Abseits der Wahlurne

WDR 06:18 Min. Verfügbar bis 22.04.2028

Frust in Rothe Erde Das wünschen sich Menschen im Aachener Ostviertel

Stand:

Nur Wenige aus dem Aachener Ostviertel haben bei der Kommunalwahl mitgestimmt. Aber was macht den Menschen im Aachener Ostviertel Sorgen und was wünschen sie sich für ihr Viertel - wir waren unterwegs in der Elsassstraße und sind spontan mit Leuten ins Gespräch gekommen.

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Sophia Naim

Durch das Schaufenster des Friseursalons in der Elsassstraße 41 entdecken wir Inhaberin Güven Sentürk bei der Arbeit. Sie schneidet ihrem Kunden die Haare, hat eine Schere sogar auf ihre Hand tätowiert. Vor vier Jahren hat sie den Salon hier übernommen, erzählt sie. Sie weiß, dass das Ostviertel in Aachen nicht den besten Ruf hat:

"Viele haben Scheu hierhin zu kommen, vor allem deutsche Kunden. Sie haben wohl Vorurteile, wir sind hier ja auch 70 bis 80 Prozent Ausländer hier." Güven Sentürk
Friseurin Güven Sentürk im Gespräch mit dem WDR.

Güven Sentürk ist auf der Elsassstraße groß geworden. Sie wünscht sich viel für das Ostviertel.

Güven Sentürk ist in der Elsassstraße groß geworden, liebt das Multi-Kult-Leben. Wünsche für ihr Viertel hat sie schon: mehr Parkplätze, mehr Sauberkeit und mehr deutsche Geschäftsleute.

Wer kümmert sich um die Jugend?

Ceyhan Kumlar im Gespräch mit dem WDR.

Ceyhan Kumlar wünscht sich mehr soziale Aktivitäten in der Elsassstraße.

Wir schlendern weiter und begegnen Ceyhan Kumlar, ein cooler Typ mit blauem Cappy und passender Sportjacke. Ihm fällt direkt ein, was die Politik in seinem Viertel verändern sollte: "Wir brauchen mehr soziale Aktivitäten hier. Viele junge Leute hängen nur in Shisha Bars ab, man muss viel mehr für die Jugend tun." Den Aachener Oberbürgermeister mag er und lacht: "Herr Ziemons soll mal ein Auge auf unser Viertel haben und die Jugend mal einladen."

Wer kann die Mieten zahlen?

Jens Lissel im Gespräch mit dem WDR.

Jens Lissel wünscht sich billigere Mieten im Ostviertel.

Etwas weiter packen vor einem türkischen Restaurant gerade zwei Handwerker ihren Kofferraum aus. Jens Lissel und sein Sohn sind Fliesenleger. Die Familie kommt ursprünglich aus Sachsen, wohnt aber schon viele Jahre im Ostviertel. Er hofft, dass die Mieten hier billig bleiben: "Ich habe noch zwei Kinder. Du gehst zu 70 Prozent für die Wohnung arbeiten." Er findet, da könne die Politik viel mehr tun und die stetig steigenden Mietpreise stoppen.

Das sind drei Beispiele von vielen unterschiedlichen Menschen, die wir an diesem Tag auf der Elsasstraße treffen. Sie freuen sich gehört zu werden, ein bisschen was loszuwerden, das spüren wir. Ihre Stimmung liegt irgendwo zwischen Frust und Hoffnung.

Oberbürgermeister will nicht enttäuschen

Aachens Oberbürgermeister Michael Ziemons im Gespräch mit dem WDR.

Aachens Oberbürgermeister Michael Ziemons nimmt sich die Wünsche der Menschen aus Rothe Erde zur Aufgabe.

Wir nehmen ihre Sorgen und Wünsche mit ins Aachener Rathaus und zeigen sie dem Oberbürgermeister. Er hört sich alles an und nimmt die Ideen und die Kritik ernst. Es gäbe dort schon viele Angebote, auch für Jugendliche, meint er. Aber er merke, dass diese offenbar nicht bei allen ankommen.

Das Thema Wohnen, sagt er, wird der soziale Sprengstoff der nächsten Jahre und fragt sich: Wenn 40 bis 50 Prozent der Aachener und Aachenerinnen mittlerweile einen Wohnberechtigungsschein haben, wo sind wir da als Gesellschaft angekommen? Er weiß, dass auch im Ostviertel die Leute viel von ihm erwarten.

"Die Leute sollen und müssen sehen, dass ich mir die Hände schmutzig mache, mir das Hirn zermatere und all meine Energie gebe." Michael Ziemons, Oberbürgermeister Stadt Aachen

Am 16. Juni wird Michael Ziemons ins Ostviertel kommen und bei einem Walk and Talk den Leuten persönlich zuhören und direkt antworten. Zwischen Frust und Hoffnung darf nur eins nicht dazwischen kommen: die Enttäuschung.

Unsere Quelle:

  • WDR Gespräche vor Ort
  • WDR Gespräch mit Oberbürgermeister Michael Ziemons

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 21.04.2026, 19.30 Uhr

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