Stark gefährdet: Wie die Stadt Aachen den seltenen Pyramiden-Günsel retten will

WDR 02:40 Min. Verfügbar bis 15.06.2028

Seltener Pyramiden-Günsel Wie die Stadt Aachen um eine Pflanze kämpft

Stand:

In ganz Nordrhein-Westfalen gibt es den Pyramiden-Günsel nur an zehn Standorten. So kämpft die Stadt Aachen nun um seinen Erhalt.

Von
Logo des Westdeutschen Rundfunk
Heiko Jaeckel

Beobachter würden sich wundern, was der auf der Wiese liegende Mann da macht. Lukas Kübler arbeitet bei der Naturschutzbehörde der Stadt Aachen und ist auf der Suche nach einer ganz bestimmten Pflanze: dem Pyramiden-Günsel.

"2019, als hier die große Dürre- und Trockenperiode anfing, haben wir festgestellt, dass der Bestand der Pflanze komplett eingebrochen war, von 600 auf weniger als 100 Exemplare", erzählt Kübler. Für die Stadt war klar: Jetzt muss etwas getan werden, um den Pyramiden-Günsel an seinem einzigen Standort im Stadtgebiet zu retten.

Ein grüner Pyramiden-Günsel auf dem Feld

Ein junger Pyramidengünsel auf der Wiese

Auf der Suche nach Samen in Aachen

Doch die ersten Maßnahmen, wie das Freischneiden der Umgebung, damit sie genug Sonnenlicht erhält, halfen nicht. Die Stadt hat sich darum entschlossen, die Pflanze nachzüchten zu lassen. Aber dazu braucht man Samen, und die versucht Lukas Kübler jetzt zu gewinnen.

"Leider werden die Samen der Pflanzen nicht alle gleichzeitig reif. Deswegen muss ich immer wieder hier herkommen." Lukas Kübler, Stadt Aachen

Der Pyramiden-Günsel ist eine Pflanze, die vor allem im alpinen Bereich vorkommt. Je weiter man nach Norden kommt, desto seltener wird er. "Eine Theorie besagt, dass es ihn in der letzten Eiszeit bei uns noch häufiger gab", sagt Kübler.

Um die Samen zu bekommen, muss er die wenigen noch vorhandenen Pflanzen erstmal finden. Denn nach der Blüte im April sind Pyramiden-Günsel jetzt grün - oder sogar von viel Sonne braun und zusammengefallen. Nicht leicht, sie auf dem großen Wiesengelände zu finden.

Nachzucht im Botanischen Garten Bonn

Wenn er etwa 100 bis 200 Samen zusammen hat, wird er die zum Botanischen Garten nach Bonn bringen, wo die Pflanze nachgezüchtet werden soll. "Wenn das funktioniert, werden wir die Pflanzen hier wieder aussetzen und hoffen, dass wir damit den Bestand dauerhaft stabil halten können", sagt Lukas Kübler. Bis dahin wird er allerdings noch ein paar Mal im Gras liegen müssen.

Unsre Quellen:

  • Interview mit Vertreter der Naturschutzbehörde der Stadt Aachen
  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort

Sendung: WDR.de, Stark gefährdet: Wie die Stadt Aachen den seltenen Pyramiden-Günsel retten will, 16.06.2026, 5:02 Uhr

Weitere Beiträge aus der Städteregion Aachen

1 / 2