Aachener Luftschiff fliegt wieder
WDR. 03:58 Min.. Verfügbar bis 12.06.2028.
Aachener Luftschiff fliegt wieder : 30 Meter Kunstwerk über Schweden
Stand:
Nach dem Tod des Firmengründers Mucky Busemeyer schien die Aachener Luftschiff-Baugeschichte zu Ende zu sein. Doch sein Sohn, der Künstler Robin von Gestern, wollte schon immer ein Luftschiff steigen lassen, das er selbst gestaltet hat.
Robin von Gestern hat uns nach der Reise erzählt, warum ihm das alles so wichtig ist. Er musste viele Fallstricke überwinden und auch die Geschichte des 30 Meter großen Kunstwerks hat er uns verraten.
Ein Kunstwerk auf einem Luftschiff - Wie kommt man auf so eine Idee?
Robin von Gestern: Das Luftschiff war ursprünglich von meinem Vater, der war Ingenieur und Luftschiffpilot. Unser Ansatz war: Vater hat ein Luftschiff, der Sohn ist Künstler. Kann ich das nicht bemalen? Doch geschafft haben wir es nie. Es gab da technische Probleme, das Projekt stagnierte und dann ist mein Vater leider viel zu früh verstorben. Und ich stand alleine da, habe dieses Luftschiff quasi dann vermacht bekommen. Ich bin aber kein Pilot.
Also blieb das Luftschiff erstmal am Boden?
Robin von Gestern: Es gibt viele schöne Wiesen hier, aber du musst halt auch eine Person haben, die das fliegt. Und es gibt natürlich auch Luftschiffpiloten und -pilotinnen in Deutschland, die das fliegen können. Aber die musst Du auch bezahlen und das ist eh alles schon teuer."
Doch dann habe ich Oskar ausfindig gemacht. Der heißt einfach Oskar Lindström, wie in so einer Astrid Lindgren Verfilmung und der hat gesagt: "Ich finde das Projekt super". Er darf das Luftschiff den ganzen Sommer für seine Projekte nutzen und dafür fliegt er meinen Banner - das war ein perfektes Tauschgeschäft.
Wie ging es dann weiter?
Robin von Gestern: Irgendwie haben wir es geschafft alles bis nach Stockholm zu fahren. Das war Abenteuer Nummer eins. Dann hatten wir vier Tage in Stockholm - und in diesen vier Tagen brauchten wir ein Wetterfenster, wo kein Wind ist, weil Luftschiffe nur bei wenig bis gar keinem Wind steigen können.
Und wir haben immer geguckt jeden Tag aufs Neue: "Könnte es heute klappen?" Dann haben wir am letzten Tag das Luftschiff gestartet und ich stehe so davor: Moment mal, ich habe das seit 13 Jahren vor und jetzt klappt das einfach! Und dann ist das gestartet und ich bin mit eingestiegen und wir sind dann ne Runde über Stockholm geflogen - mit einem 30 Meter großen Kunstwerk auf dem 42 Meter großen Luftschiff.
Ich habe früher auch mal Züge bemalt oder Hauswände in groß, aber einfach ein 30 Meter-Luftschiff, was über einer Stadt fliegt, das ist schon was Besonderes.
Für welches Motiv haben Sie sich entschieden und wieso?
Robin von Gestern: Das Motiv von dem abgebrannten Streichholz, das sieht man auf jedem Burnout-Ratgeber. Und in meiner Familie gibt es seit drei Generationen manische Depressionen. Meine Oma hatte das, meine beiden Tanten und mein Vater hatte das und ich habe das auch. Ich glaube, es ist wichtig, über Krankheiten zu sprechen, die man hat. Und Kunst ist ein gutes Mittel, um darauf aufmerksam zu machen.
Wenn ich eine Aufgabe habe, dann ist es zu sagen, es gibt diese Krankheit und darüber muss man reden können. Mein Vater hätte es bestimmt auch nicht geschafft 70 Luftschiffe zu bauen. Er hätte sich wahrscheinlich nicht getraut, so groß zu denken, ohne diese Krankheit. Gleichzeitig hat die auch super vieles erschwert und zwischenmenschliche Beziehungen schwierig gemacht.
Aber das abgebrannte Streichholz auf dem Luftschiff steht für vieles. Ein Luftschiff fliegt im Himmel, da gibt es keine Grenzen und so sollte es auch keine europäischen Außengrenzen geben, wo irgendwelche Leute sterben und nicht gerettet werden dürfen.
Was bedeutet es Ihnen, dieses Projekt nun umgesetzt zu haben?
Robin von Gestern: Also für mich war das normal mit Luftschiffen groß zu werden. Seit ich denken kann, sind wir auf der Wiese und starten Luftschiffe. Es gab nur eine Handvoll Firmen weltweit, die Heißluftschiffe gebaut haben.
Mein Vater wollte diese Technik pushen und er hat sein ganzes Leben nichts anderes gemacht. Alle seine Energie hat er in Luftschiffe gesteckt.
Jetzt endlich nach 13 Jahren in Stockholm ist dieses Vater-Sohn-Projekt - zwar ohne Vater, aber mit einem anderen Piloten, der ihn seit den 80er Jahren kennt - zu einer ersten Vollendung gekommen.
Unsere Quellen:
• Interview mit Robin von Gestern
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 11.06.2026, 19:30 Uhr