock ohne Aufzug festsitzt, weil es keinen barrierefreien Wohnraum gibt. Da sind Studierende, die jeden Tag stundenlang pendeln, weil sie sich die Stadt nicht leisten können. Familien mit Kindern, die auf 60 Quadratmetern leben - weil es keine größere Wohnung gibt, die bezahlbar wäre. Ein besorgniserregender Trend.
Gleichzeitig geraten Vermieterinnen und Vermieter unter Druck. Steigende Baukosten, höhere Energiepreise, neue Vorschriften. Viele fragen sich: Lohnt sich das überhaupt noch? Es wächst aber auch der Druck, mehr Wohnraum bereitzustellen.
Verantwortliche richtet den Blick nach vorn
Hoffnung setzen Politik und Verwaltung unter anderem auf die neue kommunale Wohnungsbaugesellschaft, die noch in diesem Jahr starten soll. Zusätzlich gilt seit März die Mietpreisbremse: Bei Wiedervermietungen darf die Miete höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Ob das Wirkung zeigt, bleibt abzuwarten.
Von der Bank vor dem Café Plattform aus hat man übrigens freien Blick auf eine von Aachens bekanntesten Baustellen. Das "Blue Gate" direkt neben dem Aachener Hauptbahnhof soll schon kommendes Jahr eröffnen. Neben einem Supermarkt und einem Fitnessstudio sollen hier auch Wohnungen für Studierende entstehen.
Wir wollen mit Euch ins Gespräch kommen!
Wie also weiter? Am Samstag, den 27. September lädt WDR 5 zum Stadtgespräch auf den Burtscheider Markt in Aachen ein. Unter dem Titel "Wenn die Miete das Leben bestimmt - Was hilft wirklich gegen die Wohnungsnot?" diskutieren Fachleute, Initiativen und Betroffene über Wege aus der Krise: Mietpreisbremse, kommunale Wohnungsbaugesellschaft, Nachverdichtung oder alternative Wohnprojekte. Der Eintritt ist frei.
Teilt eure Gedanken zum Thema gerne ab jetzt hier im Beitrag auf wdr.de in den Kommentaren.
WDR 5 überträgt dann die Diskussion am 27. September von 13.04 Uhr bis 14.00 Uhr live.
Wenn die Miete das Leben bestimmt - Was hilft gegen die Wohnungsnot?
WDR Studios NRW. 26.09.2025. 00:50 Min.. Verfügbar bis 26.09.2027. WDR Online.
Kommentare zum Thema
Kunst zu fördern, zu schätzen zu erhalten, ist eine Hauptpflicht vom Staat. Muss es aber sein, dass Milliarden Euro von Bund und Kommunen bezahlt werden, für ein paar Bilder die einsam in wahnsinnig großen Gebäuderäumen hängen, während Menschen verzweifelt keine (zahlbare) passende Wohnung mehr bekommen? In Krisenzeiten soll man zusammenhalten? Wie denn, wenn Bilder mehr Wohnraum bezahlt bekommen als ein Mensch? Dem Menschen werden qm Wohnfläche vorgeschrieben, wie dem Vieh bei einer Massentierhaltung im Stall. Sorry, Bilder in einer Galerie die sich nicht bewegen, erhalten zu großzügig viele teure Plätze. Bin keine Kulturbanause, aber in Zeiten der Not, könnte man etwas umdenken und sich mehr der Wohnungsnot anpassen und die Pflege der Bilderkultur Mal etwas kleiner schrauben.
Lieber ein Hotel Garni investieren beim Imobiliengeschäft, als ein Mietshaus bauen, dass dürfte schon einige mitbekommen haben. Touristen reisen an und ab, dass Einkommen ist sicherer und nicht so nervig sich mit Mieter rum zu streiten, dass sagen viele Besitzer. Ihnen kann keine Politik es verbieten. Die Kommunen, die Gemeinden freuen sich darüber, es kommt Geld in Kasse. Dieser schon lange laufende Trend bringt keine einzige normale Mietwohnung. Erst wenn das Hotel garni aus welchen Gründen auch immer Mal schließen muss, dann wird das Zimmer, kleine Teeküche und Bad saniert und für Single teuer vermietet. Eine Quellenangabe erübrigt sich darüber, weil es in ganz Deutschland so ist. Jeder will nur für sich das Beste, ob beruflich oder privat. Wenn jeder die Vorschriften einhält, der Eigentumbesitzer hat die Wahl. Wer über Enteignungen spricht wegen Wohnungsmangel, der liegt nicht bei allen Wohnhäusern pauschal gleich zu urteilen.
Die Lage könnte sich leicht entspannen lassen, wenn die Politik denn wollte. Einfache Maßnahmen wären der Mietendeckel, der in Berlin ja nur ausgesetzt werden musste, weil es Bundessache ist. Die Enteignung von großen Immobilienkonzernen ist unerlässlich und die Frage ob man solche Konzernen - die Profit mit unserem Leben machen - ernsthaft entschädigen soll, kann man mal ganz ergebnisoffen diskutieren. Last but not least muss auch der Umbau von leerstehenden Büroflächen zu Wohnraum weiter ausgebaut werden. Ich habe allerdings wenig Hoffnung, dass auch nur irgendwas sinnvolles passiert. CDU, SPD und Grüne wagen es nicht das heilige Eigentum und Profitinteressen anzutasten, der AfD fällt nichts ein außer alles auf Migranten zu schieben und die Linkspartei wird's alleine nicht richten.